Embraer setzt auf Großauftrag der Lufthansa

Der Lufthansa-Konzern muss bald eine Entscheidung über den Ersatz ihrer E-Jets, Bombardier CRJ und Airbus A319 fällen. Embraer rechnet sich dabei gute Chancen aus. Denn das LH-Management hat in der Vergangenheit stets betont, neben Airbus und Boeing einen dritten Anbieter haben zu wollen, um nicht von den beiden Riesen zu abhängig zu werden. Dafür braucht Lufthansa den brasilianischen Hersteller Embraer. Insider glauben aber, dass die erneuerte Regionalflotte des LH-Konzerns auf Airbus A220, Embraer E2 und A320 Neo aufgeteilt werden wird.

Für die Empresa Brasileira de Aeronáutica S.A. mit Sitz in São José dos Campos, aktuell viertgrößter Flugzeugbauer der Welt, sind die USA sind mit Abstand der wichtigste Markt. Gleich dahinter  folgt als zweitwichtigster Absatzmarkt. Europa. In der „alten Welt“ fliegen 387 E-Jets für 34 Betreiber in 24 Ländern. Viele der E190 und E195 müssen in den nächsten zehn Jahren nach und nach ersetzt werden.

Dabei haben die Brasilianer vor allem zwei Märkte im Fokus: Polen und die DACH-Region, also Deutschland, Österreich und die Schweiz, oder anders formuliert, im Visier ist der Lufthansa-Konzern. In Polen betreibt LOT aktuell 44 E-Jets die bis zu 19 Jahre alt sind. Embraer hofft auf einen Auftrag über 50 neue Regionajet, so Michal Nowak, bei Embraer für den Verkauf in Europa und Zentralasien verantwortlich.  Die Lufthansa Group betreibt aktuell 71 kleinere Regionalflugzeuge – 43 Embraer E-Jets und 28 Bombardier CRJ 900. Auch da steht eine Entscheidung zur Erneuerung der Regionalflotte an, da die Flieger inzwischen rund zwölf Jahre alt sind. 

Erste Gespräche führte Embraer bereits 2019 mit Lufthansa, 2021 wurden sie konkreter. Doch dann verzögerte die Pandemie den Prozess. In den kommenden ein bis zwei Jahren werde aber die Entscheidung über die Erneuerung der Regionalflotte bei Lufthansa Group wohl fallen, so Nowak. Nowak sieht noch ein größeres Potenzial als nur den Ersatz der 71 E-Jets und CRJs. Die 88 Airbus A319 von Lufthansa Group sind inzwischen 17 Jahre alt. Auch diese Flugzeuge mit 138 bis 150 Plätzen müssen ersetzt werden.

Insgesamt geht es also um 150 bis 200 Flugzeuge, wenn die Gruppe ihre Flotte nicht nur modernisieren, sondern auch ausbauen will. Neben Lufthansa selbst geht es um Cityline, Air Dolomiti, Austrian Airlines und potenziell auch Brussels Airlines. 

Embraer sieht dabei gute Chancen, ihre E2-Jets bei Lufthansa Group zu platzieren. Die Brasilianer argumentieren dabei mit Zahlen. So ist die Embraer E195-E2 rund 3,5 Tonnen leichter als der Konkurrent Airbus A220-300. Auf typischen Europa-Strecken soll der Betrieb der E2-Jets rund 10 % günstiger sein als beim europäischen Wettbewerber. Hinzu komme, dass es in der Kabine der E2-Jets deutlich leiser sei als im Konkurrenzflieger, der einst von Bombardier entwickelt wurde. Und auch die großen Fenster sieht Nowak nicht als Vorteil des A220. Denn die Fläche der neuen Embraer-Jets ist ebenso groß, so der Manager. Quelle: Embraer / aerotelegraph.com / DMM