EU-Kommission bringt Lufthansa und Air France-KLM auf die Palme

Zwischen der EU und dem Emirat Katar sollen künftig mehr Flüge angeboten werden. Das sieht das Luftverkehrsabkommen CATA (Comprehensive Air Transport Agreement) vor, das die EU-Kommission im Namen der EU-Länder mit dem Golfstaat Katar ausgehandelt hat. CATA sieht eine weitere Öffnung des europäischen Marktes für Qatar Airways vor. Der Carrier soll künftig noch mehr Frequenzen und Ziele innerhalb der EU anbieten dürfen. Die europäischen Carrier sehen CATA alles andere als gerne.

Schon im Herbst 2020 hatte sich die Pilotenvereingung Cockpit sieht gegen CATA ausgesprochen und den Rat der Europäischen Union aufgerufen, die Umsetzung von CATA wenigstens zu verschieben. Jetzt tritt das Abkommen doch in Kraft. EU-Kommission und Katar haben das Luftfahrtabkommen unterzeichnet. Die Vereinbarung garantiert Qatar Airways ab 2024 EU-weit faktisch unlimitierte Flugrechte ans Drehkreuz Doha. Für die großen Flughäfen in Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien und den Niederlanden ist vorgesehen, bis 2024 schrittweise die Kapazitäten auszubauen, teilte die EU-Kommission mit. "Das Abkommen soll Kontakte erleichtern und kommerzielle Möglichkeiten sowie Handel erweitern, heißt es in Brüssel. In Theorie und Praxis bedeutet die Absegnung CATAs, dass Qatar Airways schon in den bevorstehenden Wintersaison beispielsweise 21 Flüge pro Woche zwischen Frankfurt und Katar sowie zwischen München und Katar und 14 wöchentliche Flüge zwischen dem Emirat und anderen Flughäfen in Deutschland anbieten kann. Für die wenigsten Passagiere aus Europa wird die Flugreise in Doha enden - über das Drehkreuz verteilt Qatar Airways Fluggäste in alle Welt.

Brüssel spricht zwar von fairen Wettbewerbsbedingungen, Lufthansa und Air France-KLM sehen das allerdings ganz anders. Gemeinsam mit Gewerkschaften hatten beide Carrier bis zuletzt versucht, CATA zu verhindern - oder zumindest aufzuweichen.

Denn in umgekehrter Richtung ist die Marktöffnung für europäische Airlines kaum interessant - Air France-KLM und Lufthansa beklagten einen Ausverkauf europäischer Luftfahrtinteressen, damit andere EU-Wirtschaftszweige mit dem erdgasreichen Staat am Persischen Golf ins Geschäft kommen.

Europas Luftfahrt-Branche fürchtet, dass CATA nur den Anfang eines bösen Spiels darstellt. Ein aktueller Entwurf für ein EU-Luftfahrtabkommen mit den ASEAN-Staaten - dazu zählen u.a. Malaysia, Thailand, Vietnam und Singapur - sorgt in der Branche gerade ebenfalls für Verstimmung zwischen Airlines und EU-Kommission.

Die europäische Kommission hat nämlich mit dem Verband Südostasiatischer Nationen (ASEAN) die Verhandlungen über das Abkommen „Comprehensive Air Transport Agreement“ (AE CATA) abgeschlossen. AE CATA ist das weltweit erste Block-zu-Block-Luftverkehrsabkommen. Es soll die Konnektivität und die wirtschaftliche Entwicklung zwischen den 37 Mitgliedsstaaten der ASEAN (beinhaltet einige der dynamischsten Märkte der Welt) und der EU fördern. Im Rahmen des Abkommens können EU-Fluggesellschaften bis zu 14 Passagierflüge wöchentlich und eine beliebige Anzahl von Frachtflügen über jedes ASEAN-Land und umgekehrt durchführen. „Wichtig ist, dass dieses neue Abkommen eine solide Plattform für die weitere Förderung hoher Standards in den Bereichen Flugsicherheit, Luftsicherheit, Flugverkehrsmanagement, Umwelt und Soziales schafft“, sagte Verkehrskommissarin Adina Vălean.

Das Abkommen soll dazu beitragen, die Luftverkehrsverbindungen zwischen den ASEAN-Ländern und Europa, die aufgrund der COVID-19-Pandemie stark zurückgegangen sind, wiederherzustellen. Außerdem wird es neue Wachstumschancen für die Luftfahrtindustrie in beiden Regionen eröffnen. Quelle: EU-Kommission / DMM