Flughafen Paderborn-Lippstadt insolvent

Schon im August hatte sich der Kreis- und Finanzausschuss in Paderborn für eine Insolvenz des Flughafens Paderborn-Lippstadt in Eigenverantwortung ausgesprochen. Und Wochen zuvor war über ein Sanierungskonzept für den Airport mit drastischen Personalkürzungen und einer Verkleinerung auf 300.000 Fluggäste diskutiert worden. Nun ist der Flughafen tatsächlich zahlungsunfähig.

Der Kreis Paderborn ist mit 56,4 % der größte Anteilseigner des finanziell und strukturell angeschlagenen Flughafens. Der Ausschuss des Kreises hielt Ende August 2020 eine Sanierung des Flughafens außerhalb einer Insolvenz für „unrealistisch und nicht umsetzbar bzw. nicht finanzierbar. Seinerzeit war im Ausschuss deutlich geworden, dass der Kreis nicht mehr Geld für den Flughafen ausgeben will als unbedingt nötig. Vertraglich verpflichtet ist er zu einem jährlichen Verlustausgleich von 200.000 Euro. Eine Verkleinerung des Flughafens hielt der Kreisausschuss für zu teuer. Er trägt auch lieber die Kosten für Darlehensbürgschaften als noch weiter in einen Flughafen mit ungewisser Zukunft zu investieren. Nach Überzeugung der Ausschussmitglieder hat offenbar auch die Industrie kein Interesse mehr.

Der Airport macht wegen der Corona-Krise etwa 700.000 Euro Verlust im Monat. Nur ein bis zwei Flüge starten und landeten in der Corona-Hochzeit. Zuletzt hatte sich die CDU im Kreis Paderborn bei der Sanierung des Flughafens für eine Insolvenz in Eigenregie ausgesprochen, was eine rasche Sanierung des Flughafens garantieren würde.

Nun hat Airport-Geschäftsführer Dr. Marc Cezanne am Dienstag, 22. September 2020  beim Amtsgericht Paderborn Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt. Die Pleite ist Teil eines Sanierungskonzepts, dem der Paderborner Kreistag tags zuvor zugestimmt hatte. Für die Sanierung stellt der Kreis Paderborn außerplanmäßig 13,7 Mio. Euro bereit. Der Flughafen solle langfristig so aufgestellt werden, dass seine Kosten durch die erzielbaren Einnahmen gedeckt werden, so der Kreistag. Der Kreis Paderborn übernimmt als Hauptanteilseigner neu den rund 6 %igen Anteil von Bielefeld. Die ostwestfälische Großstadt beteiligt sich dafür mit knapp 1,5 Mio. Euro, so ein Bericht des WDR. Mit anderen Gesellschaftern, die aussteigen wollen, sollen gleichwertige Verträge ausgehandelt werden.

In dem Sanierungskonzept ist vorgesehen, dass der Flughafen den Status eines Verkehrsflughafens mit Flugsicherung behält und weiterhin 24 Stunden am Tag in Betrieb ist, heißt es seitens des Airportmanagements. Allerdings wird nur noch mit 300.000 Fluggästen im Jahr kalkuliert statt wie bisher mit 700.000. Die Passagierzahlen lägen aktuellen rund 85 &  unter dem Niveau des Vorjahres. Aber auch vor der Pandemie war der Flughafen bereits wirtschaftlich angeschlagen. Quelle: WDR / DMM