Audi e-tron - Erster echter Tesla-Jäger

Wenn das kein Verkaufsschlager im gewerblichen-, Flotten- und Privatmarkt wird, der brandneue Audi e-tron. Dieser Wagen ist Deutschlands erster echter Konkurrent zu Teslas Modellen. Und was für einer. Der rein elektrisch angetriebene SUV aus Ingolstadt, den wir auf einer Gebirgspassage mit steilen Anstiegen und Haarnadelkurven, durch heißen Wüstensand, durch die quirlige Metropole Abu Dhabi und über beinahe autofreie achtspurige Autobahnen gefahren haben, ist mehr als ein Vorbote für kommende Autogenerationen.

Audi's e-tron ist ein Hammer-Auto. Und eine Top-Empfehlung für all jene, denen der Sinn nach einer echten und umweltfreundlichen Alternative steht. Ab Frühjahr 2019 zu haben. Foto: G. Zielonka

Audi's e-tron ist ein Hammer-Auto. Und eine Top-Empfehlung für all jene, denen der Sinn nach einer echten und umweltfreundlichen Alternative steht. Ab Frühjahr 2019 zu haben. Foto: G. Zielonka

Trotz des Streits um Dieselfahrverbote: Auch 2040 werden nach Einschätzung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt („DLR“) noch mehr als zwei Drittel aller Fahrzeuge in Deutschland einen Verbrennungsmotor an Bord haben. Benzin- und Diesel-Hybride dürften dann einen Anteil von rund 68 % an den Pkw-Neuzulassungen haben, prognostizierte das Institut für Verkehrsforschung des DLR in der Aral-Studie „Die Zukunft der Tankstelle“. Wenn sich die Herrschaften da mal nicht täuschen. Denn schon jetzt hat das elektromobile Zeitalter begonnen und es dürfte rasanter voranschreiten, als es den Mineralölkonzernen recht ist, Aral-Studie hin oder her.

Audi hat den ersten deutschen Ernst zu nehmenden Tesla-Jäger vorgestellt in Gestalt des ersten rein elektrischen SUV namens e-tron. Und „bezahlbarere Kompaktfahrzeuge werden in den kommenden Jahren folgen. Der e-tron ist kein kleines Auto, angesiedelt zwischen Q5 und Q7. Zu haben in wenigen Wochen oder Monaten; denn von den 25.000 Vorbestellungen, davon 15.000 in Deutschland, dürften nur wenige übrig bleiben für diejenigen, die den Wagen jetzt, nach unserem Bericht, ordern wollen. Zielgruppen sind angesichts des Preises, der beginnt bei rund 80.000 Euro und kann locker sechsstellig werden, wohl eher Vertreter gehobener Berufe bzw. Firmenkunden, die für sich in Anspruch nehmen, Vorreiter einer neuen automobilen Zukunft zu sein.

Die ersten 2.600 Kunden dürfen sich über die edition one freuen ein Sondermodell in Antiguablau und drei weiteren Farbgebungen, mit virtuellen Außenspiegeln, 21“-Felgen,  Matrix-LED-Scheinwerfern, dem Assistenzpaket Tour, B&O-Soundsystem u.a.m.. Wir haben dieses und ein erstes normales Serienmodell gefahren. Unterschied? Keiner. Der elektrische Audi Elektro-Audi rollt souverän dahin wie man es von Luxusmodellen her kennt. Kein lästiger Verbrennersound, absolut leise. Allenfalls leichte Reifenabrollgeräusche sind zu vernehmen. Wir kennen kaum ein zweites Automobil mit solch‘ einer phänomenalen Straßenlage. Die ist dem tiefen Schwerpunkt geschuldet mit dem 700 kg schweren Akku (verbaut in einem breiten, flachen Block unterhalb der Fahrgastzelle), dem Allradvortrieb und der austarierten 50:50-Achslastverteilung. Selbst mit echten Sportwagen lassen sich scharfe Kurven nicht so sicher beherrschen wie mit dem e-tron.

Der Stromer ist nicht gerade winzig. Mit 4.901 mm Länge, 1.935 mm Breite und 1.616 mm Höhe kommt er recht stattlich daher. Entsprechend sind natürlich Raumangebot und Komfort, alles auf dem Niveau der Oberklasse. Fünf Personen finden bequem Platz, ebenso viel Gepäck. Im Fond sorgt ein flaches Plateau statt eines Mitteltunnels, der bei konventionellen Modellen leider notwendig ist, für zusätzlichen Freiraum. Von 0 auf 100 km/h in 5,7 Sekunden, mehr als 400 km Reichweite im WLTP-Fahrzyklus, null lokale Emissionen – der E-Audi ist „saustark“, effizient, sportlich und alltagstauglich. Seine beiden E-Maschinen leisten bis zu 300 kW und sorgen in Kombination mit dem elektrischen Allradantrieb für optimale Performance auf jedem Terrain. Ein ganzheitliches Ladeangebot für zuhause und unterwegs macht das elektrische Fahren komfortabel. Es gibt jetzt keinen Grund mehr zur Ablehnung der E-Mobilität. Die ist allemal besser als jeder Verbrenner.

