Alfa Romeo feiert 115. Geburtstag

Wir schreiben den 24. Juni 1910. Es sind nun 115 Jahre her, als Alexandre Darraq und Cavaliere Ugo Stella in Mailand die Firma A.L.F.A. gründeten, die Aktiengesellschaft Lombardische Autofabrik (Anonima Lombarda Fabbrica Automobili). Fünf Jahre später übernahm Nicola Romeo das Unternehmen und fügte 1918 seinen Nachnamen hinzu. Seit 2021 gehört Alfra Romeo zum Stellantis-Konzern. Am Wochenende feierte der Importeur den Alfa Romeo Tag (Giornata dell‘ Alfa Romeo 2025) am TRIWO-Testcenter Pferdsfeld nahe Bad Kreuznach.

Am TRIWO-Testsenter Pferdsfeld erlebten die Besucher die ganze Facette des Automobilbaus von Alfa Romeo. Fotos. G. Zielonka/DMM

Die heutige moderne Palette von Alfa Romeo mit Giulietta, Stelvio, Junior & Co.

Vor 115 Jahren begann ein Kapital des italienischen Automobilbaus, das mit Sicherheit noch viele Jahre fortgeschrieben wird.

Alfa Romeo steht für attraktives Design und Sportlichkeit.

Zahlreiche Medienvertreter nutzten am Freitag und tags darauf viele Kunden die Alfa Romeo Driving Experience. Fazu präsentierte der Importeur statische und dynamische Hightlights, sprich berühmte frühere aber auch die neuesten Modelle.  

Seit der Fusion im Jahre 2021 von FCA und PSA zu Stellantis ist Alfa Romeo eine der leuchtenden Marken des derzeit weltweit viertgrößten Konzerns. Die Fahrzeuge des italienischen Fabrikats sind seit jeher sportlich orientiert und im gehobenen Marktsegment angesiedelt. Aber: Während die Marke im Heimatmarkt eine bedeutende Rolle spielt, in privaten wie gewerblichen Markt, tut sie sich hier zu Lande, vorsichtig ausgedrückt, nicht leicht. Vor allem in gewerblichen Segment und da vor allem bei Firmenfuhrparks gelingt es leider nur selten, in die Phalanx der deutschen Platzhirsche einzudringen. An der fortschrittlichen Technik liegt’s nicht, am Design auch nicht, wahrscheinlich aber an den Vertriebsambitionen und natürlich auch daran, dass z.B. ein so wichtiger Kombi heute schlicht und einfach fehlt.   

Die Historie mit vielen Höhen, aber auch einigen Tiefen. Zurück zur Marke, die in den letzten 11,5 Jahrzehnten nicht nur Motorgeschichte geschrieben hat. Am 24. Juni 1910 änderten die Unternehmer aus der Lombardei die Firma der Gesellschaft in Società Anonima Lombarda Fabbrica Automobili (Aktiengesellschaft Lombardische Automobilfabrik) und wählten A.L.F.A. als ihre Kurzbezeichnung. Dieses Ereignis gilt heute als der offizielle Gründungszeitpunkt. Im selben Jahr brachte das Unternehmen mit dem Modell 24 HP die erste Konstruktion von Merosi auf den Markt, am Kühlergrill der Markenname Alfa. Sogleich stellte man sich dem Wettbewerb auch im Rennsport mit zwei Alfa 24 HP bei der nächsten Targa Florio im Mai 1911.

Bemerkenswert die Historie ab 1914, dem Ersten Weltkrieg: Damals wandte sich der Betrieb der Produktion von Flugmotoren, Munition etc. zu, wurde also ein Rüstungsunternehmen und die Anzahl der Beschäftigten wuchs von 200 auf über 4.000. Das alles erinnert an heute, da diverse Automobilunternehmen angesichts es russischen Angriffskriegs auf die Ukraine ebenfalls mit der Rüstungssparte liebäugeln.

Nach Kriegsende wurden dann ab 1919 im Werk Portello auch wieder zivile Fahrzeuge produziert. 1920 wurde der Name des neuen Eigentümers in den Markennamen aufgenommen: aus Alfa wurde Alfa Romeo. 1923 gelang mit dem Alfa Romeo RL der erste große Erfolg im Rennsport, der Doppelsieg mit Ugo Sivocci und Antonio Ascari bei deTarga Florio. In den 1930er-Jahren baute das Automobilunternehmen mit einer Version des 8C 2900 das schnellste Serienauto der Welt (205 km/h).

