Erwartungen an Bleisure und Urlaub

Die Coronapandemie prägt das Reiseverhalten zunehmend. Das gilt für Leisure-Trips, für Business- und Bleisure-Reisen. Doch wie denken die Bürger über die Zukunft des Tourismus'? Welche Erwartungen, Wünsche und Ziele haben sie? Diesen und weiteren Fragen ist die gemeinnützige BAT-Stiftung für Zukunftsfragen in ihrer aktuellen Sonderausgabe der Tourismusanalyse nachgegangen.

Sicheren Reisezielen gehört die Zukunft, hiervon sind fast 9 von 10 Bundesbürgern überzeugt. Pandemien, Terroranschläge und Naturkatastrophen haben ihre Spuren hinterlassen. Und egal, welche Vorsorge- und Sicherheitsmaßnahmen auch getroffen werden, die Unsicherheit auf Reisen hat zugenommen, so die Studie der Stiftung.
So stieg in den letzten zwei Jahrzehnten die Bedeutung der Sicherheit um jeweils zehn Prozentpunkte an. Entsprechend schauen sich zunehmend mehr Urlauber nach – zumindest gefühlt – sicheren Regionen um. Dies wird den Inlandstourismus fördern und mit Herausforderungen in zahlreichen ausländischen Destinationen einhergehen. Selbst verlockende Sonderangebote, atemberaubende Natur und hohe Gastfreundschaft reichen nicht mehr aus, solange ein Gefühl der Unsicherheit mitreist.

Groß waren die Hoffnungen auf eine höhere Bedeutung von Nachhaltigkeits- und Umweltaspekten von Reisen nach Corona. Doch trotz zunehmendem Umweltbewusstsein im Alltag lässt sich ein solches Verhalten bei deutschen Touristen bisher nicht nachweisen. Ein grundlegender Verhaltens- oder Einstellungswechsel zeichnet sich also nicht ab. Im Gegenteil: Im Jahresvergleich nimmt die Erwartung auf eine zukünftig höhere Bedeutung von Feriengebieten mit kontrollierter Umweltqualität, intakter Natur und sauberer Landschaft sogar ab.

„Zu attraktiv bleiben Flugreiseziele, zu groß die Sehnsucht nach Sonne, Strand und Meer und zu interessant fremde Länder und Kulturen, als dass die Mehrheit der Reisenden hierauf verzichten möchte“, so der Wissenschaftliche Leiter Professor Dr. Ulrich Reinhardt.

Reiseziele. Auch in Zukunft wollen viele Bundesbürger vor allem eines: Etwas Neues entdecken. Das gilt in gewissem Maße auch für Business Traveller. Der Tapetenwechsel bzw. Kontrast zum Alltag bleibt ein Kernreisemotiv – Tendenz steigend. Im Fall der Leisure-Reisen möchten sich 38 % erst kurz vor Urlaubsbeginn spontan entscheiden, wohin es geht – und für jeden Vierten heißt Urlaub Reisen, und folglich will er nur kurz an einem Ort bleiben und dann weiterziehen.

Und trotz immer größerer Reiseerfahrung möchte fast die Hälfte der Bundesbürger jedes Jahr ein neues Reiseziel kennenlernen. Wichtig bleiben in diesem Zusammenhang die Einzigartigkeit und Abgrenzung zu anderen. So reizen jeden Dritten außergewöhnliche Destinationen, in denen noch nicht jeder war. Reinhardt: „Auf der einen Seite zeichnet sich eine Art modernes Nomadentum ab. Gerade die junge Generation möchte ähnlich wie im Alltag möglichst viel Flexibilität und Abwechslung. Auf der anderen Seite sehnen sich viele Bundesbürger eher nach Beständigkeit und Bekanntem. Die Reisewelt bleibt demnach weiterhin gespalten, und entsprechend individuell und unterschiedlich sind die Anforderungen an die Anbieter.“

Gemeinsam oder einsam? Für mehr als drei von vier Bundesbürgern heißt Urlaub vor allem eines: Schöne Ferien mit der ganzen Familie. Innerhalb der Bevölkerung herrscht weitestgehend Einigkeit, lediglich Singles äußern mit immerhin noch 65 % Zustimmung etwas weniger Interesse. Für jeden vierten Bürger kann es im Urlaub dagegen nicht einsam genug sein und es wird am liebsten allein verreist. Im Jahresvergleich zeigt sich ein uneinheitliches Bild. Während der Anteil der Familienurlauber konstant bleibt, hat sich der Anteil derjenigen, die lieber allein verreisen möchten, verdoppelt. Bemerkenswert: Auch Geschäftsreisende, die zunehmend an ihre eigentliche Tätigkeit noch ein paar Tage Freizeit anhängen möchten (Bleisure), äußern verstärkt den Wunsch, dazu auch ihren Partner bzw. Partnerin mitnehmen zu dürfen.

Tapetenwechsel und Erholung. Fremde Kulturen und Menschen kennenlernen – diese Erfahrung erhoffen sich fast drei Viertel der Bundesbürger von ihrem Urlaub. Im 5-Jahres-Vergleich wollen deutlich mehr Reisende Authentizität auf Reisen erfahren, wobei dies besonders für Frauen, Großstädter und formal Höhergebildete eine große Rolle spielt.
Sich vor Ort um nichts kümmern und einfach entspannen – das bleibt für die Mehrheit der Deutschen eine zentrale Erwartung an die Ferienzeit. Im 5-Jahres-Vergleich nimmt die Zustimmung leicht ab, bleibt aber auf hohem Niveau. Innerhalb der Bevölkerung lassen sich nur wenig Unterschiede nachweisen. Einzige Ausnahme sind Hausfrauen und -männer, die mit 77 Prozent deutlich mehr Zustimmung signalisieren und den Alltagsstress vergessen wollen.

Sich umsorgen lassen, Luxus und Komfort genießen und wie ein König fühlen: für 43 % der Bundesbürger soll so in Zukunft der Urlaub aussehen. Im Langzeitjahresvergleich zeigt sich die zunehmende Bedeutung dieser Reiseerwartung. Reinhardt: „Der Urlaub soll besser als der Alltag sein. Die Bürger wollen Stress, Druck, Hektik und Verpflichtungen hinter sich lassen und stattdessen Wohlbefinden, Individualität und Bequemlichkeit erfahren. Für die Zukunft zeichnet sich daher zunehmend ein Qualitäts- statt eines Preiswettbewerbs ab.“ Info: https://www.stiftungfuerzukunftsfragen.de/newsletter-forschung-aktuell/292Quelle: Stiftung für Zukunftsfragen / DMM