Auch Air India steht nach Jet Airways vor der Pleite

Seit Jahren fliegt auch das Star Alliance-Mitglied Air India nahe am Abgrund. Nach der privaten indischen Jet Airways, die in der Osterwoche aufgeben musste, droht auch dem Staatscarrier Air India das Grounding. Denn die Fluglinie hat einen riesigen Schuldenberg von erneut mehr als 7 Mrd. Euro (!) aufgetürmt. In der Vergangenheit half stets der Staat aus der Patsche. Jetzt ist es wieder so weit: Ohne weitere Staatshilfe muss Air India den Flugbetrieb aufgeben.

Wie lange kann sich Air India noch in der Luft halten? Hier eine B 7878-8 im Landeanflug. Foto Yohann Casse/flickr

Wie lange kann sich Air India noch in der Luft halten? Hier eine B 7878-8 im Landeanflug. Foto Yohann Casse/flickr

Die Regierung unter Premier Narendra Modi, so meldet die indische Wirtschaftszeitung Economic Times, hat die Nase voll von der Fluglinie, die nicht in der Lage ist, vernünftig zu wirtschaften. Deshalb will er sich dafür einsetzen, dass keine Rupie mehr an Air India fließt. Das bedeutet dann die endgültige Pleite. Air India ist die nationale Fluggesellschaft Indiens mit Sitz in Mumbai und Basis auf dem Flughafen Mumbai. Sie ist eine Tochtergesellschaft der Air India Limited und Mitglied der Luftfahrtallianz Star Alliance.

Im Dezember 2011 war die Fluggesellschaft sogar mit umgerechnet mehr als 6 Mrd. Euro verschuldet. Damals sorgte die indische Regierung dafür den Pleitegeier zu vertreiben und sanierte die überschuldete Gesellschaft mit umfangreichen Maßnahmen. Eine Analyse des indischen Verkehrsministeriums für den Zeitraum April bis September 2011 ergab, dass von den 175 bedienten Routen der Air India im Schnitt lediglich zwei profitabel waren. Im April 2012 wurde berichtet, dass die indische Regierung der Fluggesellschaft mit umgerechnet 4,4 Mrd. Euro unter die Flügel griff. Die Finanzhilfe wurde auf acht Jahre angesetzt und an Sparmaßnahmen der Airline geknüpft. Erst mit der Finanzspitze war es Air India möglich, ihre bei Boeing bestellten Dreamliner B 787-8 zu bezahlen. Dem Carrier gelang dann auch am 11. Juli 2014 der Zugang zur Star Alliance, die lange gezögert hatte, die Fluglinie in ihr System aufzunehmen.  

Seit Sommer 2017 steht Air India mit einem Schuldenstand von etwa 8 Mrd. USD zum Verkauf. Der Staat wollte für die Bieterrunde bis am 14. Mai 2018 einen Anteil von 24 % behalten, dazu kamen die Bedingungen, dass die Billigflugtochter AI Express zur Gänze sowie 50 % des Flughafenbetreibers AI SATS Airport Services mit erworben werden mussten. Nach der Veröffentlichung der Verkaufsbedingungen zogen sich drei potenzielle Käufer zurück, darunter der Mischkonzern Tata (ihm gehört u.a. der Autobauer Jaguar Land Rover), IndiGo und die inzwischen gegroundete Jet Airways.

Derzeit sieht es ganz danach aus, als ob sich die Regierung komplett aus ihrem Engagement bei Air India zurückziehen will. Noch bis zum 19. Mai 2019 laufen die Parlamentswahlen in Indien. Und danach könnte es mit der Zukunft der Nationalairline zappenduster aussehen. Vor wenigen Wochen erst musste Air India eine Reihe von Flugzeugen am Boden lassen, weil sie nicht das Geld für Wartung und Ersatzteile hat. Quelle: Economic Times (of India) / DMM