Bedenken in Sachen Datenschutz im Auto

Eine aktuelle Studie der Privaten Hochschule Göttingen (PFH) zum Thema „Connected-Car-Services in Deutschland“ ist zu dem Ergebnis gekommen, dass die überwiegende Mehrheit der Bundesbürger großes Potenzial in der Konnektivität von Fahrzeugen sieht. In der Untersuchung äußern sich immerhin 82 % der Befragten positiv zu solchen Diensten. Doch die Weiterentwicklung von Connected Car-Services stößt auf Hindernisse, insbesondere weil es vielen möglichen Kunden solcher Angebote an Vertrauen bezüglich Datensicherheit und Datenverwendung mangelt. So äußerten mit 68 % gut zwei Drittel der für die Studie Befragten Bedenken in dieser Hinsicht.

„Das wertvollste am Automobil war im 20. Jahrhundert der Verbrennungsmotor. Das wertvollste im Automobil des 21. Jahrhunderts wird die Fähigkeit zum Sammeln, Vernetzen und Steuern von Datensätzen sein“, stellt der Journalist Gabor Steingart fest. Denn auch im Bereich der Mobilität bilden Daten mehr und mehr die Grundlage wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Mehrwerte. Allerdings sehen insbesondere viele Bundesbürger die Datenfrage kritisch, sie sind verunsichert, was etwa mit den Daten geschieht, die von modernen Fahrzeugen unterwegs erhoben und gespeichert werden, fürchten sich vor „Datenkraken“ und dem „Big Brother“. Somit sind Entwicklungen, welche die Mobilität von morgen ausmachen, mit einem Akzeptanzproblem konfrontiert.

Dieser komplexen Problematik, die ebenfalls andere Bereiche wie etwa das Versicherungswesen betrifft, widmet sich die Studiengesellschaft für verbrauchergerechtes Versichern e. V., das Goslar Institut, bereits seit Längerem: Siehe dazu beispielsweise die Studie zur Big Data Debatte. Auch der kommende Goslar Diskurs am 28. Januar 2021, der in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie als virtuelle Veranstaltung stattfinden und auf der Website des Goslar Instituts (www.goslar-institut.de) übertragen wird, thematisiert die Bedenken vieler Autofahrer hinsichtlich der Datenverwendung. Bei der Diskussionsveranstaltung werden diesmal Experten wie HUK-COBURG-Vorstand Dr. Jörg Rheinländer, die Professorinnen Dr. Ellen Enkel von der Universität Duisburg-Essen und Dr. Susanne Knorre von der Hochschule Osnabrück, der Automobilexperte Guido Reinking, Jochen Rudat, Ex-Tesla-Manager und Gründer des Beratungsunternehmens Muchbetterelectric, sowie Guido Kutschera, Vorsitzender der Geschäftsführung der DEKRA Automobil GmbH, die neue automobile Datenwelt kritisch hinterfragen. Der aktuelle Goslar Diskurs steht unter dem Motto „Der ungehobene Datenschatz des Autofahrers“.

Der Kampf um diese Daten, der „Goldrush“ des 21 Jahrhunderts, ist längst im Gange. Verschiedene Interessengruppen verlangen hierauf Zugriff, weil diese Informationen die Grundlage für künftige Geschäftsmodelle darstellen. Bislang haben jedoch allein die Automobilhersteller Zugang zu den Daten der Autofahrer, die wiederum die Hoheit darüber für sich reklamieren. Als gutes Beispiel dafür, welche sinnvolle Angebote zum Vorteil der Autofahrer mit ihren automobilen Daten möglich sind, mögen die Telematik-Tarife in der Kfz-Versicherung gelten.

Konnektivitätsdienste wiederum – wie beispielsweise Unfall- und Pannen-Management, Verkehrszeichenerkennung oder die Gesundheitsüberwachung des Fahrers – sollen den Komfort und die Sicherheit der Autofahrer und der Passagiere im Fahrzeug erhöhen. Als besonders zukunftsweisend gelten dabei Car2Car-Kommunikationsdienste, welche etwa nachfolgende Fahrzeuge bei Gefahrensituationen warnen können. Doch auch dieses eindeutige Plus an Sicherheit wird durch das mangelnde Vertrauen in die Datensicherheit ausgebremst, wie die Autoren der PFH-Studie bedauernd konstatieren.

In dieser Untersuchung geben 83 % der Befragten ein hohes Interesse an Car2Car-Sicherheits-Kommunikation an, also etwa an der Warnung nachfolgender Fahrzeuge vor einem Unfall, vor plötzlichem Glatteis oder ähnlichen Gefahren, wie Marc Scholz, Co-Autor der Studie, erläutert. An zweiter Stelle nennen die Umfrageteilnehmer die Möglichkeit, auf digitalem Wege ein Update oder eine Erweiterung von Funktionalitäten des Fahrzeugs zu buchen. Dies seien Funktionalitäten, die unmittelbar mit der Fahrzeugnutzung zusammenhängen, verdeutlicht Scholz. Erheblich weniger Interesse äußern die Befragten derweil an Themen wie Gesundheitsüberwachung des Fahrers, dem Übersenden von Gutscheinen und Coupons im nahegelegenen Einzelhandel oder der Steuerung des Kühlschranks sowie anderer Geräte im eigenen Haushalt.

Doch gleich um welche Connected-Car-Services es geht, für die Verbraucher spielt bei ihrer Entscheidung dafür oder dagegen die Frage nach der Sicherheit der Daten eine mindestens ebenso wichtige Rolle wie der Kosten-Nutzen-Aspekt, stellt Scholz fest. Immerhin waren die Sicherheitsbedenken bezüglich der Daten in der PFH-Studie mit 68 % vergleichsweise hoch. Quelle: Goslar Institut / DMM