Design. Typisch für einen SUV der Marke trägt der Audi e-tron den Singleframe im Oktagon-Design mit vertikalen Streben. Dessen Korpus ist größtenteils verschlossen und in hellem Platinumgrau gehalten – das macht ihn als vollelektrisches Modell erkennbar. Am unteren Rand der Matrix LED-Scheinwerfer zeichnen vier horizontale Stege die e-tron spezifische Tagfahrlicht-Signatur. Sie ist erstmals direkt in den Scheinwerfer integriert. Am Heck weisen Lamellen im breiten Diffusor auf den Entfall der Abgas- Endrohre hin. Der e-tron-Schriftzug an der Ladeklappe sowie optional die Bremssättel leuchten in der Hochvolt-Signalfarbe Orange.

Solche farbigen Akzente setzt auf Wunsch auch der großzügige, lichte Innenraum, dessen Design für Performance, Intelligenz und Leichtigkeit steht. Der große Bogen umspannt die weitläufige Instrumententafel bis zu den skulptural gestalteten Türverkleidungen und integriert auf harmonische Weise die Displays der optionalen virtuellen Außenspiegel. Damit erreicht die Digitalisierung im Auto ein neues Niveau. Die Mitteltunnelkonsole ruht auf offenen Seitenwänden. Über ihr scheint die Handauflage mit integriertem Fahrstufenschalter zu schweben, den der Fahrer mit Daumen und Zeigefinger bedient.

Das gesamte Cockpit ist auf den Fahrer ausgerichtet, die beiden großen MMI touch response-Displays sind in seine Richtung geneigt. Sie ersetzen fast alle konventionellen Schalter und Regler. Alternativ lassen sich viele Funktionen per natürlicher Sprachbedienung sowie mit dem Amazon-Sprachassistent Alexa steuern. Mit dem serienmäßigen Audi virtual cockpit bekommt der Fahrer alle Informationen in scharfen, hochaufgelösten Grafiken übersichtlich angezeigt, wobei er zwischen zwei Ansichten wählen kann. Das optionale Audi virtual cockpit plus bietet einen dritten Screen, der den elektrischen Antrieb in den Mittelpunkt rückt.

Infotainment und Assistenzsysteme. Auf dem deutschen Markt hat der e-tron serienmäßig die Medienzentrale MMI Navigation plus an Bord. Sie unterstützt den Datenübertragungsstandard LTE Advanced und integriert einen WLAN-Hotspot für die mobilen Endgeräte der Passagiere. Die Navigation macht intelligente Zielvorschläge auf Basis der zuvor gefahrenen Strecken – ideal ergänzt mit dem e-tron Routenplaner. Er zeigt die passende Strecke mit den erforderlichen Ladepunkten an. Neben der Verkehrslage berücksichtigt die Kalkulation den Füllstand der Batterie und berechnet die Ankunftszeit inklusive der notwendigen Ladezeit.

Zahlreiche Assistenzsysteme machen die Fahrt noch entspannter, darunter der serienmäßige Effizienzassistent. Er unterstützt den Fahrer durch prädiktive Hinweise im Audi virtual cockpit und die automatische Rekuperation bei einer ökonomischen Fahrweise. Das System erkennt das Verkehrsumfeld und den Streckenverlauf mithilfe von Radarsensoren, Kamerabildern, Navigationsdaten und Car-to-X-Informationen

Als erstes Modell der Marke ermöglicht der Audi e-tron seinen Kunden ab Mitte 2019, bestimmte Funktionen online hinzu zu buchen – je nach Bedarf und zu jedem beliebigen Zeitpunkt. So lassen sich beispielsweise die LED-Scheinwerfer zu Matrix LED-Scheinwerfern mit intelligent geregeltem Fernlicht upgraden, Assistenzsysteme oder Infotainment-Extras wie das Digitalradio DAB+ und das Audi smartphone interface an Bord holen.