Auf Wunsch des staatlichen Eigners wurde das Portfolio im gewerblichen Bereich stark ausgebaut, neben Autos wurden Lkw, Busse, O-Busse und Flugzeugmotoren gefertigt. Nach dem 2. Weltkrieg wandte sich Alfa Romeo auch der Fertigung von seriell produzierten Wagen für eine breitere Käuferschicht zu. 1950 erschien der Alfa Romeo 1900, Anfang 1954 die nochmals kleinere und preisgünstigere Giulietta und Mitte 1962 die im neuen Werk in Arese produzierte Giulia. Ende 1971 wurde der Kompaktwagen Alfasud vorgestellt. Der Wagen markiert auch einen technischen Wendepunkt für Alfa Romeo: Er war der erste Pkw des Herstellers mit Frontantrieb. Zeitgleich mit der Einführung des Alfasud griff Alfa Romeo auf die Erfahrung mit der Transaxle-Bauweise zurück und führte sie ab Frühjahr 1972 mit der Alfetta beginnend in der gesamten Mittelklasse ein. 

Als Staatsbetrieb musste sich Alfa Romeo immer wieder politischen Forderungen beugen. Für den Alfasud wurde eigens ein Werk im Süden Italiens, in Pomigliano d’Arco bei Neapel, errichtet. Bis dahin befanden sich alle Werke in Norditalien. Aber erst Jahre später gelang es, das Werk in Süditalien effizient und profitabel zu betreiben.

Seit Mitte der 1970er-Jahre polarisierte das Design von Alfa Romeos Großserienmodellen zunehmend. Ermanno Cressoni, der 1975 die Leitung des  übernommen hatte, 

1975 setzte Ermanno Cressoni als Leiter des Centro Stile Alfa Romeo mit seiner La Linea genannten Formsprache auf die Keilform und gebrochene Linien. Das erste Auto, das diesem Designkonzept folgte, war der 1977 vorgestellte Nuova Giulietta,. Auch der kompakte Alfasud-Nachfolger Alfa 33 sowie der Alfa 75, der den Giulietta ablöste, setzten La Linea um. Mit der Einführung des Modells 33 im Jahr 1983 und der 1988 vollzogenen Umbenennung des Kombis in „Sportwagon“ (später auch für 156 und 159 verwendet) galt Alfa Romeo als Begründerin des Trends zu sportlichen „Lifestyle-Kombis“. Leider versäumte es das Vertriebsteam, diese schicken Kombis auch für deutsche, österreichische oder Schweizer Unternehmen und deren Fuhrparks attraktiv zu machen. 

Im November 1986 wurde Alfa Romeo an den Fiat-Konzern verkauft. Die Übernahme durch Fiat bedeutete eine Übernahme von Know-how aus dem Konzern und eine Steigerung der Qualität. Im Herbst 1987 erschien der 164, der erste große Alfa Romeo (aus der Produktion „Nord“) mit Vorderradantrieb, seine Plattform wurde gemeinsam mit Fiat (Croma), Lancia (Thema) und Saab (9000) entwickelt. Sinnbild der konzerninternen Zusammenarbeit war das Anfang 1992 präsentierte Modell 155, das zwar über die klassischen Vierzylinder-Alfa-Romeo-Motoren verfügte, aber vom Exterior-Design mit dem Fiat Tempra verwandt war. 1993 zog sich Alfa Romeo aus den USA zurück.

