Der chinesische Automarkt wächst – getrieben von Elektrofahrzeugen. Während lokale Hersteller wie BYD, Geely und Changan Marktanteile gewinnen, verlieren internationale Marken, darunter vor allem die deutschen Autobauer. Besonders im Segment der Elektromobilität bleiben sie weit hinter der chinesischen Konkurrenz zurück.
Die Gründe liegen u.a. n der immensen und schnellen Innovationskraft der chinesischen Unternehmen, der Anpassung an lokale Bedürfnisse und einem harten Preiskampf. Und vor allem wegen der enormen Preisunterschiede verlieren die deutschen Premiummarken in China immer weiter an Bedeutung. Audi, Porsche, Mercedes-Benz und auch BMW mussten im ersten Halbjahr im Reich der Mitte deutliche Rückgänge bei den Auslieferungen hinnehmen, weil sich Kunden von ihnen ab und vermehrt heimischen Herstellern zuwenden.
Elektroautos deutscher Hersteller gelten als altbacken in China. Eigene Marken wie BYD haben das Land zum Elektroauto-Land gemacht. Benzin war gestern: Bei Chinas wichtigster Automesse im Frühjahr in Shanghai drehte sich alles um elektrische Innovationen. China ist längst Leitmarkt für E-Mobilität. Mehr als 100 neue Modelle, die meisten davon Stromer, wurden in Shanghai gezeigt. Der Verband der chinesischen Autoindustrie betont, dass 2025 die Marke von 50 % BEV-Anteil an den Neuwagenverkäufen „problemlos“ übertroffen wird. Verbrenner verlieren auf Chinas Straßen rasant an Boden.
Der Aufstieg der E-Mobilität ist politisch von Peking gewollt und staatlich gefördert. Strom ist in China sehr billig und kostet nur einen Bruchteil des vollkommen überzogenen Preises in Deutschland. Öl hingegen haben die Chinesen so teuer gemacht, dass sich Benzinerautos nicht mehr lohnen.
Bis Ende 2025 entfällt die zehnprozentige Erwerbssteuer bei den BEV. Viele Städte erleichtern die Zulassung von BEV mit bevorzugten Nummernschildern. Zusätzlich verpflichtet eine staatliche Quote für neue Energiefahrzeuge (NEV) die Hersteller, einen wachsenden Anteil an Elektro- und Hybridmodellen zu produzieren.
Der Erfolg ist spürbar: 2024 erreichte der BEV-Anteil am Neuwagenmarkt rund 47 %. In diesem Jahr sollen es über 80 % sein. Gleichzeitig wird massiv in Ladestationen, Batterietausch-Netzwerke und Recycling von Akkus investiert.
Zudem ist der Wettbewerb erbarmungslos. Vor allem der Markteintritt Teslas im Jahr 2020 habe Chinas Autohersteller dazu veranlasst, Innovationen zu schaffen, Produkte auf den Markt zu bringen und die Kosten zu optimieren, sagt Analyst Paul Gong von UBS-Bank. Ein E-Auto koste in China mittlerweile höchstens halb so viel wie in der westlichen Welt. Und die E-Autos von BYD, NIO % Co. sind i.d.R. besser als die deutschen E-Fahrzeuge. Bei der Preisen müssen die deutschen Hersteller mitgehen, sonst verkaufen sie gar nichts. Ein ID.3 kostet in China umgerechnet ca.18.000 Euro, einen Taycan muss Porsche für ca. 70.000 Euro hergeben. Zuletzt senkten nahezu alle großen chinesischen Hersteller erneut ihre Preise oder lockten mit Bonusprogrammen.
Zu den klaren Gewinnern zählt BYD aus Shenzhen. Mit erschwinglichen E-Modellen trifft das Unternehmen den Geschmack der Massen. Im ersten Quartal 2025 setzte BYD knapp 700.000 Elektro- und Plug-in-Fahrzeuge in China ab. Der Marktanteil liegt bei rund 29 %. t, mehr als die vier nächstgrößten Anbieter zusammen. Auch Li Auto wächst stark. Der SUV-Spezialist setzt auf sogenannte Reichweitenverlängerer-Hybride im Premiumsegment, bei denen der Elektromotor das Auto antreibt, während ein Verbrennermotor die Batterie lädt. Mit dem Konzept konnte das Unternehmen 2024 seine Verkaufszahlen mehr als verdoppeln und schreibt inzwischen schwarze Zahlen. Geely, zu dem Marken wie Zeekr und Lynk & Co gehören, gehört ebenfalls zu den Aufsteigern.
Porsche, VW und Mercedes gelten als altbacken. Aber auch große Techkonzerne mischen den Markt in China auf. Das für seine Smartphones bekannte Unternehmen Xiaomi brachte 2024 erfolgreich seine erste Elektro-Limousine SU7 auf den Markt. Xiaomi setzt auf „viel Technik fürs Geld“. Auch Huawei ist aktiv und liefert sein Software-Know-how an mindestens sieben Autohersteller. In Geschäften von Huawei stehen die Fahrzeuge neben den Smartphones.
Ausländische Hersteller stehen dagegen unter Druck. Ihre Elektro-Modelle spielen nur noch eine Nebenrolle. Der kontinuierliche Niedergang der deutschen Marken in China sei auch auf ihre eigenen Unzulänglichkeiten zurückzuführen, sagt Automotive-Experte Zhong Shi. Volkswagen, Porsche und Mercedes-Benz gelten bei vielen Kunden mitunter als altbacken. Quelle: China Auto News / Igenieur.de / DMM
