120 Jahre Mercedes - Fast immer ging es nur nach oben

Ziemlich bewegt und dennoch hoch interessant war die Entwicklung der Marke Mercedes in den zurück liegenden 120 Jahren. Ursprünglich verkaufte die 1890 gegründete Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG) ihre Fahrzeuge noch nicht unter dem Namen Mercedes. Die Marke entstand erst um die Jahrhundertwende, inspiriert durch den Geschäftsmann Emil Jellinek, der ab 1898 mit Daimler-Fahrzeugen handelte. Ab 1899 nahm Jellinek unter dem Pseudonym Mercedes (angelehnt an den Namen seiner Tochter Mercédès Jellinek) u.a. an der Rennwoche von Nizza teil.

"Die Verantwortung für diese Marke macht meine Mannschaft und mich ein wenig ehrfürchtig, aber vor allem sehr stolz", sagt Mercedes-Marketingchefin Bettina Fetzer. Foto: MB

"Die Verantwortung für diese Marke macht meine Mannschaft und mich ein wenig ehrfürchtig, aber vor allem sehr stolz", sagt Mercedes-Marketingchefin Bettina Fetzer. Foto: MB

Obwohl „Mercedes“ zu dieser Zeit nur als Fahrername verwendet wurde und noch nicht als Automobilbezeichnung, wurde der Name so in Zusammenhang mit der DMG bekannt. 1900 vereinbarte Jellinek, in Nizza lebender Automobil-Enthusiast und damals der größte Händler von Daimler-Fahrzeugen, die Fertigung des neuen, leistungsstarken Motorenmodells „Daimler-Mercedes“. Fortan sollten alle Fahrzeuge den Namen seiner Tochter Mercédès tragen, wodurch der Name Mercedes erstmals als Produktbezeichnung genutzt wurde.

Der Mercedes 35 PS, das erste nach ihr benannte Auto, gewann 1901 in der Rennwoche von Nizza fast alle Rennen und faszinierte mit einer ganz neuen, eleganten Formensprache. Der Name Mercedes wurde auf Anhieb zum weltweiten Synonym für Innovation und Luxus im Automobilbau. Der Mercedes 35 PS war auch das erste moderne Automobil. Mit einer eigenständigen Form beendete er das Zeitalter der motorisierten Kutschen und veränderte damit die Welt der Mobilität. Bis heute gilt der Wagen als Meisterstück technischer Raffinesse und Schönheit. Charakteristische Merkmale sind die lang gestreckte Form, der tief im Rahmen eingebaute Motor und der organisch in die Front integrierte Kühler, der als Bienenwabenkühler zum markenprägenden Erkennungszeichen wurde. Der Name Mercedes wurde am 23. Juni 1902 zum Warenzeichen angemeldet und am 26. September 1902 gesetzlich geschützt.

Dreizackiger Stern. 1909 stellte die DMG der Wortmarke Mercedes ein markantes Markenzeichen zur Seite: den dreizackigen Stern. Die drei Zacken symbolisierten Gottlieb Daimlers Vision vom universellen Einsatz seiner Motoren „zu Lande, zu Wasser und in der Luft“. Mit einem Stern hatte er in seiner Zeit als Technischer Direktor der Gasmotorenfabrik Deutz sein Wohnhaus auf einer Postkarte mit der Deutzer Stadtansicht markiert. Der Mercedes Stern kam in den ersten Jahren ohne umschließenden Ring zum Einsatz und zierte ab 1910 vor allem den Kühler der Fahrzeuge in plastisch geprägter Form. 1913 wurde der dreizackige Stern mit einem breiten Ring und dem Schriftzug „Mercedes“ kombiniert, ergänzt um vier kleine Sterne im Kreis. Dieses Markenzeichen schmückte in der Folgezeit die Lenkradnabe der Mercedes Automobile.

Der ruhmreiche Name Benz. Im gleichen Jahr wie die DMG hatte auch das damalige Konkurrenzunternehmen, die Benz & Cie., sein eigenes Markenzeichen entwickelt. Carl Benz hatte 1886 mit dem dreirädrigen Patent-Motorwagen das Automobil erfunden und stand seitdem für Kompetenz im Motoren- und Fahrzeugbau. In dem 1909 eingeführten Markenzeichen war der Schriftzug „Benz“ als zentrales Element von einem Lorbeerkranz eingerahmt. Dieses klassische Ehrenzeichen des Siegers sportlicher Wettkämpfe wies auf die Erfolge von Benz & Cie. bei Automobilrennen hin.

Ebenso wie die Daimler-Motoren-Gesellschaft setzte auch Benz & Cie. mit zahlreichen Innovationen immer wieder neue Maßstäbe in der Automobilentwicklung, z.B. mit dem 1909 vorgestellten „Blitzen-Benz“. Er war das erste Automobil mit einem Verbrennungsmotor, das schneller als 200 km/h fuhr. Damit war es doppelt so schnell wie ein Flugzeug der damaligen Zeit. Die innovative Formensprache dieses Fahrzeugs folgte erstmals aerodynamischen Erkenntnissen.