Wie fährt sich der e-tron? In einem Wort: phänomenal. In einem zweiten Wort: unbeschreiblich. Über Audi drive select kann der Fahrer die Charakteristik des Audi e-tron je nach Fahrsituation, Straßenzustand oder persönlichen Bedürfnissen in sieben Profilen variieren. Das System beeinflusst auch die serienmäßige Luftfederung mit adaptiven Dämpfern. Sie ermöglicht eine große Spreizung zwischen geschmeidigem Abrollkomfort und sportlich-stabilem Handling. Je nach Geschwindigkeit und Fahrerwunsch passt sich die Luftfeder individuell an die Straßengegebenheiten an und variiert das Höhenniveau der Karosserie um bis zu 76 mm. Vor allem auf langen Etappen verbessert das Absenken die Aerodynamik und begünstigt somit die Reichweite.

Mit einer Batterieladung kommt man bei moderater und dennoch zügiger Fahrweise um die 400 km weit. Drückt man freilich das E-Pedal durch und fährt ständig Vmax um die 200 km/h, dann saust die Reichweite in den Keller und mehr als 200 km sind dann kaum drin. Aber auf den katastrophal vollen deutschen Autobahnen sind mehr als 130/140 km/h kaum noch möglich. Das kommt dem e-tron natürlich entgegen.

Hinter dem Verbrauchswert steht vor allem das innovative Rekuperationssystem, das bis zu 30 % zur Reichweite beiträgt. Der Elektro-SUV kann auf zwei Arten Energie zurückgewinnen: wenn der Fahrer vom Fahrpedal geht über die Schubrekuperation oder wenn er aufs Bremspedal tritt über die Bremsrekuperation. In beiden Fällen arbeiten die Elektromotoren als Generator und wandeln die Bewegungsenergie des Fahrzeugs in elektrische Energie um. Bremsen braucht man mit diesem Wagen kaum, jedenfalls nicht mit dem Bremspedal. Bis 0,3 g rekuperiert der Elektro-SUV allein über die E-Maschinen. Dies ist bei weit mehr als 90 % aller Verzögerungen der Fall. Erst wenn der Fahrer mit dem Bremspedal stärker als 0,3 g verzögert, kommen die Radbremsen ins Spiel. Bei einer Bremsung aus 100 km/h beispielsweise kann der Audi e-tron mit maximal 300 Nm und 220 kW elektrischer Leistung rekuperieren. Das sind mehr als 70 % seiner Antriebsleistung. So viel schafft kein anderes Serienmodell. Das elektrohydraulisch integrierte Bremsregelsystem entscheidet je nach Fahrsituation, ob der SUV mit E-Maschine, Radbremse oder einer Kombination aus beidem rekuperiert – und das individuell an jeder Achse. Der Übergang zwischen elektrischem und hydraulischem Bremsen vollzieht sich weich und homogen, unmerklich für den Fahrer. Die Bremskräfte bleiben konstant.

Entscheidend für die hohe Effizienz des Audi e-tron ist auch die ausgeklügelte Aerodynamik. Highlight im Konzept sind die optionalen virtuellen Außenspiegel – eine Welt-Innovation im Serien-Automobilbau. Ihre Träger integrieren je eine kleine Kamera, deren Bilder auf kontraststarken OLED-Displays im Interieur erscheinen. Allerdings tut man sich etwas hart insofern, als man immer in den (nicht vorhandenen) Außenspielgel schaut, dann erst auch den in den Türen verbauten Screen. Mit den virtuellen Außenspiegeln erreicht der Audi e-tron einen cw-Wert von 0,27 – ein Top-Ergebnis im SUV-Segment. Bei einem typischen Nutzungsprofil sorgt dieser Wert für einen Reichweitenvorteil von rund 35 km pro Batterieladung gegenüber einem vergleichbaren, konventionell angetriebenen Fahrzeug.

Ladekonzepte. Typischerweise wird ein Großteil aller Ladevorgänge zu Hause stattfinden (wenn man nicht gerade in einem Riesen-Mietblock wohnt oder in einem Straßenzug mitten in der Großstadt…). In den meisten Fällen (e-tron-Besitzer sind i.d.R. wohl auch Häusles-Eigentümer) wird der Elektro-SUV über Nacht geladen, am nächsten Morgen startet er dann mit voller Batterie und mehr als 400 Kilometer Reichweite gemäß WLTP-Prüfzyklus. Für das Laden im/am Wohnhaus bieten die Ingolstädter verschiedene Lösungen an. Auf Wunsch prüft ein Elektriker, den der örtliche Audi-Händler vermittelt, die Stromversorgung in der Garage und installiert die geeignete Technik. Das serienmäßige mobile Ladesystem kompakt lässt sich auf zwei Arten nutzen – an einer 230 Volt-Haushaltssteckdose mit bis zu 2,3 kW Ladeleistung und an einer 400 Volt-Drehstromsteckdose mit bis zu 11 kW Leistung. Letztere sorgt dafür, dass die Batterie in etwa achteinhalb Stunden wieder voll ist. Mit dem optionalen Ladesystem connect verdoppelt sich die Ladeleistung auf bis zu 22 kW. Voraussetzung dafür ist das zweite Ladegerät an Bord des Audi e-tron, das ab 2019 erhältlich sein wird. Das System connect umfasst eine Bedieneinheit mit einem 5 Zoll-Touchdisplay und eine Wandhalterung. Es ermöglicht den Kunden, im myAudi Portal und in der myAudi App ihre individuelle Ladestatistik und den Ladeverlauf einzusehen.

