Ex-Audi-Manager in Kroatien verhaftet - Auslieferung an USA?

Axel Eiser (59), Ex-Audi-Manager, ist in Kroatien nach einem Urlaub festgenommen worden. Ihm droht nun die Auslieferung an die USA. Das Justizministerium der Vereinigten Staaten hatte gegen den früheren Leiter der Entwicklungsabteilung für Dieselmotoren in Neckarsulm einen Haftbefehl erlassen und ihn per Interpol ausgeschrieben. Kroatischen Medien zufolge sollen Eiser die auch in Kroatien bestehenden Corona-Kontrollen zum Verhängnis geworden sein.

Kroatien speichert wie viele andere Länder auch die Daten einreisender Personen. Axel Eiser  wurde am 09. Juni an der Grenze zwischen Slowenien und Kroatien am Grenzübergang Kastel verhaftet. Ein Gericht in Pula ordnete Untersuchungshaft an.

Axel Eiser war an der Entwicklung der später beanstandeten und manipulierten Dieselaggregate beteiligt. Er soll eine zentrale Person im Dieselskandal gewesen sein. Zwischen 2009 und 2013 war Axel Eiser Leiter der Entwicklungsabteilung für Dieselmotoren beim Ingolstädter bzw. Neckarsulmer Autobauer. Vorgeworfen wird dem Ingenieur, mitverantwortlich für das berühmt-berüchtigte „Clean Diesel“-Projekt gewesen zu sein. Genau so hatte der Volkswagenkonzern jenseits des Großen Teichs die Motoren des Typs EA 189 beworben.

Der EA 189 war einer der meistverbautesten Motoren in der Geschichte des VW-Konzerns. EA steht für Entwicklungsabteilung, 189 ist die interne Bauartnummer. Dieser Dieselmotor, den es in verschiedenen Hubraumvarianten gab und gibt, wurde als besonders verbrauchsarm, zuverlässig und umweltschonend angepriesen.

Das galt so lange, bis die US-amerikanische Umweltbehörde EPA in der Softwaresteuerung dieses Aggregats eine unzulässige Abschalteinrichtung im Sinne des einschlägigen Rechts fand. Die Software sorgte dafür, dass der Motor auf dem Prüfstand geringe Schadstoffwerte produzierte als im Alltagsbetrieb auf der Straße.

Sehr viel später hatte das ertappte deutsche Kraftfahrt-Bundesamt, das vorher nicht tätig geworden war, in einem bestandskräftigen, also nicht mehr angreifbaren Verwaltungsakt (Bescheid) festgestellt, dass diese Abschalteinrichtung der einschlägigen Typzulassungsverordnung widerspricht. Nach der StVZO ist die für diese Motoren des Typs EA 189 erteilte Typgenehmigung deshalb erloschen. Den Volkswagenkontern inklusive Audi und Porsche kostete der Skandal viele Milliarden Euro bzw. Dollar. Und noch immer ist die unsägliche Geschichte nicht ausgestanden. Sie war aber im Nachhinein betrachtet der Auslöser für die aktuelle CO2-Entwicklung, weg vom Diesel, hin zu elektrifizierten Antrieben, so Experten.

Nachdem Büros von Audi in Ingolstadt und Neckarsulm durchsucht worden waren musste Eiser gehen. Anfang 2019 wurde er in den USA gemeinsam mit drei weiteren Managern wegen Betrugs und Verschwörung angeklagt und von Interpol Washington zur Fahndung ausgeschrieben. Anders als in Deutschland - wo Staatsbürger nicht an Drittstaaten ausgeliefert werden -, kann der früheren Audi-Mann an die US-Justiz übergeben werden. Die US-Justiz hat über ihre Botschaft in Zagreb "die Einreichung eines Auslieferungsersuchens innerhalb der im gültigen Auslieferungsabkommen festgelegten Frist“ angekündigt.

Sollte Eiser überstellt werden, ist er in guter Gesellschaft: Denn mit Olivier Schmidt und James Liang sitzen bereits zwei ehemalige VW-Manager hinter Gittern. Schmidt wurde wegen Beteiligung am Abgasskandal vom Bundesgericht in Detroit zu sieben Jahren Haft und einer Geldstrafe in Höhe von 400.000 Dollar verurteilt. Schmidt hatte seine Mittäterschaft zunächst bestritten und versuchte erfolglos, gegen eine Kaution von 1,6 Mio. US-Dollar freizukommen. Er bekannte sich schließlich im August 2017 schuldig und schloss eine Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft, durch die mehrere Anklagepunkte gestrichen wurden; das mögliche Höchststrafmaß senkte sich dadurch erheblich auf nur noch sieben Jahre. Er sitzt derzeit im Bundesgefängnis von Milan um Bundesstaat Michigan.

Vor Schmidt war der deutsche VW-Ingenieur James Robert Liang von einem US-Gericht wegen Verschwörung und Missachtung des Clean Air Acts zu 40 Monaten Haft und einer Geldbuße in Höhe von 200.000 Dollar verurteilt worden. Er hatte als Kronzeuge mit den Ermittlern kooperiert. Quelle: CNN / 24 sata / DMM