Cayenne e-hybrid oder Macan S?

Wer glaubt, Porsche Fahrzeuge seien nur für betuchte Zeitgenossen, der irrt. Der Großteil der Fahrzeuge aus Zuffenhausen und Leipzig landet bei Firmenkunden, teils auch in Flotten. Macan und Cayenne aber auch der Panamera sind drei typische Vertreter von nahezu ausschließlich geschäftlich genutzten Modellen des Sportwagenherstellers. Wir haben den neuen Macan S und den Cayenne e-hybrid getestet.

Der Porsche Cayenne e-hybrid ist unsere erste Wahl als Geschäftswagen. Foto: Julia Zielonka

Der Porsche Cayenne e-hybrid ist unsere erste Wahl als Geschäftswagen. Foto: Julia Zielonka

Innovatives Cockpit des neuen Porsche Cayenne e-hybrid. Foto GZ

Innovatives Cockpit des neuen Porsche Cayenne e-hybrid. Foto GZ

Porsche Macan S; tolles Fahrzeug, kompakt und edel. Foto: GZ

Porsche Macan S; tolles Fahrzeug, kompakt und edel. Foto: GZ

Sehr viel schickeres Design beim neuen Macan S. Foto: GZ

Sehr viel schickeres Design beim neuen Macan S. Foto: GZ

Vorab eines: Der Cayenne als Plug-in-Hybrid hat uns beim Verbrauch positiv überrascht: Zwar ist der angegebene Verbrauch von 3,4 Litern Super und 20 kWh auf 100 km sehr schön gerechnet, man muss gute 50 % drauflegen; aber wir haben den Cayenne bei freilich moderater Fahrweise auf einen Durchschnittsverbrauch von 6,5 l gebracht. Chapeau. Anders der Macan S. Der ist leider kein Kostverächter gewesen; aber immerhin bleibt das kompakte SUV noch unter der 10l-Marke, wenn auch knapp. Der Konsumvergleich geht also klar an den größeren Cayenne. Abgesehen vom moderneren Antrieb ist der Cayenne auch das innovativere Auto in Sachen Bedienungskomfort. Keine „tausend“ Bedienknöpfe mehr wie noch beim Macan. Etwas kleiner fällt der Gepäckraum mit 645 Litern aus. Doch das reicht allemal, zumal der Kofferraum variabel nutzbar ist, u.a. durch die umklappbaren Rücksitze.

Mit der Einführung der dritten Cayenne-Generation 2018 ist der Plug-in eindeutiger Ersatz für den Diesel. Den Selbstzünder sparen sich die Zuffenhausener, zumal sie erst jüngst für das von Audi verursachte Dieselchaos über ½ Mrd. Euro an Strafe bezahlen mussten. Über Interieur und Verarbeitung müssen wir kaum ein Wort verlieren. Fantastische Materialauswahl, perfekte Verarbeitung. So geht Auto. Absolut premium. Platz und Komfort in Hülle und Fülle, zumal der Akku so verbaut ist, dass er keinen cm3 an Innenraum kostet. 

Anders als der Macan S startet der Cayenne e-hybrid mucksmäuschen still rein elektrisch im Fahr-Modus „E-Power“, der mit vermeintlich wenigen 136 PS und 400 Nm das nicht gerade leichte Fahrzeug (2,3 t) dennoch federleicht vorantreibt bis auf maximal 135 km/h. Die Batteriekapazität haben die Porsche Ingenieure um 30 % auf 14,3 kWh erweitert, was für ca. 40 km Reichweite genügen soll. Wir haben das übrigens sogar leicht übertroffen, als wir vom Standort Zuffenhausen über die B10 Richtung Heilbronn gestartet sind. Wird der Druckpunkt zu stark, tritt man also heftig aufs Gaspedal, schaltet sich der Verbrenner zu. Und dank Boos tun 700 Nm geht’s rasant auf die 100 km/h-Marke zu. Nur knappe 5 Sekunden. Das aber haben wir zumindest im Stadtverkehr tunlichst vermieden. Es macht einfach mehr Spaß, den Boliden absolut leise zu bewegen. Die Modi „Sport“ und Sport Plus kann man natürlich auch aktivieren, aber dann mutiert der Cayenne zum Trinker, erst recht, wenn man de Geschwindigkeit weit über die 200 km/h-Grenze auslebt. Bei 253 km/h ist aber Schluss. Aber wann braucht man das schon auf den Lkw-verseuchten Autobahnen in Deutschland. Will man Strom sparen, wechselt man auf Battery hold“. Sinkt die E-Power weit ab, wechselt der Wagen auf „Hybrid Auto“ womit beide Antriebe gemeinsam bzw. einzeln genutzt werden. Natürlich war auch bei uns der Akku mal absolut leer. Nur half dann die Taste E-Charge nicht unbedingt, das Auto während der Fahrt wenigstens etwas aufzuladen. Ein wahrer Genuss ist übrigens die ZF-8-Gang-Wandlerautomatik. Butterweich und unmerklich schaltet sie rauf oder runter.
Wir haben den Cayenne über Nacht an einer Haushaltssteckdose aufgeladen, was knapp 7 Stunden dauerte, bis die grüne Anzeige „voll“ signalisiert. Unterwegs lässt sich das auch an einer Schnellladesäule erledigen. Das dauert dann gute zweieinhalb Stunden.

