CSU verabschiedet sich von der dritten Startbahn für München

Auf der aktuellen Corona-Klausur im Landtag macht Bayerns Ministerpräsident Markus Söder eine Ankündigung, die nicht ganz überraschend kam: Den Bau der dritten Startbahn am Münchner Flughafen verschiebt er bis mindestens 2028. Angesichts der Krise, die jetzt auch den Münchner Airport voll getroffen hat, gehen Experten davon aus, dass die dritte Startbahn möglicherweise nie gebaut werden wird, weil die Passagierzahlen sich nicht so entwickeln werden, wie bisher prognostiziert.

Der Flughafen München wird die dritte Startbahn erst sehr viel später, wenn überhaupt, bekommen. Skizze: FMG

Der Flughafen München wird die dritte Startbahn erst sehr viel später, wenn überhaupt, bekommen. Skizze: FMG

Anders als das damalige Transrapidprojekt, das infolge der ausufernden Kostenschätzungen beerdigt worden war, wurden die Planungen für den Bau der dritten Startbahn 2012 mehr oder weniger nur auf Eis gelegt in den stillen Hoffnung, sie doch noch verwirklichen zu können. 

Vor der Landtagswahl 2018 hatte sich Söder noch für die dritte Startbahn stark gemacht und verkündet, sie würde bis 2025 fertig sein. Das Flughafenmanagement hatte bis dahin stets die Unabdingbarkeit dieser zusätzlichen Bahn im Norden der bestehenden beiden Bahnen betont. Heute ist auch Söder schlauer. Zwangsweise. In den Jahren von 2012 bis 2018 hatte die CSU das umstrittene Projekt gegen jegliche Kritik verteidigt. Nur mit großem Bauchgrimmen ließen sich die Christlich-Sozialen 2018 von den Freien Wählern einen Planungsstopp bis 2023 in den Koalitionsvertrag diktieren. Jetzt wird es mit einer Inbetriebnahme in diesem Jahrzehnt sicher nichts mehr, vielleicht nie mehr.

"Mich freut, dass der Koalitionspartner die Realität zur Kenntnis nimmt. Dass eine dritte Startbahn nicht nötig ist, sagt einem der gesunde Menschenverstand", grüßt Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger in Richtung CSU. Diesmal kann Aiwanger sogar einen guten Grund liefern, dem sich selbst die CSU nicht mehr verschließen kann: Die massiven Einbrüche im Luftverkehr haben nämlich auch den Münchner Airport, seit Jahren einer der besten weltweit und einer der am schnellsten wachsenden, voll ins Mark getroffen. Die Passagierzahlen sackten in diesem Jahr teilweise um über 95 % ab, ebenso die Flugbewegungen. Und von einer Erholung kann kaum die Rede sein. Die Fluggäste kehren angesichts der zahlreichen Reisewarnungen eben nicht zurück in die Terminals bzw. Flugzeuge. Deshalb reduzieren die Airlines, allen voran die Lufthansa, ihre im Juni/Juli angekündigten Kapazitätserweiterungen wieder. Vor allem beim Langstreckenverkehr hakt es gewaltig.

Nüchtern betrachtet ist auch das nötige „Kleingeld“ zur Finanzierung des Infrastrukturvorhabens nicht vorhanden und würde vom Freistaat als Mitgesellschafter auch nicht anteilig bewilligt. Erkennbar ist das u.a. am Sparzwang, dem der MUC neuerdings unterworfen ist. Die FMG muss den Gürtel enger schnallen und sogar einen Teil der Belegschaft entlassen, weil der MUC wie alle anderen deutschen Airports auch in einer beispiellosen Krise steckt, deren Auswirkungen noch Jahre zu spüren sein werden. Quelle: CSU / DMM