Darf sie oder darf sie nicht stattfinden, die IAA?

Die Mobilitäts- und Technologiebranche will sich vom 07. - 12. September 2021 erstmals in München zur IAA treffen. Neuer Standort, neues Konzept: Die IAA 2021 soll zur Ausstellung, zur zukunftsgerichteten Mobilitätsplattform und zum Dialogforum zugleich werden. Nun aber steht die neue IAA als „Treiber und Impulsgeber für Lösungen zur Mobilität der Zukunft“, so VDA-Präsidentin Hildegard Müller und Klaus Dittrich (Chef der Messe München), möglicherweise vor dem Aus bevor sie begonnen hat. Hintergrund ist eine Aussage von Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter.

Der VDA will an der neuen IAA in München festhalten, die für September geplant ist. Eine Entscheidung über ja oder nein soll am Mittwoch, 24. März 2021 fallen. Foto: Messe München

Der VDA will an der neuen IAA in München festhalten, die für September geplant ist. Eine Entscheidung über ja oder nein soll am Mittwoch, 24. März 2021 fallen. Foto: Messe München

Für Münchens Stadtoberhaupt Dieter Reiter ist die Ausgangslage klar: Wenn das Oktoberfest 2021 nicht stattfinden kann, muss auch die Internationale Automobil Ausstellung ausfallen. Der veranstaltende Verband der Automobilindustrie (VDA) kann diesen Zusammenhang allerdings nicht nachvollziehen. „Die IAA lässt sich nicht mit dem Oktoberfest vergleichen“, stellt ein VDA-Sprecher fest. „Deshalb gehen die Planungen für die Messe weiter.“

Schwer vorstellbar, dass die IAA als eine der bedeutendsten Automessen der Welt nicht stattfinden soll. Auf einem VDA-Vorstandstreffen soll am Mittwoch, 24. ;März 2021 über das Schicksal der Messe, die einen wichtigen (finanziellen) Posten in der Bilanz des Verbands darstellt, beraten werden. Offensichtlich steht die Veranstaltung auf der Kippe – und nicht nur wegen Corona. Denn bisher ist das Interesse der Industrie eher zurückhaltend, haben nur wenige Unternehmen feste Zusagen für die Messe gegeben, die nach einem ganz neuen Konzept veranstaltet werden soll. Nicht mehr wie bisher allein in festen Hallen, sondern im städtischen Umfeld will der Verband die Zukunft der Mobilität zeigen und hat daher auch den Zusatz „Mobility“ an IAA gehängt.

Nach den Vorstellungen des VDA soll die IAA Mobility im September nicht mehr eine klassische automobile Leistungsschau sein, sondern „die Vernetzung aller Verkehrsträger“ zeigen, wobei „aller“ etwas hoch gegriffen scheint: Denn weder die Eisenbahn-Branche noch die Luftfahrt und auch nicht die Mobilitätsformen zu Wasser finden sich im Konzept wieder. Das wäre wohl auch etwas zuviel des Guten. Immerhin gibt es mit der Innotrans und den Luftfahrtmessen ILA, EBACE sowie Paris und Farnborough für diese Mobilitätsbranchen spezialisierte GroßVeranstaltungen.

„Die IAA Mobility diskutiert, präsentiert die Mobilität in allen Facetten“, heißt es in einem Papier des Verbands, was so natürlich nicht stimmt. Dabei spielen das Auto und seine Weiterentwicklung zwar noch eine ganz entscheidende Rolle, aber: „Wir geben aber allen Formen von Mobilität eine Plattform: Vom Fahrrad bis zum ÖPNV.“ Eine so genannte Blue Lane zwischen dem Königsplatz und dem Messegelände in Riem soll für abgasarme Autos und den öffentlichen Nahverkehr reserviert werden. Im Zentrum sind Präsentationen und Konzerte geplant.

Während OB Reiter die IAA ans Oktoberfest koppelt, geht sein Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner (CSU) davon aus, dass die IAA wie geplant stattfinden wird. Wie der VDA verbindet Baumgärtner seinen Optimismus mit der aktuell noch stockenden Impfkampagne. Bis September ist nach seiner Auffassung ein Großteil der Bevölkerung geimpft. Dabei blendet der Wirtschaftsreferent allerdings aus, dass die IAA eben international ausgerichtet ist, und niemand wissen kann, ob und welche Virus-Mutationen mit den Besuchern aus aller Welt nach München kommen.

In der bayerischen Landeshauptstadt selbst wächst die Kritik an der Messe. Das Bündnis „noIAA“ demonstriert gegen die Veranstaltung. Die Aktivisten lassen sich offensichtlich nicht vom neuen Konzept der überzeugen, welches das Stadtzentrum einbezieht, wo neue Mobilitätskonzepte, u.a. emissionsarme Automobile ohne Absperrungen vorgeführt werden sollen. Dieses Konzept der freien Räume ohne Eintrittskarten bereitet den Verantwortlichen allerdings inzwischen einige Probleme, weil eine Rückverfolgung der Infektionsketten nur schwer möglich sein wird.

Die IAA wäre nicht die erste Veranstaltung, die die Messe München in diesem Jahr ausfallen lässt. Aktuell sind alle Messen bis Juni abgesagt. Unabhängig davon, ob die IAA nun stattfindet oder nicht, die Hotels der Stadt haben sie schon eingepreist. Pünktlich zu den Pressetagen haben sich die Zimmerpreise im Vergleich zu Anfang August mindestens verdreifacht. Möglicherweise aber freuen sich die Hotelketten und Hoteliers zu früh. Denn es ist nicht ausgeschlossen, dass die aktuelle Pandemiesituationnicht nur keine zuverlässige Planung für im 1. Halbjahr anstehende internationale Präsenzmessen zulässt, sondern dies möglicherweise auch für das zweite Halbjahr 2021 gelten wird.
Die Messe München reagiert frühzeitig auf die nach wie vor bestehenden Unwägbarkeiten im Zuge der Pandemiesituation: Nach eingehender Beratung mit Fachbeiräten, Ausstellern und Partnern hat das Unternehmen entschieden, die INHORGENTA MUNICH 2021, Europas führende Plattform für Schmuck, Uhren und Edelsteine (15. bis 19. April) sowie die Reise- und Freizeitmesse f.re.e (21. bis 25. April) abzusagen. Die MÜNCHNER AUTO TAGE, die parallel zur f.re.e stattfinden sollten, werden 2021 ebenfalls nicht umgesetzt. Alle diese Veranstaltungen finden normalerweise im jährlichen Turnus statt.

Klaus Dittrich, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe München, zu den Entscheidungen: „Wir bedauern die Absagen sehr. Unser Ziel ist es, unseren Kunden eine erfolgreiche Veranstaltung zu garantieren. Das aktuelle Pandemiegeschehen lässt jedoch keine sichere Planung zu. Denn derzeit ist keine Lockerung des Veranstaltungsverbots absehbar. Darüber hinaus können wir aufgrund der Reiserestriktionen die Anforderungen aller Teilnehmer an die Internationalität unserer Präsenzmessen und somit auch unsere eigenen Ansprüche an eine erfolgreiche Veranstaltung nicht erfüllen.“ Quelle: Messe München / VDA / ampnet / DMM