Ein Monster von Arbeitstier

Zwei Performance-Modelle, zwei sehr unterschiedliche Charaktere, auch die Zielgruppen dürften sehr unterschiedlich sein. Ford zeigte im Bergischen Land die beiden Performance-Modelle Focus ST und den Ranger Raptor. Letzterer hinterlässt einen besonders tiefen Eindruck. Entwickelt vom Ford Performance-Team stellt er die Top-Version der meist verkauften Pick-Up-Baureihe Europas und Deutschlands dar. Wer glaubt, dass passend zu den immensen Ausmaßen auch ein Volumenriese von Motor unter der Haube werkelt, der irrt: Denn dort verrichtet sein Werk „nur“ ein 2,0 l Bi-Turbo-Diesel mit 156 kW (213 PS).

Top-Version des Ford Ranger, der Ranger Raptor. Foto: GZ

Top-Version des Ford Ranger, der Ranger Raptor. Foto: GZ

Den „Monstertruck“, als der er einem rein optisch erscheint, kann man sich freilich nur im gewerblichen Segment vorstellen und auch da nur bei einer Klientel, die Pickups für mehr oder weniger schwieriges Gelände braucht. Bauleute etwa, Architekten, vielleicht auch der eine oder andere Förster und, klar, Offroad-Enthusiasten, denen ein herkömmlicher Geländewagen zu popelig erscheint. Marketing-Vorstand Hans Jörg Klein umriss die Zielgruppe mit jenem Personenkreis, die als Individualisten gelten und im Leben noch etwas erreichen wollen. Diese Zielgruppe wollen die Kölner über jene Kanäle, z.B. Youtube, erreichen, die sie am meisten nutzen. Auch soll die Zielgruppe nicht unbedingt auf Kraftstoffeffizienz achten. Letzteres muss sie vielleicht auch gar nicht. bei unseren Testfahrten im Bergischen Land gab sich der Ranger Raptor erstaunlich genügsam: Um die acht Liter Diesel auf 100 km wollte das Schwergewicht nur konsumieren. Laut Klein will Ford in einem vollen Verkaufsjahr etwa 1.000 Einheiten allein in Deutschland vermarkten. Das ist nicht wenig angesichts des Netto-Grundpreis' von mehr als 56.000 Euro.

Nochmal kurz zum Exterieurdesign: Es erinnert and den in USA bekannten Ford F-150 Raptor mit mächtigem schwarz abgesetzten Kühlergrill und kraftvollen Radlaufverbreiterungen. Die seitlichen Trittbretter sollen verhindern, dass während der Fahrt Steine hochgeschleudert werden und die Karosserie beschädigen.

Interieur: Der Innenraum der Doppelkabine spiegelt die DANN von Ford Performance wider. Alles wirkt sehr nobel gemacht und auch der Komfort lässt kaum zu wünschen übrig. Die Serienausstattung umfasst u.a. 2-Zonen-Klimaanlage, Parkpilotsystem hinten, Rückfahrkamera, Xenonlicht-Scheinwerfer mit LED-Tagfahrlicht, beheizbare Vordersitze, Navi mit Ford SYNC 3, App Link und Touchscreen, abschließbares Laderaumrollo und und und. Natürlich mit an Bord sind wichtige Assistenzsysteme für etwa Geschwindigkeitsassistent mit Auffahrwarnfunktion, Fahrspurhelfer, Verkehrszeichen-Erkennung etc.. Wichtig sind die Helfer im schwierigen Gelände. So sorgen Differenzialsperre, Bergabfahrassist und Zu- oder Abschalten von Vierradantrieb bzw. 4L beim steilen Abwärtsfahren für sicheres Beherrschen des Wagens. 

Der Motor liefert ein Drehmoment von 500 Nm, das zwischen 1.750 und 2.000 U/min zur Verfügung steht und über ein 10-Gang-Automatikgetriebe die Hinterachse antreibt. Wahlweise lässt sich der Vorderradantrieb zuschalten. Ähnlich wie alle anderen Ranger-Versionen besitzt auch der Raptor eine Lkw-Homologation und wird nach der Emissionsnorm 6c eingestuft. Das Modell ist ausschließlich mit Doppelkabine und fünf Sitzen lieferbar.

Der Raptor trägt seinen Namen nicht von Ungefähr. Seine Vorfahren lebten vor ca. 80 Mio. Jahren und waren gefürchtete gefiederte zweibeinige Räuber. Auch die heutige Variante trägt ein bißchen die Gene jener Saurier in sich, die die Umwelt das Fürchten lehrten. Heute freilich geht es nicht um fressen und gefressen werden, sondern um überzeugende Traktion auf allen erdenklich schwierigen und weniger schwierigen Untergründen und ums Vorwärtskommen im Gelände, wo andere aufgeben müssen. So wurde dem Pick-Update ein ultrastarkes Chassis mit „maßgeschneiderter Achskinematik“ und Hochleistungsstoßdämpfern verpasst. Vorwärts kommt der Wagen auf für den speziellen Einsatzzweck konzipierten All-Terrain-Reifen von BF Goodrich. Sie sollen selbst härteste Offroad-Anforderungen meistern, bei Nässe, Schnee, Sand und Schlamm. Die Wattiefe beträgt stolze 85 cm, die Bodenfreiheit 28,3 cm. Wir haben’s ausprobiert. Der Raptor schafft Böschungswinkel von 32,5 Grad vorne. Und weil man sich ein solches Fahrzeug auch gar nicht anders vorstellen kann, sorgt ein massiver Unterfahrschutz aus 2,3 m dickem Stahl dafür, dass im ruppigen Gelände nichts passiert. Auch in Sachen Verzögerung lässt der Raptor nichts anbrennen:  Seine Doppelkolben-Bremssättel sind üppig dimensioniert und bringen den Wagen im Ernstfall rasch zum Stehen.

Als Arbeitstier muss ein solches Fahrzeug natürlich auch richtig was wegziehen können. Mit der serienmäßigen Hängerkupplung darf man einen gebremsten 2,5 t-Trailer ziehen. Die eigene Ladefläche ist ebenfalls üppig bemessen: 1,56 m Lände und 1.57 m Breite genügen für viele Fälle. Die maximale Nutzlast beträgt 620 kg. Vergleichsweise einfach und mit nur wenig Krafteinsatz lässt sich nun die Heckklappe öffnen.

Vermutlich gibt es nur wenige Geländeformationen, mit denen der Raptor nicht zurecht kommt. Für sicheres Weiterkommen sorgt der Allradantrieb allemal. Mit dem serienmäßigen All-Terrain-Management-System kann der Fahrer unter sechs Fahrmodi wählen: Normal, Sport (warum es den gibt, weiß vermutlich niemand), Gras/Schotter/Schnee, Fels, Schlamm/Sand und Baja. Letzterer wurde für hohe Offroad-Geschwindigkeiten konzipiert und bezieht seinen Name von der berühmten „Baja 1000“-Wüstenrallye in Mexiko. Quelle: Ford / DMM