Bahnfahrt ging beinahe in die Hose.....

Die Eisenbahnen in Japan haben sich über Jahrzehnte einen Kultstatus erworben. Dabei geht es nicht nur um die berühmten Shinkansen-Hochgeschwindigkeitszüge, sondern darum, dass im Land des Lächelns seit mehr als 40 Jahren die Verspätungsquote bei nahezu Null liegt. Kein Zug, der später als 10 bis 20 Sekunden eintrifft und zentimetergenau am Bahnsteig hält. Davon können Bahnfahrgäste in Europa nur träumen. Und doch gibt es auch in Japan Situationen, die urkomisch klingen und auch sind.

Für den Lokführer eines japanischen Hochgeschwindigkeitszugs hatte ein dringendes Bedürfnis Folgen... Foto JR

Für den Lokführer eines japanischen Hochgeschwindigkeitszugs hatte ein dringendes Bedürfnis Folgen... Foto JR

Da war kürzlich in der Tageszeitung Yomiuri Simbun (Auflage über 10 Mio.) über einen Lokführer der Bahngesellschaft JR Central zu lesen, der wegen eines dringenden Bedürfnisses mal soeben seinen Führerstand verließ, während sein Hikari Nr. 633-Zug mit hohem Tempo und 160 Passagieren an Bord in der Präfektur in Shizuoka dahinrauschte. Der 36-Jährige hatte einen der Zugbegleiter gebeten, mal eben seine Stelle einzunehmen und die Bordinstrumente und Signale zu überwachen, während er ins Bord-WC entschwand. Nach Drei Minuten kehrte der Triebfahrzeugführer wieder ins Cockpit zurück.

Irgendwie kam die Geschichte ans Licht. Und beide, Triebfahrzeugführer wie Zugbegleiter bekamen richtig Ärger. Der eine, weil er seinen Führerstand während der Fahrt keinesfalls verlassen darf, der andere, weil er keine Befähigung zum Steuern eines Zuges hat und den Lokführer nicht spielen darf. Zu seiner Entschuldigung führte der Triebfahrzeugführer an, er habe unter Durchfall gelitten und er habe sich nicht getraut, am nächsten Bahnhof einen Stopp einzulegen, weil er damit eine Verspätung produziert hätten. In Japan gilt es bei den Eisenbahnverwaltungen als große Schande, wenn ein Zug mehr als 30 Sekunden Verspätung hat. Außerdem werden bei den japanischen Bahnen Lokführer bestraft, wenn sie für Zugverspätungen von mehr als 30 Sekunden verantwortlich sind. Dennoch meldete das Management von JR Central den Vorfall dem japanischen Ministerium für Verkehr, Infrastruktur und Tourismus. In dem Schreiben an das Ministerium entschuldigte sich JR für den Zwischenfall und kündigte an, die geltenden Regeln für das Zugpersonal verschärfen und die beiden „Missetäter“ disziplinieren zu wollen.

Laut JR Central, die Tōkaidō-Shinkansen-Schnellstrecke zwischen Tokyo und Shin-Osaka, betreibt, war es das allererste Mal, das sein Triebfahrzeugführer sein Cockpit während desfahrenden und mit Fahrgästen besetzten Zuges verlassen hat. Quelle: Yomiuri Simbun / DMM