Hotellerie: Ohne weitere Hilfen wird's eng

Laut dem Zentralen Immobilien Ausschuss e.V (ZIA) liegt der Regelbetrieb der deutschen Hotellerie noch in weiter Ferne. Besonders hat die Corona-Pandemie die Hotels getroffen, die überwiegend vom Messe- und Kongressgeschäft leben. Selbst wenn die Normalität zeitnah zurückkehrt, wird der Tourismus in Deutschland frühestens 2022 wieder das Niveau von 2019 erreichen, spekuliert der ZIA.

Der Corona-bedingte Lockdown brachte den Tourismus in Deutschland fast vollständig zum Erliegen. Im ersten Halbjahr 2020 sanken die Übernachtungszahlen in Deutschland um rund 47 % zum Vorjahr (Lockdown-Monate April und Mai: -89,3 % bzw. -74,9 %). Dies betraf fast alle Beherbergungsformen gleichermaßen, mit leichten Vorteilen für die Economy-Hotellerie und Ferienwohnungen.

Die schrittweise Aufhebung der Reisebeschränkungen erhöhte auch die touristische Nachfrage wieder. Im Juni 2020 zeigte sich dennoch ein Übernachtungsminus von -41,7% gegenüber dem Vorjahr. Das Minus fiel dabei nicht noch höher aus, da insbesondere die Freizeithotellerie in den Sommermonaten vielerorts hohe Buchungszahlen erreichte. Generell aber legt der Regelbetrieb für die deutsche Hotellerie noch in weiter Ferne. Besonders trifft dies Hotels, die überwiegend vom Messe- und Kongressgeschäft leben. Selbst wenn die Normalität zeitnah zurückkehrt, wird der Tourismus in Deutschland frühestens 2022 wieder das Niveau von 2019 erreichen. Mit einer Erholung ist wohl eher in den Jahren 2023/2024 zu rechnen, da viele touristische Quellmärkte weitaus stärker vom Coronavirus betroffen sind.

Für die Hotellerie wurden einige öffentliche und private Hilfspakete zur Existenzsicherung auf den Weg gebracht, u.a. Kurzarbeitergeld, Absenkung der Mehrwertsteuer, Lieferantenkredite oder Gebührenerlasse. Die von Vermietern eingeräumten Stundungsmodelle und auch die staatliche Steuerstundungen sind angesichts der fatalen Situation insbesondere für die kettenunabhängigen Privathotels, jedoch kaum hilfreich, sondern verschieben die Probleme in die Zukunft. Die bestehenden staatlichen Maßnahmen werden kaum ausreichen, um einer Insolvenzwelle in der Hotellerie entgegenzuwirken, deren Ausmaß durch die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht verschleiert wird.

Ohne massive Unterstützung des Steuerzahlers – wer das zurückbezahlen soll, darüber verliert auch der ZIA kein Wort – werden sich die vergangenen Entwicklungen verstärken: Kleine mittelständische Hotelbetriebe mit geringen Liquiditätsreserven und veralteten Konzepten werden aufgeben, der Einfluss finanzstarker Hotelketten zunehmen. In wirtschaftlich schwächeren, ländlichen Räumen würden Betriebsschließungen zu hoher Arbeitslosigkeit und Gewerbesteuerverlusten führen. Auch würde die öffentliche Funktion, die die dortigen Betriebe mit ihrer Gastronomie und ihren Veranstaltungsfazilitäten erfüllen, verloren gehen. Erste Banken nehmen von der Hotelfinanzierung Abstand. Auch werden Hotelimmobilien kaum gehandelt. Im zweiten Quartal 2020 gab es nur acht Transaktionen. Steigende Renditen bzw. fallende Kaufpreise sind zu erwarten. Ebenso wird das bisher kontinuierlich gestiegene Neubauvolumen leiden.

Zukünftig werden sich Investoren intensiver mit Konzept und Betreiber auseinandersetzen und mehr Wert auf Drittverwendungsoptionen im Ankauf legen. Herausforderung für die Hotelbranche wird es in den kommenden Jahren sein, die Auswirkungen der Corona-Krise in einem strukturellen Umbruch zu bewältigen. Zur Minimierung der entsprechenden Folgen für Arbeitsmarkt und Volkswirtschaft sind intelligente staatliche Unterstützungen gefragt – mit Augenmerk auf Stärkung und Erhalt der Attraktivität der urbanen Räume. Die Hotellerie braucht Zeit und Sicherheit, existierende Hilfen sollten daher deutlichen verlängert werden. Quelle: ZIA / DMM