DB in problematischer Situation

Der Deutschen Bahn geht es finanziell offensichtlich sehr schlecht. Das geht aus einem Brandbrief von Konzernchef Dr. Richard Lutz an seine Vorstandskollegen (liegt DMM vor) hervor. Darin schreibt Lutz über eine schwierige Situation, die sich in den letzten Monaten entgegen vorheriger Auffassung sogar verschlechtert hat.

Die Straße ist einer der größten Feinde der Deutschen Bahn. Foto:GZ

Die Straße ist einer der größten Feinde der Deutschen Bahn. Foto:GZ

Einer der wesentlichen Gründe für die Talfahrt der Bahn liegt in der fatalen Verkehrspolitik Berlins und Brüssels. Nur mit deren Segen erfolgt eine mehr oder weniger gewaltsame weitere Verlagerung des Güterverkehrs auf die Straße. Dies führt, wie jeder Autofahrer und vielfahrende Geschäftsreisende tagtäglich erlebt, auf Autobahnen und Bundesstraßen zu unerträglichen Zuständen. Der Straßengüterverkehr sorgt in Deutschland Jahr für Jahr für mehrere hundert Milliarden Euro an volkswirtschaftlichen Schäden, von den vielen Toten und Verletzten infolge überlasteter oder riskant fahrender Landstraßenkapitäne ganz abgesehen.

Außerdem spürt die beiden dominierenden Bahntöchter DB Regio und DB Fernverkehr die private Konkurrenz im Regional- und Fernverkehr immer deutlicher. Im Fernverkehr auf der Schiene ist die Deutsche Bahn quasi ein Monopolist. Ihr Marktanteil liegt bei nahezu 100 %. Einziger Mitbewerber ist Flixmobility mit seinen Flixtrains auf den Strecken Hamburg-Köln und Stuttgart-Berlin. Echte Konkurrenz hat die Deutsche Bahn im Fernverkehr aber nur auf der Straße durch die Fernbusse, ebenfalls von Flixmobility. Sie sind oft günstiger als die Bahn, aber auf gleicher Strecke i.d.R. viel länger unterwegs.

Insgesamt gibt es laut Eisenbahn-Bundesamt (EBA) in Deutschland rund 450 Bahnunternehmen. Über 300 davon betreiben auch Personenverkehr. Im Regionalverkehr zeichnet sich ein bunteres Bild als im Fernverkehr: Hier bedient DB Regio 74 % der 659 Mio.  Schienenkilometer, weiß die Bundesarbeitsgemeinschaft Schienenpersonennahverkehr. Mit 6 % Marktanteil im Nahverkehr ist das Unternehmen Transdev der größte Mitbewerber. Zum Konzern gehört z.B. die Mitteldeutsche Regiobahn und die Nordwestbahn, Netinera steht mit Tochterfirmen wie alex, enno, erixx, metronom, oberpfalzbahn, ODEG, trilex, vlexx, vogtlandbahn und waldbahn. Im Regionalverkehr bestimmen die Verkehrsverbünde und kommunale Zweckverbände, welches Unternehmen welche Strecken befahren darf. Sie schreiben bestimmte Trassen aus. Darauf können sich dann Unternehmen bewerben. Wer das attraktivste Angebot macht, bekommt den Zuschlag. Und da fällt DB Regio immer öfter heraus.

Im Fernverkehr bestimmt die Deutsche-Bahn-Tochter DB Netz AG, wer wo fahren darf. Bei ihr müssen Privatunternehmen Verbindungen anmelden. Im Fall einer Trassenablehnung muss letztlich die Bundesnetzagentur zur Prüfung herangezogen werden.

Lutz fordert von seinen Vorstanden zusammenzurücken und den Systemverbund Bahn wieder auf Kurs zu bringen, zumal das operative Ergebnis deutlich unter dem des Vorjahres liegt. Das Ergebnisziel von 2,1 Mrd. Euro ist wohl nicht mehr zu erreichen. Eine dritte Gewinnwarnung in 2018 will Lutz vermeiden; denn sie würde die finanzielle Lage weiter destabilisieren und Vertrauen und Goodwill, die wir bei Eigentümer und Öffentlichkeit noch haben, zusätzlich beschädigen, heißt es im Brief. Seit voriger Woche gilt nun eine Ausgabensteuerung. Berlin hat bereits signalisiert, keine frischen Finanzmittel nachzuschieben. Das Geld wird für den nach wie vor anhaltenden Zustrom an Migranten gebraucht. Quelle: DB / DMM