Ende der Geschäftsreisen-Ära?

Geschäftsreisen waren bis zum Beginn der Corona-Krise ein bedeutender Bestandteil des Tourismus. Ob das so bleiben wird, wird sich zeigen. Die „Welt“ jedenfalls malt mit ihrer Headline „Das Ende der Dienstreisen-Ära rückt näher“ den Teufel für die Geschäftsreise-Branche an die Wand. Und sie bezieht sich auf eine Umfrage, wonach Firmen in der Krise festgestellt hätten, dass Videokonferenzen oft ein gute Alternative sind. Ob das vielerorts zumindest zum Teil so bleiben wird, wie das Blatt meint, kann heute noch niemand sagen.

Schwarzmalerei betreibt die "Welt" mit ihrem Beitrag, wonach das Ende der Diebstreisen-Ära näher rücken soll. Ohne Geschäftsreisen wird die Wirtschaft gar nicht erst funktionieren können, sagen Experten. Foto: Textron

Schwarzmalerei betreibt die "Welt" mit ihrem Beitrag, wonach das Ende der Diebstreisen-Ära näher rücken soll. Ohne Geschäftsreisen wird die Wirtschaft gar nicht erst funktionieren können, sagen Experten. Foto: Textron

Etwa 60 % der deutschen Unternehmen planen, Dienstreisen und Vor-Ort-Meetings dauerhaft einzuschränken, zeigt eine bisher unveröffentlichte Personalleiterbefragung des Ifo-Instituts im Auftrag des Personaldienstleisters Randstad. Befragt wurden im zweiten Quartal 2020 ca. 800 Personalleiter, die Ergebnisse sollen angeblich repräsentativ für die deutsche Wirtschaft sein.

Tritt ein, was diese Untersuchung von sich gibt, wäre dies ein harter Schlag gegen die Airlines, die Bahnen, die Hotellerie usw.. Denn gerade die Verkehrsträger leben ganz stark von Unternehmen und deren Dienstreisenden. Denken wir z.B. nur an die Lufthansa, die ohne ihre Premiumkunden, die ihre Business Class füllen, am Boden bleiben könnte. Oder an die Deutsche Bahn, deren 1. Klasse-Waggons überwiegend von Business Travellern besetzt sind. Oder an die Hotellerie, die unter der Woche zum allergrößten Teil Firmenkunden beherbergt. Oder an die vielen Restaurants, die ohne Dienstreisende und deren Geschäftsessen gleich zusperren könnte. Oder an die Autoindustrie, die in Deutschland zu weit mehr als 50 % von Firmen- und Flottenkunden lebt. Insbesondere die Premiumhersteller Audi, BMW, Daimler verkaufen zu ca. 70 % ihre Fahrzeuge nur an Geschäftskunden. Die Aufstellung ließe sich beliebig fortsetzen. 

„Die Unternehmen haben die Notwendigkeit von Dienstreisen hinterfragt und einen Teil davon ins digitale Feld verschoben“, wird Przemyslaw Brandt, Fachreferent im Zentrum für Makroökonomik und Befragungen des Ifo-Instituts, zitiert. „Persönlicher Kontakt bleibt auch nach der Corona-Krise in der Arbeitswelt wichtig, jedoch werden sich die Kontaktwege verändern. Eine Videokonferenz bietet den Unternehmen hier eine Alternative zum persönlichen Kontakt vor Ort.“ 64 % der Firmen planen der Umfrage zufolge langfristig mit mehr virtuellen Konferenzen.

Ein ähnliches Bild zeichnet eine aktuelle Studie des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (Download: http://publica.fraunhofer.de/dokumente/N-593445.html), für die 500 Unternehmen befragt wurden. Das Fraunhofer IAO hat gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Personalführung e.V. (DGFP) im Zeitraum vom 05. bis zum 22. Mai 2020 die Einflüsse virtueller Arbeit, insbesondere dem Homeoffice, auf die Unternehmenspraxis untersucht und die Ergebnisse in der Studie „Arbeiten in der Corona-Pandemie – Auf dem Weg zum New Normal“ zusammengefasst und am 09. Juli 2020 veröffentlicht (DMM berichtete). Hier gaben knapp 90 % der Befragten an, Dienstreisen zukünftig kritischer zu hinterfragen. Man könne davon ausgehen, dass bei der Planung von Geschäftsreisen virtuelle Treffen mit viel größerer Selbstverständlichkeit miteinbezogen würden, schreiben die Autoren.

Viele Unternehmen wollen demnach künftig von Fall zu Fall entscheiden und streben eine Mischung aus persönlichen Treffen und virtuellem Austausch an. Quelle: ifo-Institut / Fraunhofer IAO / DMM