Bundestag berät über günstigere Flugtickets

Die Luftverkehrsteuer soll sinken. Ob dadurch auch Flugtickets günstiger werden und das Angebot an deutschen Flughäfen wächst, bleibt umstritten.

Die geplante Senkung der Luftverkehrsteuer könnte Flugtickets ab Deutschland entlasten. Ob dadurch auch das Flugangebot wächst, ist umstritten. Foto: Designer - stock.adobe.com

Fliegen ab Deutschland könnte wieder günstiger werden. Die Koalition aus Union und SPD will die Luftverkehrsteuer absenken und verspricht sich davon ein größeres Flugangebot. Die Luftverkehrsbranche sieht darin einen ersten Schritt, hält die geplante Entlastung aber nicht für ausreichend.

Was die Bundesregierung plant

Die Luftverkehrsteuer wurde in Deutschland 2011 eingeführt und wird auf jeden Abflug mit einem Passagierflugzeug von einem deutschen Flughafen erhoben. Die Regierungskoalition hat im Koalitionsvertrag eine Absenkung der Steuer vereinbart, die zum 1. Juli umgesetzt werden soll. Den Bund kostet das rund 350 Millionen Euro im Jahr.

Bei der Ticketsteuer gibt es drei Kategorien: Für Inlands- und Europaflüge sowie andere Kurzstrecken sollen künftig statt 15,53 Euro noch 13,03 Euro Luftverkehrsteuer anfallen. Von rund 84 Millionen besteuerten Tickets im Jahr 2025 zählten rund 80 Prozent in diese Kategorie. Sie brachte damit rund die Hälfte des Gesamtsteueraufkommens von 2,1 Milliarden Euro ein.

Bei Mittelstrecken, also Zielländern zwischen 2.500 und 6.000 Kilometern Entfernung, ist eine Reduzierung von 39,34 Euro auf 33,01 Euro vorgesehen. Bei Langstreckenflügen mit Zielländern in mehr als 6.000 Kilometern Entfernung sollen künftig 59,43 Euro anfallen statt bisher 70,83 Euro.

Kommen niedrigere Steuern bei Reisenden an?

Ob die Steuersenkung tatsächlich zu günstigeren Tickets führt, ist offen. In der Logik der flexiblen Flugpreise werden Steuern und Gebühren zwar grundsätzlich an Kunden durchgereicht. Eine Absenkung könnte also bei Passagieren ankommen, kann aber durch andere Preisbestandteile schnell wieder aufgehoben werden.

So haben Airlines in der Folge des Iran-Kriegs Zuschläge und Gebühren etwa für Kerosin, Extra-Services oder Umbuchungen deutlich erhöht. Zudem steigen Ticketpreise bei knappem Angebot schneller. Das war zuletzt etwa bei Flügen in Richtung Asien der Fall.

Warum die Branche Entlastung fordert

Die Luftverkehrsbranche sieht in der Luftverkehrsteuer zusammen mit stark gestiegenen Gebühren für Passagierkontrollen und Flugsicherung einen Hauptgrund dafür, dass sich der deutsche Luftverkehr nach der Corona-Flaute langsamer erholt hat als in anderen europäischen Staaten.

Eine Luftverkehrsteuer gibt es in vielen europäischen Ländern. Deutschland liegt mit seinen Sätzen gemeinsam mit Frankreich in der Spitzengruppe. Noch teurer sind Starts aus den Niederlanden. Schweden hat die Abgabe im vergangenen Jahr vollständig abgeschafft und zunächst zunehmenden Flugverkehr verzeichnet.

Auswirkungen auf Flugangebot

Die Luftverkehrsteuer verteuert Abflüge aus Deutschland und wirkt sich damit auch auf das Flugangebot aus. Bei Direktfluggesellschaften wie Ryanair steigt die Schwelle, ab der Verbindungen profitabel betrieben werden können. Wenn zunächst pro Ticket ein Steuer- und Gebührenblock von rund 50 Euro anfällt, werden sehr günstige Lockangebote schwieriger.

In der Folge verlagern stark wachsende Gesellschaften ihr Angebot in Länder mit niedrigeren Einstiegskosten, etwa nach Polen oder Italien. Nach Zahlen des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) haben Billigflieger 2025 am deutschen Markt ein Angebot von 82 Prozent des Vor-Corona-Aufkommens aufrechterhalten. Im übrigen Europa waren es 131 Prozent.

Auch für Geschäftsreisen kann ein ausgedünntes Angebot Folgen haben. Weniger Verbindungen bedeuten häufig längere Reisezeiten, mehr Umstiege oder höhere Kosten. Das betrifft besonders innerdeutsche Strecken und europäische Direktverbindungen.

Lufthansa sieht weiter Kostennachteile

Netzwerkgesellschaften wie die Lufthansa Gruppe haben an ihren deutschen Drehkreuzen Kostennachteile im Vergleich zu Ländern mit niedrigeren Steuern und Gebühren. Beim Abflug eines A320-Mittelstreckenjets in Frankfurt fallen aktuell 4.800 Euro Steuern und Gebühren an. Mit der geplanten Senkung würde der Betrag nach Lufthansa-Berechnungen zwar auf 4.300 Euro sinken, läge aber weiterhin deutlich über Zürich mit 2.900 Euro oder Madrid mit 690 Euro.

In der Folge verlagert auch der heimische Luftverkehrskonzern Umsteigerverkehr auf Drehkreuze im Ausland und dünnt den Inlandsflugplan weiter aus. Zuletzt wurde die Traditionsstrecke zwischen Bremen und Frankfurt gestrichen. Insgesamt finden nur noch rund halb so viele Inlandsflüge statt wie im Vor-Corona-Jahr 2019.

Umweltverbände sehen Lenkungswirkung

Die Luftverkehrsteuer hatte bei ihrer Einführung unter der schwarz-gelben Bundesregierung vor allem höhere Staatseinnahmen zum Ziel. Eine von der Branche geforderte Zweckbindung der Einnahmen für umweltfreundlicheren Luftverkehr gab es nie.

Grundsätzlich kann ein höherer Ticketpreis Kunden von einer Flugreise abhalten und damit die Nachfrage dämpfen. Umweltverbände sehen darin eine ökologische Lenkungswirkung. Aus ihrer Sicht schwächt die Steuer außerdem andere Privilegien der Luftfahrt ab, etwa beim unbesteuerten Kerosin.

Branche fordert weitere Maßnahmen

Der Luftverkehrsbranche reicht die geplante Absenkung der Ticketsteuer nicht aus. „Die aktuelle Absenkung der Luftverkehrsteuer ist ein notwendiger erster Schritt, reicht aber nicht aus, um die Wettbewerbsnachteile bei den staatlich induzierten Kosten gegenüber anderen europäischen Ländern auszugleichen“, schreibt der BDL.

Auch der Flughafenverband ADV sieht in der Maßnahme noch keine ausreichende Signalwirkung für eine nachhaltige Trendwende. (dpa)