BMW besinnt sich wieder des Wasserstoffantriebs

Es gab schon mal eine Zeit, da BMW auf Wasserstoffantrieb setzte. Dann aber wurde das Vorhaben beerdigt. Später folgte ein erster Schritt Richtung E-Mobilität. Doch blieb der i3 lange Zeit das einzige Modell mit Elektroantrieb. Nun, da Benziner und Diesel mehr oder weniger in Verruf geraten sind und dem Klimawandel besonders negativ zuträglich sind, und Volkswagen gewissermaßen zum Schrittmacher in Sachen E-Mobilität mit dem Ex-BMW-Mann Herbert Diess an der Spitze vorgeprescht ist, Tesla allen deutschen Herstellern auf und davon gefahren ist, besinnt sich der Münchner Autobauer verstärkt der Entwicklung alternativer Antriebsformen.

Evtl. auf Basis des X5 könnte in einigen Jahren auch ein Wasserstoff betriebener BMW auf den Markt kommen. Die Münchner arbeiten wieder an diesem alternativen Antriebskonzept als vierte Antriebssäule. Foto: BMW

Evtl. auf Basis des X5 könnte in einigen Jahren auch ein Wasserstoff betriebener BMW auf den Markt kommen. Die Münchner arbeiten wieder an diesem alternativen Antriebskonzept als vierte Antriebssäule. Foto: BMW

Die BMW Group will nun konsequenter den Weg zur emissionsfreien Mobilität beschreiten Dazu Klaus Fröhlich, Entwicklungsvorstand der BMW AG: „Der Wasserstoff-Brennstoffzellen-Antrieb kann langfristig eine vierte Säule in unserem Antriebsportfolio werden. Hier bietet sich insbesondere das obere Ende unserer X-Familie an.“ Bereits seit 2013 arbeitet die BMW Group mit der Toyota Motor Corporation im Bereich der Brennstoffzellen-Technologie zusammen.

Während für die BMW Group das langfristige Potenzial des Brennstoffzellen-Antriebs außer Frage steht, wird sie ihren Kunden kurzfristig noch kein Serienfahrzeug mit Wasserstoff-Brennstoffzellen-Technologie anbieten, anders als z.B. Toyota mit seinem Mirai, der in zweiter Generation noch in 2020 auf den Markt kommt. Aus Sicht BMW‘s muss Wasserstoff als Energieträger zunächst in hinreichenden Mengen, mit grünem Strom und zu wettbewerbsfähigen Preisen produziert werden. Zudem ist die benötigte Infrastruktur wie beispielsweise ein europäisches, flächendeckendes Netz an Wasserstofftankstellen derzeit noch nicht gegeben, um Kunden ein Fahrzeug-Angebot zu machen.

Erste technische Details des BMW i Hydrogen NEXT. „Beim Antriebsystem des BMW i Hydrogen NEXT erzeugt das Brennstoffzellensystem bis zu 125 kW (170 PS) elektrische Energie, die aus der chemischen Reaktion von Wasserstoff und Sauerstoff aus der Luft gewonnen wird“, so Jürgen Guldner, Leiter BMW Group Wasserstoff-Brennstoffzellen-Technologie und -Fahrzeugprojekte. Somit stößt das Fahrzeug nur Wasserdampf aus. Der elektrische Wandler, der sich unterhalb der Brennstoffzelle befindet, passt deren Spannungsniveau an die des elektrischen Antriebs sowie der Leistungspuffer-Batterie an. Diese wird von der Bremsenergie sowie der Energie der Brennstoffzelle gespeist. Im Fahrzeug selbst sind zwei 700-bar-Tanks untergebracht, die zusammen 6 kg Wasserstoff fassen. Dies garantiert große Reichweiten bei allen Wetterbedingungen. Der Tankvorgang nimmt nur drei bis vier Minuten in Anspruch.

Voll umfänglich im BMW i Hydrogen NEXT integriert ist auch der E-Antrieb der fünften Generation, wie er erstmalig im BMW iX3 zum Einsatz kommen wird. Die Leistungspuffer-Batterie, die oberhalb der E-Maschine positioniert ist, kann beispielsweise beim Überholen oder Beschleunigen für zusätzliche Dynamik sorgen. Die Systemleistung beträgt insgesamt 275 kW (374 PS) und sorgt für hohe Fahrdynamik. Mit diesem wasserstoff-brennstoffzellen-elektrischen Antrieb ausgestattet wird die BMW Group 2022 eine Kleinserie vorstellen, basierend auf dem aktuellen X5. Frühestens in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts und abhängig von Marktanforderungen und Rahmenbedingungen wird die BMW Group dann mit einem Kundenangebot mit Wasserstoff-Brennstoffzellen-Technologie an den Start gehen.

Beim BMW i Hydrogen NEXT kommen bereits Brennstoffzellen aus der Kooperation mit Toyota zum Einsatz. Der sogenannte Brennstoffzellen-Stack sowie das Gesamtsystem sind originäre Entwicklungen der BMW Group. Zusätzlich zur Zusammenarbeit mit Toyota, die auf die Entwicklung und Industrialisierung der Brennstoffzellen-Technologie für deren Massenmarkttauglichkeit ausgerichtet ist, sind beide Unternehmen Gründungsmitglieder des Hydrogen Council. Seit 2017 sind viele weitere führende Unternehmen der Energiebranche, Wirtschaft und Industrie beigetreten. Inzwischen umfasst der Hydrogen Council mehr als 80 Mitglieder. Quelle: BMW / DMM