Wie viel Realität steckt in Umfragen? Psychologen wissen, dass sie die Gefahr bergen, sozial erwünschte Antworten zu erzeugen, statt tatsächlicher Einblicke in zum Beispiel Nutzungsverhalten. Der Fahrrad Monitor 2025 zum Beispiel hat herausgefunden, dass „das Fahrrad im Verkehrsmittelvergleich das Fortbewegungsmittel mit dem subjektiv größten Wachstumspotenzial bleibt.“ 55 Prozent der Befragten wollten häufiger Fahrrad oder Pedelec fahren als bisher. Das sind mehr als früher (2023: 46, 2021: 40 Prozent).
Es gibt aber auch den Deloitte-Report Dienstradleasing-Markt 2026. Darin steht: „Ein Teil der Konsument:innen ist zwar interessiert, plant aber keinen Leasingabschluss in den nächsten zwölf Monaten.” In Zahlen: 47 Prozent wollen kein Leasingrad, 23 Prozent sind unentschlossen. Ist dieser Widerspruch einer Betrachtung geschuldet, die Kontext und Parameter dieser Ergebnisse ausblendet? Wahrscheinlich. Interessant aber bleibt eine Frage, die sich daraus ergibt: Was bedeuten solche Strömungen für den Markt geleaster Diensträder 2026?
Der Dienstradleasing-Markt in Deutschland
Bastian Krause ist CEO der BLS Bikeleasing-Service GmbH. Seine aktuelle Markteinschätzung: Dienstradleasing entwickelt „sich aktuell von einem Benefit hin zu einem strategischen Bestandteil moderner Mobilität in Unternehmen”, es wandelt sich von einem Zusatzangebot zu einem „Instrument für Mitarbeiterbindung, Gesundheit und Arbeitgeberattraktivität.” Ein Sprecher des Marktführers Jobrad bestätigt: „Unternehmen betrachten das Dienstrad längst als festen Bestandteil moderner Personal‑, Gesundheits- und Nachhaltigkeitsstrategien.”
Zahlen aus den Analysen aus der erwähnten Deloitte-Studie stützen seine Aussagen – zum Teil. Der Report zeigt, dass der Markt zwar auf der einen Seite wächst: Aktive Nutzerinnen und Nutzer sowie anbietende Unternehmen gibt es immer mehr: Beide Zahlen entwickeln sich seit 2021 zweistellig: Nutzer im Schnitt um 28 Prozent pro Jahr, Arbeitgeber um 21 Prozent. Auch die Verbreitung nimmt zu. 2021 hatten rund 10,6 Millionen Beschäftigte Zugang zu Dienstradleasing (2023: 17,3), 2025 bereits 22,6 Millionen. Die gesamte deutsche Flotte wächst: von 1,0 (2021) auf 2,2 Millionen (2025).
Der Report zeigt aber auch die stagnierende Seite des Markts: 2021 wurden rund 0,48 Millionen Räder neu geleast (2023: 0,79 Millionen) – danach flacht die Entwicklung ab: 2025 liegt der Wert bei 0,72 Millionen. Ein ähnliches Bild zeigt der Umsatz. Zwischen 2021 und 2023 wächst der Markt von 1,5 auf 2,9 Milliarden Euro. 2025 erreicht er 2,8 Milliarden Euro.
Beispielhaft für diesen Trend sind die Kunden-Zahlen von Bikeleasing: Die Zahl neu gewonnener Firmenkunden steigt von 11.473 (2021) auf 17.302 (2023), danach geht sie zurück: 2024 kommen 12.993 hinzu, 2025 schließlich 10.164. Dabei gewinnen vor allem Kleinstunternehmen an Gewicht: Ihr Anteil steigt von 43,5 auf 50,8 Prozent. „Für sie ist Dienstrad-Leasing ein vergleichsweise einfach umsetzbarer Benefit mit hoher wahrgenommener Wirkung ohne die Komplexität großer Benefit-Systeme”, ordnet Krause ein.
