Die internationale Automesse in Peking verdeutlicht einen Wandel im globalen Automarkt. Chinesische Hersteller präsentieren dort Fahrzeuge, die nicht mehr als bloße Aufholmodelle wahrgenommen werden, sondern eigene Akzente setzen. Design, Digitalisierung und Antriebskonzepte zielen sichtbar auf einen Markt, der sich schnell verändert und neue Erwartungen formuliert.
Selbstbewusste Technik und hohes Entwicklungstempo
Viele der gezeigten Modelle wirken eigenständig gestaltet und wenden sich an eine digital geprägte Kundschaft. Innenräume sind stark auf Bildschirme, Software und vernetzte Funktionen ausgerichtet. Assistenzsysteme und automatisierte Fahrfunktionen spielen eine größere Rolle, da der Fahralltag in dicht besiedelten Regionen häufig von Stau und Geschwindigkeitsbegrenzungen geprägt ist.
Auffällig ist das Entwicklungstempo. Während etablierte Hersteller lange Modellzyklen einhalten, bringen chinesische Marken neue Fahrzeuge zügig auf den Markt und aktualisieren Software über Funk. Funktionen werden so laufend ergänzt, ohne auf Modellpflegen warten zu müssen. Auch die Preisstruktur unterscheidet sich deutlich: Umfangreiche Ausstattung trifft häufig auf vergleichsweise niedrige Einstiegspreise. Gerade bei Elektrofahrzeugen profitieren die Hersteller von integrierten Lieferketten und eigener Batterietechnik.
Ein Teil der Attraktivität liegt jedoch weniger in nüchternen Kostenrechnungen als in der Abweichung vom Bekannten. Die Fahrzeuge brechen mit vertrauten Gestaltungsprinzipien und bringen neue Markenauftritte in ein Segment, das lange als vorhersehbar galt.
Fünf Modelle zwischen Mittelklasse und Luxus‑SUV
- Erstes Beispiel ist der Smart #6. Die Marke zeigt erstmals eine große Limousine der Mittelklasse mit knapp fünf Metern Länge. Angetrieben wird das Modell von einem sogenannten Super‑Hybrid aus 1,5‑Liter‑Turbo und Elektromotor mit zusammen rund 429 PS. Rein elektrisch sollen bis zu 285 Kilometer möglich sein, die Gesamtreichweite wird mit über 1.800 Kilometern angegeben. In China startet das Modell bei einem Preis von knapp unter 25.000 Euro.
- Leapmotor positioniert mit dem D19 ein großes SUV mit 5,25 Metern Länge. Das Fahrzeug wird sowohl als reines Elektroauto mit bis zu über 730 PS und Batterien bis 115 kWh als auch mit Range Extender angeboten. In letzterer Variante liegt die Systemleistung bei 408 PS, die Reichweite bei bis zu 1.300 Kilometern. Im Innenraum setzt Leapmotor auf Einzelsitze in der zweiten Reihe und umfangreiche Bildschirmlösungen. Die Preise bewegen sich in China zwischen 27.500 und unter 35.000 Euro.
- Great Wall Motors (GWM) zeigt mit dem Tank 700 Hi4‑Z ein Full‑Size‑SUV mit klassischem Leiterrahmen. Der Plug‑in‑Hybrid kombiniert einen 2,0‑Liter‑Turbo mit zwei Elektromotoren und kommt so auf rund 635 kW Leistung. Bis zu 190 Kilometer sollen rein elektrisch möglich sein, die Gesamtreichweite liegt bei über 1.000 Kilometern. Der Preis beginnt bei umgerechnet rund 60.000 Euro.
- Der Xpeng P7 steht für den Fortschritt bei Assistenzsystemen. Das Fahrzeug nutzt eine umfangreiche Sensorik mit Kameras, Radar und optional LiDAR sowie einen leistungsfähigen Zentralrechner. Damit werden Funktionen wie automatisierte Spurwechsel, Hindernisumfahrung und komplexes Fahren im Stadtverkehr ermöglicht. Für Europa ist dieses Modell nicht vorgesehen, stattdessen plant Xpeng den P7plus mit vergleichbarer Technik.
- Auch der Jetta X zeigt den Wandel. Die bislang als limitiert wahrgenommene Automobilmarke der Volkswagen AG tritt in China als eigenständige Budget‑Linie auf. Das erste Elektromodell der Marke ist ein kantig gestaltetes SUV mit groß dimensionierten Displays. Der angekündigte Einstiegspreis von rund 13.000 Euro liegt deutlich unter vergleichbaren Modellen anderer Hersteller.
Gemeinsam ist diesen Fahrzeugen der Anspruch, neue Zielgruppen anzusprechen und bekannte Marktgrenzen zu verschieben. Ob und wann einzelne Konzepte nach Europa kommen, bleibt offen. (SP-X)