Die Marke Mercedes-Benz. Als 1926 die Daimler-Motoren-Gesellschaft und die Firma Benz & Cie. fusionierten, wurde ein neues Markenzeichen geschaffen. Es führte die wesentlichen Elemente der bisherigen Embleme zusammen: Der Dreizackstern blieb prominent in der Mitte. Die Wortmarke „Mercedes“ wanderte vom unteren Rand des Rings nach oben, an ihre Stelle trat der Name „Benz“. Der Benz Lorbeerkranz verband beide Schriftzüge. Die Marke Mercedes-Benz war geboren. Die Wortmarke Mercedes-Benz wurde am 07. Oktober 1927 und das Logo am 28. August 1928 als Schutzmarken in die Zeichenrolle eingetragen. Das Markenzeichen schmückt in dezent angepasster Ausführung noch heute die Fahrzeuge und gilt auf der ganzen Welt als Inbegriff für Tradition, Innovation und Luxus im Automobilbau.

Traumwagen der 1930er Jahre. Während kraftvoll modellierte Linien die Mercedes-Benz Modelle der 1920er Jahre prägten, setzte die Gestaltung ab Anfang der 1930er Jahre auf weichere, fließende Linien und gerundete Formelemente. Highlights dieser Entwicklung bildeten der Typ 500 K von 1934 und sein 1936 eingeführter Nachfolger 540 K. Mit ihren maßgeschneiderten Formen und den eleganten, fließenden Linien gelten sie noch heute als Objekte vollkommener Schönheit. Die Ausführung als Spezial-Roadster wird als absoluter Traumwagen der 1930er Jahre angesehen. Die Variante als Coupé begründete die moderne Coupé-Tradition von Mercedes-Benz.

Mit der Pontonform in die Moderne. 1953 vollzog Mercedes-Benz mit dem Typ 180 den Schritt in die Moderne. Kennzeichen der Limousine war das sogenannte Drei-Box-Design – die dritte „Box“ nach Vorbau und Fahrgastzelle war der Kofferraum. Die selbsttragende „Ponton“-Karosserie überzeugte nicht nur durch höhere Stabilität und verbesserte Unfallsicherheit. Die Kotflügel und Scheinwerfer waren erstmals vollständig in den Grundkörper integriert, der auch den Motorraum und das Gepäckabteil im Heck mit einbezog. Daraus entstand harmonisch ein für damalige Verhältnisse großzügig verglastes Interieur.

Design-Ikonen. Viele Mercedes-Benz Modelle haben die gestalterische Entwicklung des Automobils nachhaltig beeinflusst und wurden zu Design-Ikonen: etwa der „Flügeltürer“ von 1954. Der Mercedes-Benz 300 SL war das Nonplusultra des Automobil-Designs seiner Zeit. Bis heute ist er ein begehrter Traumwagen und wurde 1999 von einer internationalen Jury von Automobilexperten zum „Sportwagen des Jahrhunderts“ gewählt. Der 300 SL fasziniert nicht nur mit den Flügeltüren, sondern hat als erster Mercedes-Benz Serien-Personenwagen seit 1945 keinen senkrecht stehenden Kühlergrill mehr. Stattdessen schmückt ihn eine waagerechte Lufteinlassöffnung mit dem Stern in der Mitte. Diese neue Front prägt alle folgenden SL-Generationen.

Die Heckflosse. Auch die 1959 eingeführten, im Volksmund „Heckflosse“ genannten Limousinen der Typen 220, 220 S und 220 SE setzten Maßstäbe mit ihrer Form, die Funktion und Eleganz vereinte. Die gleichermaßen schönen wie beim Einparken hilfreichen Heckflossen und die üppige Rundumsicht antizipierten frühzeitig die gewandelten Kundenerwartungen. Der „Heckflossen“-Mercedes war auch das weltweit erste Fahrzeug mit gestaltfester Fahrgastzelle und Energie absorbierenden Knautschzonen. Damit schlug er ein neues Kapitel in der Sicherheitstechnik auf.

Innovation und Tradition im Gleichgewicht. Auch mit Konzept- und Experimentalfahrzeugen wie dem C 111 von 1969 schrieb Mercedes-Benz Design-Geschichte. Obwohl er nie in Serie gefertigt wurde, gingen von ihm starke Impulse für die zukünftige automobile Entwicklung aus. Design-Innovationen sind für Mercedes-Benz charakteristisch, aber dennoch wird die Identität der Marke immer bewahrt – beim C 111 u.a. durch die Flügeltüren, die 2009 beim SLS AMG ihre erneute Rückkehr feierten.

Gorden Wagener, Chief Design Officer Daimler Group: „Es geht darum, Markenidentität als langfristig angelegte Strategie zu verstehen und die Werte und Merkmale, die diese Identität prägen, mit Bedacht weiterzuentwickeln. Das schaffen wir, indem wir bewährte Stilelemente unserer Marke pflegen und mit neuen Ideen kombinieren, ohne jedoch ihr Wesentliches zu verändern.“ So wurde beispielsweise die Kühlermaske sowohl in ihren Grundproportionen als auch in der Detailausgestaltung stets neu interpretiert. Ihr Gesamterscheinungsbild ist jedoch noch genauso unverwechselbar wie vor 120 Jahren.

