Auch Airbus A321 Neo mit ähnlich gefährlichem Fehler wie B 737 MAX

Man glaubt es kaum, aber jetzt kommt auch Airbus mit seiner neuen A321 Neo ins Gerede. So wie es aussieht, wird nicht nur Boeing mit seiner B 737 MAX weiterhin Probleme bei der Wiederzulassung haben, jetzt machte die europäische Luftfahrtbehörde Easa bekannt, dass auch beim nagelneuen Airbus A321 Neo ein Flugsteuerungscomputer zu gefährlichen Situationen führen kann.

Auch beim Airbus A321 Neo muss die mutmaßlich gefährliche Flugsteuerung überarbeitet werden. Foto: Airbus

Auch beim Airbus A321 Neo muss die mutmaßlich gefährliche Flugsteuerung überarbeitet werden. Foto: Airbus

Wir erinnern uns: Zwei nagelneue Boeing 737 MAX stürzten aus zunächst unerklärlichen Gründen ab, es gab 346 Tote. Dann kristallisierte sich heraus, dass ein Softwarefehler im MCAS-System und die nicht vorhandene Beschreibung der Behebung eines problematischen Flugzustands in den Pilotenmanuals sowie die fehlende entsprechende Schulung der Cockpitbesatzungen dafür sorgte, dass die Maschinen crashten. Seitdem sind alle B 737 MAX gegroundet und dürfen möglicherweise erst Mitte 2020 wieder in Betrieb genommen werden. Das Verrückte: Am 17. Juli 2019 warnte die Europäische Agentur für Flugsicherheit, Flugsicherheitsbehörde der Europäischen Union für die zivile Luftfahrt, Airlines, die den nagelneuen A321 Neo betreiben, vor einem Fehler in der Steuerung des Jets, der fatal an die Todessoftware von Boeing erinnert. Noch am 17. Juli 2019 gab die Behörde an alle Betreiber des Flugzeugmodells eine sogenannte Lufttüchtigkeitsanweisung (Englisch: Airworthiness Directive) heraus. Das Problem könne bei gewissen Fliegern und in ganz spezifischen Situationen zu einer „reduzierten Kontrolle des Flugzeugs“ führen, heiß es darin.

Im Flugsteuerungscomputer ist in der Software ein Fehler verbaut, der für die Steuerung der Höhen- und Querruder zuständig ist. Unter gewissen Bedingungen und während bestimmen Manövern kann dieser bei diesem Airbustyp überzogene Neigungslagen verursachen. In die Details geht die Easa nicht. in der Anweisung. Genauere Details nennt sie allerdings nicht. Beim Überziehen eines Flugzeuges wird der Anstellwinkel der Tragflächen so weit erhöht, dass sich die Luftströmung vom Profil löst, was einen Strömungsabriss (englisch: Stall) und somit einen fast vollständigen Verlust des dynamischen Auftriebs zur Folge hat. Bei konventionellen Tragflächenprofilen tritt ein Strömungsabriss bei einem Anstellwinkel von rund 15° ein, doch ist dieser Wert stark vom Profil der Tragfläche abhängig. Nach einem Strömungsabriss ist eine Maschine häufig nicht mehr abzufangen und stürzt ab. Die Behörde fordert jetzt alle betroffenen Fluggesellschaften auf, in den nächsten Wochen Anpassungen bei den Bedienungshandbüchern für Piloten vorzunehmen.

Der fehlerhafte Computer ist nicht in allen A321 Neo verbaut. Dennoch sollen die Handbücher bei allen Fliegern geändert werden. Bei A321 Neo mit betroffenen Bauteil haben Fluggesellschaften bis Ende August Zeit, die von Airbus erarbeiteten Anpassungen vorzunehmen und die Flugbesatzungen über den möglichen Fehler zu informieren. Bei der Anweisung handelt es sich vorerst um eine vorübergehende Maßnahme, weitere könnten folgen, schreibt die Easa weiter.

Die möglichen Schwachstelle des Airbus A321 Neo zwischen Flugsteuerung und Höhenleitwerk erinnert entfernt an die Probleme, die aktuell noch immer für das weltweite Grounding der Boeing 737 Max sorgen. Es gilt mittlerweile als sicher, dass das umstrittene MCAS-System die beiden tragischen Abstürze der 737 Max in Indonesien und Äthiopien mit 346 Toten verursachte. Das Flugsteuerungssystem soll durch inkorrekte Daten der Anstellwinkel-Sensoren die Höhenleitwerke falsch reagiert und die Flugzeugnase nach unten gedrückt haben. Quelle: Easa / DMM