Im Zusammenspiel mit einem Heimenergie-Managementsystem bietet das Ladesystem connect intelligente Funktionen. Hier kann der Audi e-tron mit der maximal verfügbaren Leistung laden und dabei den Bedarf der anderen Verbraucher im Haushalt berücksichtigen, um eine Überlastung des Anschlusses zu vermeiden. Zudem hat der Kunde die Möglichkeit, individuellePrioritäten festzulegen, etwa das Laden zu kostengünstigen Zeiten. Verfügt sein Haus über eine Photovoltaik-Anlage, kann das Auto bevorzugt den eigenerzeugten Strom nutzen, wobei es auch prognostizierte Sonnenscheinphasen einbezieht.

Fernsteuerung per App. Für eine entspannte Bedienung vom Sofa aus sorgt die myAudi App auf dem Smartphone. Mit ihr kann der Kunde die Ladevorgänge und die Vorklimatisierung des Audi e-tron planen, fernsteuern und überwachen. Zum Beispiel kann er einen Timer für die Abfahrtszeit anlegen, so dass der Elektro-SUV zum gewünschten Zeitpunkt geladen und/oder vorklimatisiert ist. Dabei hat der Kunde erstmalig die Möglichkeit, bestimmte Zonen im Auto bevorzugt zu klimatisieren. Zum Beispiel kann er an kalten Wintertagen die Sitz-, Lenkrad-und Heckscheibenheizung per Smartphone aktivieren. Zusätzlich zeigt die App Lade-und Fahrdaten an. Die Kommunikation zum Auto erfolgt über das integrierte LTE-Modul, das beim Audi e-tron zur Serienausstattung gehört.

Mit bis zu 150 kW: Laden unterwegs. Aufgrund der hohen Reichweite von mehr als 400 Kilometern sind Stopps an Ladesäulen bei alltäglichen Fahrten meistens nicht notwendig. Anders dagegen auf Langstrecken. Hier kann der Wagen an Schnellladesäulen mit dem europäischen Ladestandard Combined Charging System (CCS) mit bis zu 150 kW Gleichstrom laden – als erstes Serienauto überhaupt. Damit ist der Elektro-SUV in etwa 30 Minuten bereit für die nächste Langstrecken-Etappe. Bis 2020 sind im Netz von Ionity 400 solcher High-Power-Charging (HPC)-Stationen an europäischen Autobahnen und Hauptverkehrsachsen in je 120 Kilometer Entfernung geplant.

Der Volkswagen-Konzern mit Audi und Porsche, die BMW Group, die Daimler AG und die Ford Motor Company treiben den Ausbau des HPC-Netzwerkes gemeinsam voran. Auch außerhalb dieses Joint Ventures entstehen weitere kompatible HPC-Ladepunkte in Europa. Neben Gleichstrom kann der Elektro-SUV unterwegs auch mit Wechselstrom an AC-Säulen laden – standardmäßig mit bis zu 11 kW, bei optionalem zweitem Onboard-Charger mit 22 kW. Zum Anschluss an die Ladesäule dient das serienmäßige Mode-3-Ladekabel. Etwa 95 % aller vorhandenen Ladepunkte in Europa entsprechen aktuell diesem Standard.

Von 2019 an wird das Laden für Audi-Kunden noch komfortabler. Dann debütiert die Funktion Plug & Charge. Damit autorisiert sich der Audi e-tron über modernste kryptographische Verfahren selbst an Ladesäulen und schaltet sie frei –die Karte wird nicht mehr benötigt. Voraussetzung dafür ist ein gültiger Ladevertrag beim e-tron Charging Service. Alle Audi e-tron, die ab Mitte 2019 vom Band fahren, unterstützen die Funktion ab Werk. Der Audi e-tron fährt im CO2-neutralen Werk in Brüssel vom Band und kommt Anfang 2019 zu den europäischen Händlern. Quelle: DMM / Audi