Extremtest zerriss B 777-X-Testflugzeug

Boeing unternahm im September im Werk Everett einen Drucktest des Rumpfs für den neuen Riesenflieger B 777-X, von dem z.B. die Lufthansa 20 Einheiten bestellt hat, die sie 2021 erhalten soll. Bei dem Extremtest wurde durch eine explosive Druckentlastung ein riesiges Loch in den Rumpf gerissen und eine Tür flog heraus.

Bei einem Extrembelastungstest im Boeing-Werk Everett wurde eine B 777-X beinahe zerrissen. Foto: ???

Bei einem Extrembelastungstest im Boeing-Werk Everett wurde eine B 777-X beinahe zerrissen. Foto: ???

Der Flugzeugbauer versuchte den Erprobungstest und seine Auswirkungen geheim zu halten. Nun sickerten aber Fotos in die Öffentlichkeit, die das wahre Ausmaß zeigen, das viel schlimmer ist, als es Boeing zunächst dargestellt hatte (DMM berichtete). Insbesondere waren auch die Reports von Boeing geschönt, sagen Experten.

Das Testflugzeug muss komplett abgeschrieben werden, weil der Rumpf schwer demoliert wurde. Neben dem gewaltigen Riss bzw. Loch hinter der linken Tragfläche flog auch eine Passagiertüre aus ihren Verankerungen und fiel zu Boden.

In einer Stellungnahme von Boeing heißt es, der Vorfall müsse noch analysiert werden. Aber der Test wird keine Auswirkungen auf die ersten Testflüge haben. Laut Boeing-Sprecher Paul Bergman wird die Geschichte nicht zu Folge haben, dass es zu weiteren Verzögerungen des 777-X-Programms kommt. Der Jungfernflug soll definitive im ersten Quartal 2020 stattfinden und die erste Maschine soll dann 2021 an den Erstkunden übergeben werden.

Bei dem Test handelte es sich um eine Extremerprobung von Rumpf und Tragflächen. Die wurden so übermäßig stark belastet, wie es in der Realität nie vorkommen wird. Dabei wurden u.a. die weitgehend aus Karbon-Verbundmaterial bestehenden Tragflächen um über 28 Fuß (ca. 9 Meter!) nach oben bzw. unten gedehnt. Bei normalen Flügen sind es maximal 9 Fuß, die die Tragflächen aus ihrer üblichen Position nach oben oder unten bewegt werden, also etwa rund 3 Meter. Gleichzeitig war der Rumpf mit einer Kraft von mehreren Millionen kg nach unten gebogen und die Kabine mit massivem Überdruck von ca. 4 kg/4,4 cm2 gefüllt worden. Dabei hätte, so Piloten an Bord gewesen wären, auf sie eine Beschleunigungskraft von 3,75 G gelastet. Üblich sind bei regulären Flügen maximal 1,3 G.

Die Kombination von Biegekräften an Rumpf und Tragflächen und der Druck im Innern hätten schließlich zum Bersten des Rumpfs geführt. Boeing wird nun die Struktur im Bereich des aktuellen Vorfalls nachbessern. Quelle: Boeing / DMM