Das Touch-Bedienkonzept hat uns sehr gut gefallen und es zeigt, wohin die Bedienreise bei Porsche geht. Unter den Sensordruckflächen unter der in schicken in Mattschwarz lackierten findet man zahlreiche Funktionen, die man vergleichsweise schnell begreifen kann. Ab 89.822 Euro muss man für den Halbstromer aufwenden; unser Testfahrzeug brachte es auf 143.000 Euro. Das ist natürlich ein Wort.

Macan S: Porsche hat den kleineren Bruder des Cayenne in punkto Design, Komfort, Konnektivität und Fahrdynamik aufgewertet. Das eigentlich wirklich neue Modell erscheint 2020/21, dann übrigens auch als rein batterieelektrisches Fahrzeug. Darauf sind wir ganz besonders gespannt. Wie der neue Cayenne weist auch unser Macan S das schicke dreidimensional ausgearbeitete Heckleuchtenband auf. Angetrieben von einem Dreiliter V6 mit 354 PS und 480 Nm Drehmoment geht der Allradler ziemlich forsch zur Sache. Und anders als der Cayenne ist beim Macan S ein 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe verbaut, das aber ähnlich unmerklich schaltet. Sehr viel wohltuender und informativer wirkt der 10,9“-Touchscreen. Die Anbindung an die navigationsbezogene HERE-Cloud bieten wir im Cayenne e-hybrid zu jeder Zeit aktuelle Online-Daten für eine schnelle Routenberechnung zur Verfügung. Als wir allerdings in ein mächtiges Unwetter auf unserem Weg von München nach Stuttgart gerieten, wollte die Routenberechnung nicht so wie wir und leitete uns über teils abenteuerliche und verstopfte Straßen der baden-württembergischen Metropole.

Was wir nicht ausprobieren und verifizieren konnten: 1 km/h mehr als der Cayenne schafft der Macan S in der Spitze, also 254 km/h. Und von Null auf 100 km/h vergehen nur knapp über 5 Sekunden. Für den Macan S gilt in Sachen Spritkonsum: Er ist angesichts der brachialen Leistung natürlich kein Kostverächter. Bewegt man ihn aber moderat, lässt er sich auf 8 bis 9 Liter auf 100 km ein. Klar, auch der "kleinere Leipziger" bereitet Fahrspaß ohne Ende. Das liegt u.a. am sportwagentypisch abgestimmten Fahrwerk. Man fährt wie auf Schienen, selbst bei flott gefahrenen Kurven. Dabei spürt man keine Einbußen beim Komfort. Die Bremsen sprechen sehr spontan an, was wir das eine oder andere Mal auf der Autobahn auch brauchten, als Brummikapitäne unmittelbar vor uns und ohne zu blinken die Fahrsteifen wechselten. Da ist es gut zu wissen, dass wir diverse Assistenz- und Komfortsysteme an Bord hatten. Und wenn man am Ziel dann mal parken muss, hilft der  Parkassistent mit Rückfahrkamera und Surround View ungemein, unbeschadet in eine Lücke zu stoßen bzw. wieder herauszukommen.

Alles in allem ist der Macan ein toller Geschäftswagen, freilich auch nur für jene, die porscheaffin sind, die auf viel Image achten und die bereit sind, entsprechende Leasingraten zu bezahlen; denn auch der Macan S ist nicht für einen Appel und’n Ei zu haben.

Beide Fahrzeuge, Macan S und Cayenne e-hybrid sind typische Geschäftswagen. Während letzterer fast schon zu groß für Parkhäuser aller Art, selbst an Flughäfen ist, hat der Macan doch den Vorteil, dass er das wendigere Fahrzeug ist. In Summe aber würden wir uns dennoch für den Cayenne e-hybrid entscheiden. Er ist einfacher das innovativere Fahrzeug. DMM