DB entdeckt wieder den Nachtzug

Einsteigen, einschlafen und am nächsten Morgen ausgeruht ankommen, eine bessere Anreise können sich immer mehr Geschäftsreisende nicht vorstellen. Doch mit dieser Art des Reisens im Nachtzug hatte die Deutsche Bahn im Dezember 2016 Schluss gemacht. Mit der Abschaffung der Nachtzüge reagiere man nur auf die „Kundenbedürfnisse und wirtschaftlichen Anforderungen“, hieß es seinerzeit. Doch die Zeiten ändern sich.

Die Deutsche Bahn entdeckt nach dem großen Erfolg der ÖBB Nightjets wieder den Nachtzug. In Kooperation mit den ÖBB sollen ab Fahrplanwechsel im Dezember 2019 neue Nachtzuglinien eingeführt werden. Foto: eurailpress

Es war wohl mehr ein Anfall geistiger Umnachtung im Berliner Bahntower als ein tatsächlich wirtschaftlich begründeter Akt infolge angeblichen Zuschussgeschäfts. Im Jahr 2015 wurde bei einem Ertrag von rund 90 Mio. Euro insgesamt ein Verlust von etwa 31 Mio. Euro erwirtschaftet, erklärte seinerzeit eine Sprecherin der Deutschen Bahn. Was sie nicht sagte: Die roten Zahlen waren absichtlich und hausgemacht dank uralter Waggons und übertrieben hoher Preise. Statt der Schlaf- und Liegewagen sollten Reisende ab Mitte Dezember 2016 mit Nacht-ICEs fahren, natürlich sitzend in den eng bestuhlten Waggons. Die Nachtzug-Klientel, unter ihnen viele Geschäftsreisende, sagte danke und verabschiedete sich von der DB. Es gab schließlich Besseres.

Und das boten seit dem Aus der DB-Nachtzüge die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB). Die Österreicher stießen in die Lücke und schufen quasi über Nacht das moderne Nachtzugkonzept Nightjet. Heute sind die ÖBB mit ihren Nightjets der mit Abstand größte Anbieter von Nachtreisezügen in Europa, und das profitabel. Business Traveller schätzen die Nightjets, die kreuz und quer auch durch Deutschland fahren. Man steigt ein, schläft und kommt am nächsten Morgen ausgeruht am Ziel an.

Dennoch und trotz der Debatten über möglichst klimaschonendes Reisen wollte die Deutsche Bahn ihren Ausstieg aus dem Geschäft mit Nachtzügen nicht revidieren: „Ein eigenes Angebot mit klassischen Schlaf- und Liegewagen ist aktuell nicht geplant“, hieß es noch im Frühjahr 2019. Jetzt, im Herbst 2019, plötzlich etwas andere Töne. Die DB neidet offensichtlich dem kleinen Nachbar ÖBB den Erfolg und will das Angebot im Nachtverkehr ab Fahrplanwechsel zum 15.12.2019 wieder ausbauen. Dies geht freilich nur mithilfe der ÖBB, die dazu ihre modernen Nightjet-Garnituren bereitstellt.

In Kooperation mit der ÖBB gibt es auf den Strecken Zürich–Berlin und Zürich–Hamburg ab Fahrplanwechsel eine neue Intercity-Nachtverbindung. Dabei fahren die Nacht-IC auf diesen Strecken im Verbund mit den klassischen Nightjets der ÖBB. Es gelten die gewohnten DB-Tarife, z.B. DB-Sparpreise, Bahncard-Rabatte, Bahncard 100 sowie IC/ICE-Streckenzeitkarten.

In Nord-Süd-Richtung werden diese Verbindungen neu via Bremen, in Süd-Nord-Richtung via Lüneburg angeboten. Diese Verbindungen ermöglichen auch umsteigefreie IC-Verbindungen am Tagesrand beispielsweise abends von Berlin, Potsdam und Magdeburg nach Braunschweig und Göttingen, sowie morgens von Hannover und Lüneburg nach Hamburg.

Weil die in Nachtblau mit rotem Streifen gehaltenen eleganten Nightjets ein Erfolgsgarant sind, haben die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) 13 neue Nichtjet-Garnituren mit Schlaf- und Liegewagen bestellt. Statt stickiger Mehrpersonenabteile soll jeder Fahrgast eine eigene Liegekabine bekommen, die sich mit einem Rollladen in Gangrichtung verschließen lässt. Wer schlafen will, hat es dunkel und wer noch lesen möchte, kann das Licht angeschaltet lassen. Auch auf den Fensterblick muss man nicht verzichten, jede Kabine hat ihr eigenes Fenster, ebenfalls mit verschiebbarem Rollladen. Laut ÖBB legen die Kunden besonderen Wert auf Privatsphäre, verschließbare Abteile und Gepäckaufbewahrung. Das neue Design wird das leisten. Ironie der Geschichte: Es wurde ausgerechnet von der Deutschen Bahn in Auftrag gegeben. Ab Frühjahr 2022 werden die hoch komfortablen neuen Nightjets geliefert. „Das Nachtzuggeschäft hat Zukunft", sagt ein ÖBB-Sprecher. Weil sie zu 100 % Prozent mit grünem Bahnstrom fahren, verbrauche der Fahrgast im Nightjet 31mal weniger klimaschädliches CO2 als beim Fliegen auf der gleichen Strecke.

Und auch die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) prüfen nach dem Ausstieg 2009 eine Rückkehr zum klassischen Nachtzuggeschäft. Alle Bahnen erkennen in Kundenbefragungen ein wachsendes Umweltbewusstsein der Kunden und steigende Passagierzahlen. Quelle: DB / ÖBB / SBB / DMM