Hamburg Airport: 54 % Passagiereinbruch

Es gibt keinen deutschen Flughafen, den die Corona-Krise verschont hätte. So auch Hamburg Airport. Seit Ausbruch der Pandemie und den damit verbundenen Reisebeschränkungen war das Verkehrsaufkommen an Norddeutschlands größtem Flughafen zeitweise um bis zu 99 % eingebrochen – ein Rückgang, der nicht mehr aufgefangen werden kann.

Die Corona-Krise hat Hamburg Airport wirtschaftlich schwer getroffen. Foto HH Airport - Oliver Sorg

Die Corona-Krise hat Hamburg Airport wirtschaftlich schwer getroffen. Foto HH Airport - Oliver Sorg

Aufgrund der unsicheren Krisenlage ist das Management gezwungen, für die Zukunftsplanung in Szenarien zu arbeiten. Danach rechnet der Flughafen für das Jahr 2020 mit insgesamt rund 8 Mio. Passagieren, dies entspräche einem Minus von 9 Mio. Fluggästen (54 %) gegenüber 2019. Unter Berücksichtigung der im Juni/Juli einsetzenden Verkehrserholung wird ein Verlust von deutlich über 100 Mio. Euro erwartet. Mit einem Modernisierungsprogramm hat der Flughafen bereits begonnen, sich für die Zukunft und die Herausforderungen im Luftverkehr neu aufzustellen. 

„Anfang 2020 blickten wir noch positiv ins Jahr: Die Erwartungen lagen bei 1 % Wachstum und rund 17,5 Mio. Passagieren – dann kam Corona und hat unseren Flughafen getroffen wie ein Blitzschlag“, sagt Michael Eggenschwiler, Vorsitzender der Geschäftsführung am Hamburg Airport. Nach seiner Einschätzung werden die Folgen noch viele Jahre spürbar sein. Im aktuellen Szenario geht die Geschäftsleitung davon aus, frühestens ab dem Jahr 2025 ähnliche Passagierzahlen wie vor der Krise zu erreichen. 

Hamburg Airport profitiert heute davon, bereits Mitte 2019 das Modernisierungsprogramm HAM Flex gestartet zu haben, um die Unternehmensgruppe für Herausforderungen der Luftverkehrsbranche aufzustellen. Im Rahmen dieses Zukunftsprogramms wurden Kosteneinsparungen und Erlössteigerungen in die Wege geleitet. Neben betrieblichen Ad-hoc-Maßnahmen wurden größere Projekte verschoben, wie die Inbetriebnahme der Shuttle Gates oder der Baubeginn der neuen Gepäckförderanlage. „Die beeinflussbaren Kosten haben wir bereits massiv gesenkt. Aber rund die Hälfte der Kosten sind fix. Sie entstehen, sobald der Flughafen geöffnet ist – unabhängig vom Verkehrsaufkommen“, so Eggenschwiler. 

Einstellungstopp auch 2021. Um den plötzlichen Umsatzeinbruch in Folge der Corona-Pandemie aufzufangen, hat Hamburg Airport ab März/April Kurzarbeit eingeführt. Das gesetzliche Kurzarbeitergeld in der Hamburg Airport Gruppe wird freiwillig für jeden der rund 2000 Beschäftigten auf 90 % des jeweiligen Nettogehaltes aufgestockt. „Wir haben sehr früh gehandelt, das hilft uns jetzt. Aber wir werden die Kurzarbeit auch im Jahr 2021 nutzen müssen. Unser klares Ziel ist es, die bestehenden Arbeitsplätze so weit wie möglich zu erhalten. Das hat Priorität“, sagt Michael Eggenschwiler. Damit dieses gelingen könne, werde der Einstellungsstopp weitergeführt. Über Fluktuation und Ruhestandsregelungen soll so bis 2023 die beim Personal nötige Anpassung um 10 % erreicht werden. 

Bereiche sollen stärker vernetzt und neu zugeschnitten werden, um Synergie-Effekte zu nutzen. Zudem wird ein Bereich Passagier-Management eingerichtet, der sich entlang der Reisekette um die Bedürfnisse der Flughafengäste kümmert – von der Buchung über das Boarding bis hin zur Rückkunft wieder in Hamburg. Quelle: Hamburg Airport / DMM