Bei den im Sommer 1994 präsentierten Alfa-33-Nachfolgern 145 und 146 verschwanden Ende 1996 die bereits aus dem Alfasud bekannten Boxermotoren, und man setzte nun auf die Reihen-Vierzylinder-Motoren sowie für die 2.0-l-16V-Aggregate auf Fiat-Motoren. Im Herbst 1997 wurde mit dem Alfa 156 eine neue Designlinie eingeführt, welche dezente Anleihen an der Markengeschichte nahm, aber auch das Fahrzeugdesign im Allgemeinen prägte. Die hohe Gürtellinie, der Coupé-Charakter der Limousinen, Aluminiumtürgriffe vorne und verborgene hinten und die martialische Front sind Elemente, die bis heute an Modellen vieler Hersteller zu finden sind. Die Innovationen gingen auf eine junge Generation von eigenen Designern zurück, darunter Walter de Silva und  Andreas Zapatinas. Der Kombi des 156 (traditionell als SPORT WAGON bezeichnet) hatte als erster ein abfallendes Heck, was dem Wagen ebenfalls eine elegante Coupé-Linie verlieh, ein Merkmal, das heute alle sogenannten Lifestyle-Kombis prägt. Im 156 kam weltweit erstmals ein Common-Rail-Turbodieselmotor in einem Serienfahrzeug zum Einsatz. 

Seit 2007 ist Alfa Romeo wieder eine Aktiengesellschaft. Unter der Führung von Sergio Marchionne, seit 2004 CEO des Fiat-Konzerns, wurde das Portfolio der Marke ab Mitte 2010 erheblich reduziert. Die Fertigung von Alfa GT, 159 (inkl. Sportwagon), Brera und Spider wurde eingestellt. Mit dem in begrenzter Stückzahl gebauten Sportwagen Alfa Romeo 8C Competizione kehrte die Marke in die USA und nach Kanada zurück.

Elektrischer Youngster., Das jüngste Mitglied der Alfa-Romeo-Familie, das Kompakt-SUV Junior erschiene 2024 als Hybrid oder mit vollelektrischem Antrieb (ALFA ROMEO JUNIOR ELETTRICA), u.a. in den Varianten Speciale, Veloce und Intensa gibt. Dass das Mini-SUV von Alfa ursprünglich mal Milano heißen sollte, wissen heute wohl nur Kenner. Doch weil der Wagen nicht in Italien, sondern im polnischen Tichy gefertigt wird, war die italienische Regierung von der Namensgebung wenig begeistert. Seitdem hört das Auto kurzerhand auf den Namen Junior. Der „kleine“ entspricht nicht nur dem sportlich-eleganten Stil italienischen Karosserie-Designs er fahrt sich auch sportlich. Natürlich war auch der E-Junior am Testcenter zu Testfahrten zu haben. 

Zum 105. Jubiläum der Firma am 24. Juni 2015 wurde ein modernisiertes Logo präsentiert. Gleichzeitig stellte Alfa Romeo der Presse die neue Giulia vor, die dann im Mai 2016 eingeführt wurde. Außer der neuen Giulia wurde nur Alfa Romeos erstes SUV, der Stelvio.

Technik-Vorreiter, Neben Design steht bei Alfa Romeo traditionell auch immer die Technik im Vordergrund. Seit 1958 wurden Fünfganggetriebe in Serienfahrzeugen angeboten. Der GTA erhielt in den 1960er-Jahren eine Leichtbau-Karosserie, deren sämtliche nicht tragenden Teile aus Aluminium bestanden. Die Transaxle-Bauweise wurde ab 1972 in dem Mittelklasse-Pkw Alfetta serienmäßig verwendet. Seit 1983 wurden beim Alfa 33 verschiedene Allradsysteme angeboten1997 präsentierte Alfa Romeo beim 156 JTD als erster Hersteller überhaupt die Common-Rail-Technik für die Direkteinspritzung in Diesel-Pkw. Beim JTS-Motor wird inzwischen auch eine Benzin-Direkteinspritzung angeboten. Als Option kann man heute über die Selespeed-Schaltung die Gänge wechseln.
Außerdem haben so bekannte Designunternehmen wie Bertone und Pininfarina Autos im Auftrag von Alfa Romeo gebaut. Ausländische Produktionsstätten von Alfa Romeo befanden sich in Südafrika (Alfa Romeo South Africa) und Brasilien. Aus CKD-Bausätzen werden Fahrzeuge im Ausland auch bei externen Herstellern gefertigt.

115 Jahre. 2025 wird 115 Jahre Alfa Romeo gefeiert, mit einigen spannenden Jubiläen. Auf dem Areal des TRIVO Testcenters Pferdsfeld bestand die nicht-alltägliche Möglichkeit bieten, auch älterer Alfa Romeo Modelle auf und neben der Teststrecke selbst oder mitzufahren. Quelle: Alfa Romeo / DMM