Astana heißt jetzt Nursultan

Noch bis vor Kurzem hieß die Hauptstadt des zentralasiatischen Landes Kasachstan Astana. Nun heißt sie Nursultan, benannt nach dem langjährigen Präsidenten Nursultan Nasarbajew. Ob auch Air Astana sich einen neuen Namen geben muss, ist eine interessante Frage.

Die kasachische Hauptstadt heißt ab sofort nicht mehr Astana, sondern Nursultan. Foto: AK

Die kasachische Hauptstadt heißt ab sofort nicht mehr Astana, sondern Nursultan. Foto: AK

"Namensgeber" Nursultan Äbischuly Nasarbajew (78) war von 1990 bis 2019 der Präsident Kasachstans. Er ist Vorsitzender der Partei Nur Otan. Nasarbajew war zunächst Vorsitzender des Ministerrats der Kasachischen SSR und vom 22. Juni 1989 bis zum 28. August 1991 Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Kasachischen SSR. Er war ursprünglich vom sowjetischen Staats- und Parteichef Gorbatschow als Vizepräsident vorgesehen. Er wurde am 24. April 1990 durch das Parlament der Kasachischen SSR (den Obersten Sowjet) zum Präsidenten der Sowjetrepublik gewählt.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion ließ sich Nasarbajew im nunmehr unabhängigen Kasachstan in einer Wahl am 1. Dezember 1991, bei der es keinen Gegenkandidaten gab, für fünf Jahre in seinem Amt bestätigen. In einem Referendum am 29. April 1995, bei dem sich 95 % der Wähler für eine Verlängerung der Amtszeit Nasarbajews bis ins Jahr 2000 aussprachen, ließ er seine Amtszeit ohne Wahl für weitere fünf Jahre verlängern. Die Machtbefugnisse des Präsidenten wurden durch die neue kasachische Verfassung vom September 1995 zulasten des Parlaments erweitert. Dieses verlängerte im Herbst 1998 die Amtszeit des Präsidenten von fünf auf sieben Jahre. Die erste siebenjährige Präsidentschaft trat Nasarbajew im Januar 1999 an, nachdem sich in einer wiederum vorgezogenen Präsidentschaftswahl mehr als 80 % für den Amtsinhaber ausgesprochen hatten. Bei der Wiederwahl im Dezember 2005 erreichte er 91 % der Stimmen.

Seit 2007 und einer weiteren, vom Parlament beschlossenen Verfassungsänderung durfte sich Nasarbajew so oft wählen lassen, wie er wollte. Das Parlament ernannte ihn zudem im Sommer 2010 zum „Führer der Nation“ und gewährte ihm und seinen nächsten Angehörigen lebenslange Immunität vor Strafverfolgung. Im Januar 2011 beschloss das Parlament, eine Volksabstimmung über die Verlängerung von Nasarbajews Amtszeit bis ins Jahr 2020 abzuhalten – die Präsidentschaftswahlen 2012 und 2017 wären demnach hinfällig geworden. Der Verfassungsrat sah darin jedoch einen Verfassungsbruch, worauf Nasarbajew – „um demokratische Grundsätze zu berücksichtigen“ – vorgezogene Präsidentschaftswahlen ankündigte. Die Präsidentschaftswahl fand am 3. April 2011 statt. Nasarbajew wurde mit 95,5 % der Stimmen im Amt bestätigt. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) erklärte, es seien bei der Wahl „gravierende Unregelmäßigkeiten“ zu beobachten gewesen.

Am 01. Dezember 2012 wurde erstmals der neu eingeführte, alljährlich wiederkehrende Feiertag „Tag des ersten Präsidenten“ zu Nasarbajews Ehren abgehalten. Seit 2012 besteht das Nasarbajew-Zentrum. In westlichen Medien wird von einer Ausweitung des Personenkultes um den Präsidenten gesprochen. Mit 97,7 % der Stimmen gewann Nasarbajew die Präsidentschaftswahlen im April 2015. Das Rekordergebnis wurde von kasachischen Medien als „Sensationswahl“ gefeiert. Bei den vorgezogenen Parlamentswahlen im März 2016 ging Nasarbajews Partei Nur Otan mit mehr als 80 % der Stimmen erneut als klarer Sieger hervor.

