Bombardier lässt DB-Fernverkehrs-Offensive stocken

Die Deutsche Bahn und ihr Schienenfahrzeuglieferant Bombardier haben ein dickes Problem miteinander: Es heißt IC2. Wie die Grünen informieren, verweigert der Staatskonzern wegen technischer Mängel die Abnahme von 25 neuen IC2-Twindexx-Doppelstockgarnituren. Nach DMM-Informationen überlegt der Bahnkonzern, den Hersteller in Sachen Schadenersatz zur Kasse zu bitten, weil er die Umsetzung des Fernverkehrskonzepts der Bahn behindert.

Die DB nimmt Hersteller Bombardier die 25 neuen Twindexx-Garnituren für ihre IC2 vorläufig nicht ab. Foto: DB

Die DB nimmt Hersteller Bombardier die 25 neuen Twindexx-Garnituren für ihre IC2 vorläufig nicht ab. Foto: DB

Die IC2-Garnituren bestehen aus einer ziehenden bzw. Schiebenden E-Lok der Baureihen 146.5 oder 147.5 plus einer fünfteiligen Doppelstockwagengarnitur, an deren anderem Ende ein Steuerwagen ist. Von Anfang an sollen die IC2 der ersten Bauserie laut DB fehlerhaft gelaufen sein. So breche angeblich das Betriebssystem der aktuell vorhandenen 42 Zugeinheiten häufig zusammen, meist dann, wenn die Fahrtrichtung gewechselt werden muss, also die Steuerung von der Lok auf den Steuerwagen und umgekehrt umgeschaltet werden muss. Dann brauche es meist einen zweiten Lokführer, um das Problem in den Griff zu bekommen. Und oft genug fallen ganze IC2-Einheiten komplett aus. Auch bemängelt die DB den schwierigen Systemstart. Der soll oft genug eine geschlagene Stunde dauern. Zum Vergleich: um eine moderne E-Lok aufzurüsten, braucht es um die 5 Minuten. Bahntechniker wundern sich, dass in Zeiten modernster IT so etwas überhaupt noch passieren kann. Nun hat die DB dem kanadischen Schienenfahrzeughersteller eine Nachbesserungsfrist einerseits gesetzt und andererseits die Abnahme von 25 Garnituren der zweiten Serie verweigert.

Die neuen Doppelstock-IC sollten auf der Verbindung Karlsruhe-Stuttgart-Ansbach-Nürnberg verkehren sowie auf der Gäubahn zwischen (Zürich-) Singen und Stuttgart. Aus dem Berliner Bahn-Tower wurde bekannt, dass das Bahnunternehmen die jüngste Generation von IC2-Zügen erst dann abnehmen wird, wenn sie 100 %ig mängelfrei sind und tadellos funktionieren. 

Matthias Gastel (Grüne), Sprecher für Bahnpolitik der Grünen-Bundestagsfraktion: „Die erheblichen Probleme bei den IC2-Züge sind nach den ersten Jahren des Einsatzes mehr als peinlich für Bombardier. Als Bahnunternehmen und als Kunde habe man völlig zu Recht die Erwartung, dass nach einer Einführungsphase die neuen IC2-Züge reibungslos geliefert werden können. „Der Hersteller der IC2-Züge muss jetzt zügig nachbessern, wenn die Fernverkehrsoffensive mit dem IC2 noch zu einer Erfolgsgeschichte werden soll. Denn derzeit ist fraglich, ob die Fernverkehrsoffensive der Deutschen Bahn mit mehr modernen Intercity-Zügen in der bisherigen Zeitschiene gehalten werden kann. Für das verkehrspolitische Ziel der Bundesregierung, die Fahrgastzahlen im Fernverkehr zu verdoppeln, ist die Fernverkehrsoffensive absolut notwendig. Hierfür trägt der Hersteller Bombardier die Verantwortung, schnell seinen Beitrag zu einem modernen Intercity-Verkehr zu leisten.“ Quelle: DB / Bündnis 90/Die Grünen / DMM