Air Italy ist Geschichte

Dienstag, der 11. Februar 2020, könnte zum Schicksalstag der Air Italy werden, hieß es noch am Dienstagmorgen. Denn da war in Mailand eine außerordentliche Verwaltungsrats- und Aktionärssitzung anberaumt, bei der es um nichts weniger als die Zukunft der Airline (bis März 2018 Meridiana) gehen sollte. Ursprünglich war die Sitzung am 18. Februar terminiert gewesen, wurde aber offenbar wegen Liquiditäts-Engpässen vorgezogen. Die Gesellschaft kämpft mit massiven Verlusten. Am Nachmittag war klar, Air Italy wird aufgelöst. Die Maschinen bleiben am Boden.

Air Italy droht am Dienstag, 11. Februar 2020, das Grounding. Foto: wikimedia

Air Italy droht am Dienstag, 11. Februar 2020, das Grounding. Foto: wikimedia

Qatar Airways, seit Juli 2016 übernahm 49 % an Meridiana bzw. Air Italy, könnte nichts gegen das drohende Aus unternehmen; denn Mehrheitseigentümer ist das Unternehmen Akfed von Aga Khan, einstiger Alleineigentümer von Meridiana und die Araber dürften aus EU-rechtlichen Gründen nicht mehr Cash einschießen, ohne ihren 49 %- Anteil zu erhöhen - was wiederum eine Verletzung der EU-Bestimmungen wäre. Akfed soll gedroht haben, bei der dringend benötigten Rekapitalisierung nicht mitzumachen. Sollte dies der Fall sein, wäre eine Liquidation der Airline wohl unumgänglich.

2018 hatte Akbar Al Bakar, CEO von Qatar Airways, die Umbenennung der Fluggesellschaft Meridiana in Air Italy angeregt. Die Umfirmierung fand am 01. März 2018 stand, wobei das Tochterunternehmen Air Italy sein Air Operator Certificate zurückgab und mit Meridiana fusioniert wurde. Im Sommer 2018 wurde der Flughafen Mailand-Malpensa zum neuen Hauptdrehkreuz der Fluggesellschaft. In Olbia verbleibt die Unternehmensleitung und die Flugzeuginstandhaltung.

Im Sommer 2019 kündigte Air Italy ein massives Ausbauprogramm an. Indien, Thailand und die USA sollten angeflogen werden. Indien und Thailand wurden nicht realisiert, dafür die Strecken nach Nordamerika. Ab Mailand wurden New York, Miami, Los Angeles, San Francisco und Toronto angegflogen. Auch in Afrika (Accra, Kairo, Dakar, Lagos, Mombasa, Sharm El-Sheikh, Sansibar), Asien (Male) und im inner-italienischen Verkehr ab Olbia war  Air Italy aktiv. Zurzeit fliegt Air Italy mit acht Boeing 737 und fünf Airbus A330.

Zuletzt war es still geworden um den Konkurrenten von Alitalia, der ebenfalls ums Überleben kämpft. Gesucht wurden u.a. europäische Investoren.

Übrigen hat es in Italien noch eine weitere Airline erwischt: Nachdem die italienische Low-Cost-Gesellschaft Ernest Airlines bereits im Dezember 2019 ihr AOC verlor, hat sie am Dienstag, 11. Februar 2020 mit sofortiger Wirkung sämtliche Flüge «bis auf Weiteres» eingestellt. Quelle: Il Sole 24 Ore / DMM