Wie Unternehmen Dienstradleasing einsetzen
Bildet der Markt also die vermeintliche Widersprüchlichkeit der obigen Umfragen ab? Wie ordnet Bastian Krause diese Zahlen ein? „Das Wachstum bleibt hoch, aber der Markt wird reifer.” Unternehmen würden stärker auf Integration, Effizienz und rechtliche Verlässlichkeit blicken. „Es geht weniger um das ‚Ob‘, sondern um das ‚Wie gut‘ ein Angebot in bestehende HR- und Mobilitätsstrukturen eingebettet ist.“
Und das über Branchen und Unternehmensgrößen hinweg. „Vom Handwerksbetrieb über Großkonzerne wie die Deutsche Bahn und Bosch bis hin zu Bundesländern wie Baden-Württemberg und der Hansestadt Hamburg”, erklärt ein Sprecher von Jobrad. Beispielhafte Blicke in den Markt bestätigen das: So werben kleinere Softwareunternehmen wie Loy & Hutz mit individuell gestaltbaren Lastenrädern, der Luxusuhren-Marktplatz Chrono 24 weist bei seinen Leasingrädern auf hohe Radqualität und Steuerersparnisse hin, und Rewe verkündet im April eine Kooperation mit Deutsche Dienstrad. Ziel ist „eine digitale Infrastruktur, über die alle Prozesse vollständig automatisiert und ohne personellen Verwaltungsaufwand abgewickelt werden”. Laut Christina Puello, Geschäftsführerin von Deutsche Dienstrad, zeigt diese Partnerschaft, „wie nachhaltige Mobilität und wirtschaftliche Effizienz Hand in Hand gehen können.“
Auch Bikeleasing investiert derzeit gezielt in die Bereiche Digitalisierung, Service und Integration. Im Fokus steht die kontinuierliche Weiterentwicklung der Plattform, um die Prozesse für Fachhandel, Arbeitgeber und Mitarbeitende noch effizienter zu gestalten. Gleichzeitig entwickelt sich das Angebot in Richtung ganzheitlicher Mobilitätslösungen. Die Verknüpfung mit Mobilitätsbudgets und weiteren Benefits spiele dabei eine zentrale Rolle.
Bike-Leasing in Unternehmen: Wie funktioniert es – und was bringt es?
Meist schließt das Unternehmen einen Rahmenvertrag. Mitarbeitende wählen ein (E)-Rad beim Händler aus und leasen es über ein paar Jahre. 2024 wurden 17 Prozent aller Verträge digital abgeschlossen. Probefahrt, Beratung und Anpassung bleiben Argumente für den Fachhandel.
Die Rate wird meist vom Bruttogehalt abgezogen. Dadurch sinkt die Steuerlast. Zusätzlich wird das Rad mit 0,25 Prozent des Bruttolistenpreises pro Monat als geldwerter Vorteil versteuert. Das gilt für Fahrräder und Pedelecs bis 25 km/h.
Für Beschäftigte kann das Dienstrad günstiger sein als ein Direktkauf. Beispiel: Ein E-Bike für 2.500 Euro kostet inklusive Versicherung 80 Euro Leasingrate im Monat. Zahlt der Arbeitgeber 25 Euro dazu, bleiben netto rund 33 Euro weniger. Über drei Jahre entstehen etwa 1.190 Euro Kosten. Mit Kauf für 450 Euro liegt die Gesamtbelastung bei 1.640 Euro – etwa 35 Prozent unter Privatkauf.
Unternehmen sollten das Modell regeln: Welche Radtypen sind erlaubt? Gibt es Preisgrenzen? Wer zahlt Versicherung, Wartung und Reparaturen? Was passiert bei Diebstahl, Kündigung, längerer Krankheit oder Elternzeit? Zuschüsse von 10 bis 50 Euro pro Monat verbessern die Rechnung für Mitarbeitende deutlich. Wichtig ist auch der Vertragsaufbau: Der spätere Kauf darf nicht schon zu Beginn fest zugesagt werden. Sonst kann das Finanzamt das Leasing als verdeckten Kauf werten – und Steuervorteile können entfallen.
Ausblick: Der Trend könnte leicht bergauf radeln
Und wohin entwickelt sich der Corporate-Rad-Trend nun? Bastian Krause sieht drei Indizien für eine positive Fortsetzung des Trends:
- Eine weiterhin hohe Nachfrage, die sich differenziert, aber nicht abschwächt.
- Ein steigendes Interesse an integrierten Mobilitätslösungen – das Dienstrad wird zunehmend Teil größerer Konzepte.
- E-Bikes und E-Lastenräder gewinnen an Bedeutung, weil sie neue Anwendungsfälle im Alltag erschließen.
Punkt drei hat eine Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt ausgelotet – die Forschenden haben dafür vier Jahre lang rund 40 Unternehmen bei ihrer Umstellung auf Lastenräder begleitet: Wann lohnen sie sich als alternative Transportmittel? Die kurze Antwort: Wenn Unternehmen nicht vom Fahrzeug her denken, sondern von wiederkehrenden urbanen Wegen: kurze Strecken, viele Stopps, wenig Ladevolumen, hohe Parkplatzprobleme.
Tipp: Einen schnellen Überblick über die Wirtschaftlichkeit bietet beispielsweise der Lastenrad-Test, etwa mit dem ROI-Rechner.
Und was muss passieren, damit es wirklich positiv weitergeht ? Das hängt von der Politik ab, sagt Bastian Krause. „Eine langfristig stabile steuerliche Einordnung des Dienstrads würde dem Markt zusätzliche Planungssicherheit geben und weiteres Wachstum ermöglichen.“ Was wohl eine Umfrage zu Dienstradnutzung im Bundestag ergeben würde?
