Droht Condor doch das Aus?

Es ist gut möglich, dass der Deal zwischen dem staatlichen Mutterkonzern von LOT Polish Airlines, PGL Polska Grupa Lotnicza, und dem deutschen Ferienflieger Condor in letzter Minute platzt. Mutmaßlich wollen die Polen aus dem Vertrag herauskommen, indem sie an das Bundeswirtschaftsministerium extrem hohe Forderungen stellen.

Der Deal zwischen der Condor und der polnischen PGL Polska Grupa Lotnicza steht auf der Kippe. Platzt er, könnten für Condor die Lichter ausgehen. Foto: Condor

Der Deal zwischen der Condor und der polnischen PGL Polska Grupa Lotnicza steht auf der Kippe. Platzt er, könnten für Condor die Lichter ausgehen. Foto: Condor

Angeblich verlangt PGL, sich fast die ganze Investition staatlich absichern zu lassen, heißt es in einem Bericht des Nachrichtenmagazins Spiegel. Ob die Bundesregierung da mitspielt, die gerade hunderte Milliarden zur Stützung der deutschen Wirtschaft locker machen muss, ist fraglich. Und für Condor könnte die Rückabwicklung des Verkaufs das Aus bedeuten. PGL hatte am 24. Januar 2020 bekannt gegeben, die deutsche Charterfluggesellschaft (Sitz in Kelsterbach und Basis auf dem Flughafen Frankfurt) übernehmen zu wollen. Condor war Teil der seit September 2019 insolventen Thomas Cook Group.

Nachdem die Muttergesellschaft Thomas Cook am 23. September 2019 Insolvenz angemeldet hatte, geriet die selbst profitabel arbeitende Condor in Liquiditätsprobleme. Zur Überbrückung des schwächeren Winterhalbjahrs erhielt sie ein KfW-Darlehen in Höhe von 380 Mio. Euro, für das die Bundesrepublik Deutschland und das Land Hessen, sprich, die Steuerzahler, bürgen. Die von Condor beantragte Eigenverwaltung im Rahmen eines Schutzschirmverfahrens wurde Anfang Dezember 2019 eröffnet.

Im Februar 2020 dann hatte das Bundeskartellamt die Übernahme durch PGL freigegeben. Am 12. März segnete die Gläubigerversammlung den Plan ab, nach dem der Ferienflieger das Schutzschirmverfahren verlassen und den 380-Millionen-Kredit zurückzahlen konnte. An diesem Tag meldete das Unternehmen, "Condor kann das Schutzschirmverfahren in den nächsten Wochen verlassen: Auf der heutigen Gläubigerversammlung wurde der Schutzschirmplan von Condor von den Gläubigergruppen mehrheitlich angenommen. Damit ist ein weiterer Meilenstein im Schutzschirmverfahren erreicht. Der künftige Eigentümer, die Polish Aviation Group (PGL), kann das Unternehmen somit übernehmen und der Kredit, der Condor zur Überbrückung der Wintersaison von der Deutschen Bundesregierung und dem Land Hessen gewährt wurde, kann fristgerecht zurückbezahlt werden." Und CEO Ralf Teckentrup sagte: „Die Annahme unseres Plans für eine nachhaltige und profitable Zukunft von Condor ist ein fundamentaler Schritt für unsere Kunden und Partner und natürlich unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Er bedeutet für alle Beteiligten die so wichtige Sicherheit, auch weiterhin mit einer starken Condor als Deutschlands beliebtestem Ferienflieger planen zu können.“ Der Schutzschirmplan war am 11. Februar 2020 beim Amtsgericht Frankfurt am Main eingereicht worden. Die darin enthaltenen Maßnahmen sollten Condor für eine Zukunft ohne Thomas Cook aufstellen. Der frühere Mutterkonzern von Condor hatte im September Insolvenz angemeldet (DMM berichtete).

Doch dann fiel das Coronavirus in Europa ein und sorgte dafür, dass nicht nur Condor immer weniger fliegen konnte. Lot musste sogar den gesamten Flugbetrieb einstellen. Zum 15. April 2020 sollte das von Bundesregierung und dem Land Hessen verbürgte Darlehen vollständig zurückbezahlt werden. Daraus wird nun nichts. Denn Condor braucht das Geld wohl viel länger. Das Management der Airline hat dieser Tage einen Antrag auf Verlängerung der Frist zur Rückzahlung des Kredits gestellt.

Scheitert nun der Deal mit den Polen, wird es für Condor ganz schwer zu überleben. Denn so gut wie kein Luftfahrtunternehmen hat derzeit das Geld für eine Übernahme einer anderen Fluggesellschaft. Condor müsste sich daher wieder nach Finanzinvestoren als Geldgeber umsehen. Doch haben die im Zusammenhang mit der Corona-Krise und dem Börsensturz viel Geld verloren. Quelle: PGL / Spiegel / DMM