Geschäftsreise mit Bahn-Strom durch das Allgäu

Schneller, leiser und sicherer mit der Bahn durch das Allgäu, und zuverlässiger wohl auch, was vor allem Firmenkunden und Geschäftsreisende zu schätzen wissen. Für diese Ziele fließen auf einer Länge von 157 km in den drei Jahren Bauzeit seit 2018 fast 650 Mio. Euro in die Schieneninfrastruktur der Magistrale München-Memmingen-Lindau (- Zürich).

Supermoderne Hochgeschwindigkeitszüge setzt die SBB ab Dezember 2020 auf der dann durchgehend ausgebauten und elektrifizierten Magistrale Zürich-Bregenz-Lindau-Memmingen-Lindau ein. Foto: SBB

Supermoderne Hochgeschwindigkeitszüge setzt die SBB ab Dezember 2020 auf der dann durchgehend ausgebauten und elektrifizierten Magistrale Zürich-Bregenz-Lindau-Memmingen-Lindau ein. Foto: SBB

Allein mehr als 150 Mio. Euro fließen in den großen Umbau der Bahnanlagen im Stadtgebiet von Lindau am Bodensee. Zur Halbzeit, im Sommer 2019, hat DB Netz rund drei Viertel des Ausbaus durchgeführt. Auf über 100 km Strecken ist die Oberleitung errichtet. An neun Stellen sind bereits die Gleise abgesenkt und sechs neue Stellwerke errichtet. Während 2018 die Arbeiten vor allem im östlichen Teil zwischen Memmingen und Geltendorf stattfanden, sind nun die Abschnitte rund um Wangen und weiter Richtung Bodensee im Fokus.  

In Wangen errichtet die DB derzeit zwei neue Bahnbrücken anstelle der alten teilweise 130 Jahre alten Bauwerke. Am 19. August 2019 setzte ein 650 Tonnen-Kran das Brückenteil an der Lindauer Straße ein. Der Kran wurde vor Ort zusammengebaut, nachdem seine Einzelteile in 41 Lkw-Ladungen herangeschafft waren. Die zweite Brücke, die auf 116 Metern Länge den Fluss Oberer Argen überspannt, stellt das aufwändigste Bauwerk dar.

Der Ausbau zwischen München, Memmingen und Lindau umfasst auch zahlreiche Arbeiten an den Gleisen und Bahnstationen. U.a. müssen 3.500 Oberleitungsmasten gesetzt werden – die meisten stehen bereits –, 27 Bahnübergänge und 43 Straßenbrücken sind an die Oberleitung anzupassen. Zudem werden 17 Stellwerke neu/umgebaut und 30 km Gleise erneuert. Jeder fünfte Euro - insgesamt 100 Mio. – fließt in den Lärmschutz: 26 km Lärmschutzwände errichtet die DB für 2.700 Gebäude, entlang der Strecke sind Schallschutzfenster vorgesehen.

Allein in Lindau führt die DB Netz 21 verschiedene Baumaßnahmen durch. Es gilt, ein neues Stellwerk für 160 Signale zu errichten sowie 13 Weichen und 4.000 Meter Gleis zu erneuern, Oberleitungen und Schallschutzwände sowie eine Eisenbahnbrücke zu bauen. Viele Bauarbeiten finden aktuell in den bayerischen Sommerferien statt. Der Zugverkehr nach Österreich muss dabei sieben Wochen lang unterbrochen werden.

Auch ein zweiter Bahnhof entsteht in den kommenden eineinhalb Jahren in Lindau. Für 21 Mio. Euro errichtet die Deutsche Bahn die neue Verkehrsstation im Ortsteil Reutin. Eurocity-Züge auf der Strecke München-Zürich halten künftig an diesem Festlandsbahnhof und müssen nicht mehr den Umweg auf die Insel nehmen. Die Verkehrsstation erhält zwei Bahnsteige für vier Gleise und einen barrierefreien Zugang.

Zusammen mit der Elektrifizierung der Strecke durch das Allgäu verringert sich dadurch die Fahrzeit zwischen beiden Städten um fast eine Stunde auf weniger als 3.30 Stunden. Im Fernverkehr Zürich-München werden ab Dezember 2020 die Schweizer Neigetechnikzüge 250 km/h schnellen ETR 610 eingesetzt. Allerdings werden sie auf der Allgäustrecke nur mit Tempo 160 km/h unterwegs sein. Für diese Geschwindigkeit ist die Ausbaustrecke, die in großen Teilen nur eingleisig ist, hergerichtet. Bei den SBB wir der Zug auch als "Astoro" (Habicht) bezeichnet. Die siebenteiligen ETR 610 haben 422 Sitzplätze, davon 296 in der zweiten Klasse, 108 in der ersten Klasse und 18 im Speisewagen. 42 der 422 Plätze sind Prioritätssitze mit größerem Sitzabstand für Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Der Sitzteiler in der 1. Klasse beträgt 2.000 mm, in der 2. Klasse 1.900 mm. Die Züge sind mit dem modernen europäischen Sicherungssystem ETCS Level 2 ausgerüstet.

2020 wird sich im Stadtgebiet Lindau das Baugeschehen mehr in die westlichen Teile verlagern. Auf der Strecke von München her wird die DB die letzten Abschnitte bis zum Bodensee vollenden. Danach, im Juli 2020 wird der Strom eingeschaltet und ein Test- und Messprogramm gestartet, ehe im Dezember der fahrplanmäßige Verkehr beginnt. Quelle: Deutsche Bahn / DMM