Eine ziemlich schräge Geschichte

Am frühen Montag, 15. Juli 2019, wurde die Polizei Westerstede (Kreisstadt des Landkreises Ammerland im Nordwesten Niedersachsens) zu einem Notfall im Bereich des Bahnhofs Westerstede-Ocholt gerufen. Ein Anwohner hatte einen im Gleisbett stehenden Pkw gemeldet, der sich offensichtlich festgefahren hatte. Als die Streife eintraf, wurde sie von einem Lokführer empfangen, der angab, dass das Auto dem Fahrdienstleiter des Bahnhofs gehöre. Die Geschichte, die die Beamten dann zu hören bekamen, rief einiges Stirnrunzeln hervor.

Mit seinem eigenen Pkw wollte ein DB-Fahrdienstleiter eine E-Lok bergen, die er irrtümlich auf ein Gleis ohne Oberleitung gelotst  hatte. Die Sache ging gründlich daneben. Foto Roco

Mit seinem eigenen Pkw wollte ein DB-Fahrdienstleiter eine E-Lok bergen, die er irrtümlich auf ein Gleis ohne Oberleitung gelotst hatte. Die Sache ging gründlich daneben. Foto Roco

Der 61-jährige Fahrdienstleiter hatte zunächst in der Nacht zum Montag kurz nach Mitternacht eine einfahrende E-Lok irrtümlicherweise auf ein Nebengleis ohne Oberleitung gelotst, wo sie zum Stehen kam, aber, weil ja keine Fahrleitung über dem Gleisstrang gespannt war, nicht mehr vom Fleck kam. Um auf das richtige Gleis mit Fahrdraht rangiert zu werden, hätte es einer Diesellok bedurft. Nur die war auf die Schnelle nicht zu haben. Und der Aufwand, über die zentrale Transportleitung der Bahn eine solche Diesellok herbei zu ordern, erschien dem schlauen Fahrdienstleiter zu viel des Guten. Außerdem hätten ja dann seine Vorgesetzten mitbekommen, dass er die E-Lok auf das falsche Gleis einfahren ließ.

Also dachte sich der findige Bahnmitarbeiter, seinen eigenen Pkw als Diesellok-Ersatz zu nehmen, um die immerhin 80 t schwere Elektrolok wieder vom falschen Gleis abzuziehen. Gesagt, getan: Der Bahnbedienstete setzte sich hinters Steuer, fuhr mit seinem Pkw auf das Gleis und blieb, schau an, im Gleisbett mit beiden Achsen bzw. den Rädern zwischen jeweils zwei Schwellen stecken, nachdem er sich dort festgefahren hatte. Kein Vor und kein Zurück.

Ein Abschlepper mit Kran musste herbeizitiert werden, um erst mal das Auto zu bergen. Per Kran wurde der Pkw aus seiner misslichen Lage aus dem Gleisbett gehoben. Und eine Diesellok musste dann auch noch herbeigerufen werden, um die E-Lok wieder auf den rechten Weg zu bringen. Eine Gefahr für den Zugverkehr bestand übrigens nicht, da zu dieser Zeit kein Verkehr stattfindet.

Ob der Vorgesetzte des Fahrdienstleiters den Vorfall mit dem gleichen Humor aufnimmt, wie die Beamten, darf allerdings bezweifelt werden. Laut einer Bahnsprecherin wird der Fall intern aufgearbeitet. Quelle: Pressemeldung Polizeiinspektion Oldenburg - Stadt / Ammerland