Geht Germania die Luft aus?

Im Juli 2018 unterschrieb die Linien- und Charterfluggesellschaft Germania noch eine Absichtserklärung über den Kauf eines Grundstücks auf dem Areal des Berliner Großstadtflughafens BER, um dort auf 16.400 m² den neuen Hauptsitz des Luftfahrtunternehmens zu bauen. Mit der Eröffnung des Flughafens (irgendwann im Jahre des Herrn) soll dann auch der Umzug in die neue Zentrale vollzogen werden. Jetzt scheint dem Unternehmen buchstäblich die Luft auszugehen. Es besteht kurzfristiger Liquiditätsbedarf und ein Verkauf werde geprüft, teilte Germania in einer Presseaussendung am 08. Januar 2019 mit.

Die Berliner Fluggesellschaft Germania braucht dringend viele Millionen oder einen Käufer. Foto: Karsten Kießling

Die Berliner Fluggesellschaft Germania braucht dringend viele Millionen oder einen Käufer. Foto: Karsten Kießling

Die Frage ist, wer als Investor auftreten könnte; eine Lösung muss auf die Schnelle her; denn Seit Ende 2018 steckt Germania in akuten finanzielle Schwierigkeiten. Bis zum 27. Dezember brauchte die deutsche Fluggesellschaft 20 Mio. Euro, um weiterfliegen zu können, besagt die Branche. Die Suche nach neuen Aktionären blieb aber bisher erfolglos. Über die Germania Beteiligungsgesellschaft ist Geschäftsführer Karsten Balke derzeit Alleineigentümer der Airline. Die nicht unbedingt überraschende Meldung der Germania kommt zu einem denkbar ungünstigen Moment. Aktuell stehen von Januar bis März die Hauptbuchungsmonate an, an den kommenden Ferienmessen wird die Buchungslaune für die Sommer- und Herbstferien geschürt. Wie schnell und in welcher Art die Germania einer Verunsicherung im Reisemarkt entgegentritt, ist noch offen.

In der Pressemitteilung vom 08. Januar 2019 heißt es: „Die europäische Luftfahrtbranche hat sich in der jüngsten Zeit stark verändert, insbesondere das Jahr 2018 war bekanntermaßen mit großen Herausforderungen verbunden. Die gesamte Branche befindet sich in einer Umbruchphase, von der auch Germania betroffen ist. Insbesondere unvorhersehbare Ereignisse wie massive Kerosinpreissteigerungen über den Sommer des vergangenen Jahres bei gleichzeitiger Abwertung des Euros gegenüber dem US-Dollar, erhebliche Verzögerungen bei der Einflottung von Fluggerät sowie eine außergewöhnlich hohe Anzahl technischer Serviceleistungen an unserer Flotte waren für unser Unternehmen große Belastungen. Germania prüft aktuell mehrere Optionen einer Finanzierung, um den kurzfristigen Liquiditätsbedarf zu sichern. Es geht dabei um die zentrale Frage, wie wir als mittelständisches Unternehmen auch weiterhin in einem Marktumfeld schlagkräftig bleiben, das von Fluggesellschaften mit konzernähnlichen Strukturen geprägt ist. Beim Flugbetrieb gibt es keine Einschränkungen, alle Germania-Flüge finden planmäßig statt.“

Bei Germania läuft es schon länger nicht mehr gut. Geschäftszahlen gibt die Fluglinie offiziell keine bekannt. Aus Pflichtmitteilungen im Bundesanzeiger geht jedoch hervor, dass zwischen 2012 und 2016 nur einmal ein Jahresgewinn resultierte. Insgesamt liefen in dieser Periode massive Verluste von 51,7 Mio. Euro auf. Der Umsatz war 2015 auf die Rekordmarke von 425 Millionen geklettert, ein Jahr später aber auf 369 Millionen abgesackt. Auch die Gruppe schreibt rot. Im Konzernabschluss der Dachgesellschaft Germania Beteiligungsgesellschaft stand für 2016 ein Minus von 32 Mio. Euro.

Die Germania ging aus der Kölner Fluggesellschaft SAT (Special Air Transport) hervor, die 1978 von türkischen Unternehmern gegründet worden war. Schon ein Jahr später verkauften sie diese jedoch an den Anwalt Hinrich Bischoff, der als erster Geschäftsführer der Hapag-Lloyd Flug bereits Luftfahrt-Know-how gesammelt hatte. Im Juni 1986 wurde die Germania Fluggesellschaft mbH gegründet und die Betriebsgenehmigung der SAT auf die Germania übertragen. SAT wurde als Gesellschaft zum Verleasen von Flugzeugen weitergeführt

Als nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 US-amerikanische Fluggesellschaften ihre Slots teilweise aufgaben, nutzte Germania die Gelegenheit und bot am 12. November 2001 zwischen Berlin-Tegel und Frankfurt/M. den ersten Linienflug unter eigener Verantwortung an. 2002 kaufte die Germania aus dem Besitz der Kreditanstalt für Wiederaufbau 19 Fokker 100 von US Airways, die sich unter Gläubigerschutz befand. Ab Juni 2003 war die Fluglinie zwischenzeitlich unter der Marke Germania Express (auch gexx) als Lowcost-Flieger tätig.

Zum 28. März 2005 übernahm Germania 64 % der Anteile der dba (dba (offiziell dba Luftfahrtgesellschaft mbH, zuvor Deutsche BA, ursprünglich Delta Air, war eine deutsche Fluggesellschaft mit Sitz in München und Basis auf dem Flughafen München. Sie operierte zeitweise als Billigfluggesellschaft und war zuletzt ein Tochterunternehmen von Air Berlin, nachdem zuvor British Airways (BA) Anteilseigner gewesen war.). In der Folge wurden für diese zwölf Fokker 100 im Wet-Lease betrieben, gleichzeitig übernahm dba im Gegenzug 15 Strecken der Germania Express. In der Folge wurden zunächst keine Flüge unter dem Namen Germania mehr durchgeführt, da sämtliche Flugzeuge an andere Gesellschaften verleast waren. Die Kapitalverflechtung zwischen dba und Germania wurde im Sommer 2005 wieder rückgängig gemacht, die Zusammenarbeit wurde aber auf 14 Fokker 100 erweitert.

Am 11. November 2005 verstarb der Gründer Hinrich Bischoff. Seine Anteile gingen an seine Ehefrau und seine vier Kinder, von denen drei ihre Anteile weiterveräußerten so dass die Ehefrau Ingrid Bischoff und der Sohn Erik Bischoff gemeinsam die Anteilsmehrheit hielten.
Am 12. Juli 2016 bestellte Germania bei Airbus 25 A320neo mit einer Option für weitere 15 Maschinen. Diese sollen ab 2020 ausgeliefert werden. Dadurch wird eine einheitliche Flotte der A320-Familie angestrebt. Hinter dem Deal stehen nun angesichts der finanziell prekären Situation Germanias mehrere Fragezeichen. Quelle: DMM / Germania