Mit dieser Designstrategie hat Mercedes-Benz es geschafft, immer wieder neue Konzepte zu entwickeln und dabei auch völlig neue Marktsegmente zu erschließen. 1977 debütierte das T-Modell unter dem Slogan „Touristik und Transport“ als erster Lifestyle-Kombi. 1979 war das Geburtsjahr des Geländewagens G-Klasse, der von Beginn an zur Legende wurde und auch nach mehr als 40 Jahren Kunden anzieht. Der 1982 eingeführte kompakte Mercedes-Benz 190 begründete die Ahnenreihe der heutigen C-Klasse, die mit inzwischen vier Modellvarianten zum Bestseller geworden ist. 1997 folgte mit der M-Klasse das weltweit erste Premium-SUV.

Ein weiteres neues Marktsegment begründete 2004 der CLS als erstes viertüriges Coupé. Es verband erstmals die Eleganz und Dynamik eines Coupés mit dem Komfort und der Funktionalität einer Limousine. Über Jahre hinweg blieb der CLS das einzige viertürige Coupé in seiner Klasse. Mit der völlig neu entwickelten A-Klasse definierten die Schwaben  2012 nicht nur das Kompaktsegment völlig neu, sie war auch der sichtbare Aufbruch in die neue Design-Ära der „sinnlichen Klarheit“. Dank der neuen Designphilosophie hat Mercedes-Benz den Wandel von einem traditionellen hin zu einem modernen Luxus vollzogen. Nicht vergessen darf man freilich auch echte Design-Flops wie z.B. die R-Klasse, die erste B-Klase und andere mehr. Aber Mercedes hielt sich an den Grundsatz "Fehler darf man machen, wenn man sie nur einmal macht". Genau das ist ein ganz wesentliches Erfolgsgeheimnis.

Erst Ende der 1980er Jahre bekam Mercedes-Benz in Europa mit BMW und später Audi, sowie auf dem US-Markt mit der Toyota-Nobeltochter Lexus ernsthafte Konkurrenz. Und mit Tesla erschien ein weiterer sehr ernst zu nehmender Wettbewerber, der mit seinen Elektromodellen in den USA eine klare Führungsrolle vor den deutschen Importeuren übernahm.  

Avantgardistische Elektroästhetik der Zukunft. Die Zukunft des Mercedes-Benz Designs wird noch progressiver und avantgardistischer. Das zeigt das erste vollelektrische Modell der neuen Produkt- und Technologiemarke EQ. Der EQC hat viele wegweisende Designdetails und markentypische Farbakzente. Besonders prägnant sind die Frontscheinwerfer und der Lufteinlass. Sie verschmelzen zu einer Black-Panel-Elektroästhetik. Auch im hochwertigen Innenraum ist der Mercedes unter den Elektrofahrzeugen Vorreiter einer avantgardistischen Elektroästhetik. Das neuartige Interieurdesign ist inspiriert von der Welt der Consumer Electronics.

Ob Fahrzeuge, Schrift oder Showroom - die Designphilosophie der Sinnlichen Klarheit durchzieht alle Bereiche der Marke – und geht weit darüber hinaus. Seit 2010 entwerfen die Mercedes-Benz Designer unter dem Label Mercedes-Benz Style in Kooperation mit ausgewählten Partnern auch das Design vielfältiger Produkte jenseits des Automobils. Dazu gehören beispielsweise das Interieur des exklusiven Airbus-Helikopters „Helikopter H145“, die luxuriöse Motoryacht „ARROW460 - Granturismo“ und die futuristische Pendelleuchte „Ameluna“ von Artemide. Sie tragen die unverwechselbare, progressive Designsprache in andere Produktwelten und Lebensbereiche wie Mobilität, Lifestyle und Innenraumgestaltung. Damit entwickelt sich Mercedes-Benz von der Premium-Automobilmarke zu einer ganzheitlichen Luxusmarke.

Die wertvollste Luxus-Automobilmarke der Welt. Dank der Erfolgsgeschichte, in der es freilich nicht nur Höhen, sondern auch etliche Tiefen gab, übrigens auch beim so hoch gelobten Design(!), konnte Mercedes-Benz seinen Markenwert kontinuierlich steigern. Seit 2016 ist die Marke mit dem Stern durchgehend die wertvollste Luxus-Automobilmarke der Welt und liegt im Ranking „Best Global Brands 2019“ des renommierten US-Markenberatungsunternehmen Interbrand als einzige europäische Marke unter den Top Ten.

Marketingchefin Bettina Fetzer: „Mercedes-Benz ist damals wie heute eine Marke, die Emotionen weckt und ein Erlebnis für unsere Kunden darstellt. Unser Ziel ist es, diese Marke für mindestens weitere 120 Jahre fest in den Herzen der Menschen zu verankern.“ Quelle: Mercedes-Benz / DMM