Nasarbajew versucht in seiner Außenpolitik den Ausgleich zwischen Zusammenarbeit mit dem Westen bei gleichzeitiger Pflege guter Beziehungen mit Russland. Vom Westen wurde er hofiert, auch durch Bundeskanzlerin Angela Merkel, weil Kasachstan über große Gas- und Erdölvorräte verfügt. Amerikanische Firmen konnten so Konzessionen für große Ölfelder in Kasachstan erwerben. In der Innenpolitik hat er es unter Berücksichtigung der Claninteressen geschafft, den Ressourcenreichtum in steigenden Wohlstand zumindest in den Städten umzuwandeln. Politische Reformen werden jedoch vernachlässigt. Und von den Gas- und Ölressourcen profitiert nur eine kleine Elite. Die Medien sind weitgehend gleichgeschaltet und wurden großteils von der Präsidententochter Dariga Nasarbajewa kontrolliert.

Unter Nasarbajew's Initiative wurde die Hauptstadt Kasachstans von Almaty nach Astana verlegt. Im April 2017 kündigte Nasarbajew an, eine Gesetzesinitiative auf den Weg bringen zu wollen, die den jungen Männern und Frauen in Kasachstan untersagt, Bärte zu tragen bzw. sich schwarz zu kleiden. Zudem sprach sich der Präsident für einen schnellstmöglichen Übergang von kyrillischer auf lateinische Schrift (formal bereits 1998 geschehen).

Am 19. März 2019 kündigte der Präsident seinen Rücktritt an, nachdem er am 21. Februar 2019 die seit 2016 amtierende Regierung wegen schlechter Wirtschaftsdaten entlassen hatte. Als sein Nachfolger wurde am 20. März 2019 der bisherige Präsident des kasachischen Senats, Qassym-Schomart Toqajew vereidigt.

Nursultan Äbischuly Nasarbajew prägte dem Binnenstaat zwischen dem Kaspischen Meer im Westen und dem Altai-Gebirge im Osten über fast drei Jahrzehnte seinen Stempel auf. Gemessen an der Fläche ist Kasachstan der neuntgrößte Staat der Erde. Kasachstan wurde 1936 als Kasachische SSR zu einer eigenständigen Unionsrepublik innerhalb der Sowjetunion erklärt. Nach deren Zerfall erklärte sich das Land 1991 als Republik Kasachstan unabhängig. Mit der Unabhängigkeit wurde die bisherige Hauptstadt Alma-Ata in Almaty umbenannt. Und nicht nur das: Almaty verlor seinen Status 1997, als der der Regierungs- und Parlamentssitz nach Aqmola verlegt wurde. Die Stadt mitten in der kasachischen Steppe wurde als offizielle Hauptstadt proklamiert und ein Jahr später in Astana („Hauptstadt“) umbenannt. Knapp über zwei Jahrzehnte später erfährt Astana eine weitere Namensänderung: Jetzt heißt die supermoderne aus dem Steppensand herausgestampfte Glasfassadenmetropole Nursultan. Die Stadt ändert ihren Namen schon entliche Male: Frühere Namen waren Akmolinsk (1830–1961), Zelinograd (1961–1992), Aqmola (1992–1998), und zuletzt Astana (1998–2019). Aktuell leben in Nursultan fast 1,1 Mio. Menschen. Die Stadt ist nach Almaty die zweitgrößte des Landes und lebt vor allem von ihrer Hauptstadtfunktion und den damit zusammenhängenden Wirtschaftszweigen. Quelle: wikipedia / DMM