Der Grund für diesen beinahe katastrophalen Unfall: Offenbar drehten die Piloten eines der Flugzeuge kurz nach dem Start versehentlich nach rechts, obwohl sie die Anweisung hatten, nach links zu drehen. Die Daten des Vorfalls am 18. Dezember wurden erst jetzt bekannt, nachdem Aufzeichnungen des Funkverkehrs der Flugsicherung aufgetaucht sind. Beteiligt waren ein Airbus A320neo von Volaris El Salvador und ein Embraer E145 Regionaljet von United Express, der von CommuteAir betrieben wurde.
Wie der Flugplatzkarte der US-Luftfahrtbehörde FAA zu entnehmen ist, stand der Airbus A320neo von Volaris (Flug N3-4321 nach El Salvador) auf der Startbahn 33L bereit, während der Regionaljet von United Express (Flug UA-4814 nach Jackson) auf der parallel verlaufenden Startbahn 33R zum Start bereitstand.
Nach dem Start erhielten die Piloten der Volaris-Maschine von der Flugsicherung die Anweisung, leicht nach links auf einen Kurs von 110 Grad zu drehen, während die Piloten der United Express-Maschine angewiesen wurden, nach rechts auf einen Kurs von 340 Grad zu drehen. Die Volaris-Maschine erhielt zuerst die Startfreigabe, 20 Sekunden später folgte die Startfreigabe für den United Express-Jet.
Wie sich herausstellte, begannen beide Flugzeuge ihre Startsequenz ungefähr gleichzeitig, aber das hätte kein Problem darstellen sollen, da sie Anweisungen für die Zeit nach dem Start erhalten hatten, die jegliches Kollisionsrisiko ausschließen sollten. Leider lief es nicht ganz so. Nach dem Start glaubten die Piloten des VolariA320neo, sie seien angewiesen worden, nach rechts abzubiegen, und riefen sogar die Flugsicherung an, um dies zu bestätigen. Der Lotse wiederholte die Anweisung zunächst, scheinbar ohne zu bemerken, dass die Maschine bereits die falsche Kurve eingeleitet hatte: „Mal sehen, Jetsal 4321, ja, also links abbiegen auf 110.“ Zu diesem Zeitpunkt hatten die Piloten der Volaris-Maschine bereit das Abbiegemanöver nach rechts eingeleitet. Dadurch wurde im System der Flugsicherung von Houston eine Kollisionswarnung ausgelöst. Trotzdem reagierte der Lotse nicht sofort auf die sich zuspitzende Situation, da er gerade einem anderen Flugzeug die Startfreigabe erteilte.
Glücklicherweise aktivierte sich das Notfall-Warnsystem im Cockpit der United Express-Embraer und warnte deren Piloten vor einer möglichen Kollision in der Luft, falls keine Ausweichmanöver eingeleitet würden.
DMM-Info: Das System ist als TCAS (Traffic Alert and Collision Avoidance System) bekannt und wird oft als letzte Verteidigungslinie bezeichnet. TCAS gibt im Cockpit einen akustischen Alarm aus, wenn es die Gefahr einer Kollision in der Luft erkennt. Es funktioniert unabhängig von bodengestützten Warnsystemen und warnt erst, wenn alle anderen Systeme versagt haben. TVAS bietet zwei Warnstufen: Verkehrswarnungen und Ausweichwarnungen. Im vorliegenden Fall erhielt die United-Express-Maschine eine dringendere Ausweichwarnung.
Erhalten Piloten eine Ausweichwarnung, gibt das TCAS-System Anweisungen zum durchzuführenden Manöver. Dies kann ein schnelles Steigen oder Sinken beinhalten, um dem anderen Flugzeug auszuweichen. Diese Manöver können sehr abrupt sein. In der Vergangenheit führten Ausweichwarnungen zu schweren Verletzungen von Passagieren und Besatzungsmitgliedern, die durch die Kabine geschleudert wurden. Beim aktuellen Zwischenfall gab es keine Verletzten, was wahrscheinlich darauf zurückzuführen ist, dass sich der Vorfall so kurz nach dem Start ereignete, als alle Passagiere und Besatzungsmitglieder noch angeschnallt waren.
Die US-amerikanische Luftfahrtbehörde FAA untersucht die Umstände dieser Beinahe-Kollision. Parallele Starts und Landungen sind zwar an vielen Flughäfen weltweit erlaubt, bergen aber ein erhöhtes Risiko. Im Oktober wäre ein Airbus A320 der Nouvelair beinahe auf einem Airbus A320 der EasyJet auf dem Flughafen Nizza in Südfrankreich gelandet. Bei diesem Vorfall stand die EasyJet-Maschine zum Start bereit, während die Nouvelair-Maschine die Landeerlaubnis auf einer parallelen Landebahn erhalten hatte. Die Piloten der Nouvelair-Maschine hatten ihren Jet versehentlich auf die Landung auf der falschen Landebahn ausgerichtet. Die Ermittler prüfen derzeit noch, ob die Piloten der Nouvelair-Maschine verwirrt wurden, weil die Landebahn, die von der EasyJet-Maschine benutzt wurde, viel hellere LED-Leuchten hatte als die, auf der sie landen sollten. Quelle: FAA / DMM



