HUK-Mobilitätsstudie: Vertrauen in Bahn sinkt weiter

Die HUK Mobilitätsstudie 2026 zeigt wachsenden Frust mit Bahn und öffentlichem Verkehr. Das Auto gilt für eine deutliche Mehrheit als Verkehrsmittel der Zukunft.

Die HUK Mobilitätsstudie 2026 zeigt wachsenden Frust mit Bahn und ÖPNV. Das Auto gewinnt weiter an Bedeutung. Foto: MKS - stock.adobe.com

Die anhaltenden Zuverlässigkeitsprobleme der Bahn beeinflussen das Mobilitätsverhalten in Deutschland spürbar. Wie aus der HUK‑Mobilitätsstudie 2026 hervorgeht, versucht inzwischen mehr als ein Drittel der Bevölkerung, Bahnfahrten möglichst zu vermeiden.

Bahn verliert Vertrauen, Auto gewinnt weiter

35 Prozent der Befragten gaben an, Bahnfahrten zu meiden, wann immer es möglich sei. 26 Prozent erklärten, wichtige Termine grundsätzlich nicht mehr mit der Bahn zu planen. Laut der Studie nutzten weitere 28 Prozent die Bahn nur noch mit deutlich größeren Zeitpuffern als noch vor etwa zwei Jahren. Grundlage der Untersuchung ist eine repräsentative Befragung von 4114 Personen ab 16 Jahren, die seit 2021 jährlich durchgeführt wird.

Auch andere Verkehrsmittel des öffentlichen Personennahverkehrs profitieren davon nicht. Straßenbahnen, S‑Bahnen und Busse werden seit fünf Jahren von höchstens 13 Prozent der Befragten als Verkehrsmittel der Zukunft eingestuft. Das Fahrrad verliert seit der Corona‑Pandemie deutlich an Bedeutung. Sein Anteil sank um mehr als ein Drittel auf 16 Prozent.

Davon profitiert erneut das Auto. Mit einem Spitzenwert von 76 Prozent sehen die Befragten im Pkw das mit Abstand wichtigste Verkehrsmittel der Zukunft. Besonders stark habe diese Einschätzung bei jungen Menschen zwischen 16 und 24 Jahren zugenommen. Gleichzeitig sei in dieser Altersgruppe die positive Bewertung der Bahn am deutlichsten zurückgegangen.

Ein Blick auf die langfristige Entwicklung zeigt, dass die Auto‑Präferenz bei den unter 40‑Jährigen in den vergangenen vier Jahren dreimal so stark gestiegen sei wie bei älteren Befragten. Damit haben sich die Werte nahezu angeglichen. Während 2022 noch 64 Prozent der Jüngeren und 73 Prozent der über 40‑Jährigen das Auto bevorzugten, liegen die Anteile inzwischen bei 75 und 76 Prozent.

Reformbedarf, Führerscheinpläne stoßen auf Skepsis

Der Frust über den Zustand der Mobilität geht offenbar mit einer hohen Zustimmung zu Reformvorschlägen einher. 71 Prozent der Befragten befürworten ein bundesweit nutzbares Deutschland‑Ticket. Für einen kostenfreien öffentlichen Nahverkehr sprechen sich 67 Prozent aus, für eine deutlich höhere Taktung im Bus‑ und Bahnverkehr 66 Prozent.

Auch die Zustimmung zur staatlichen Förderung von Elektroautos ist gewachsen. Lag sie 2024 noch bei 39 Prozent und im vergangenen Jahr bei 45 Prozent, unterstützen inzwischen 52 Prozent eine solche Förderung. Unter den unter 40‑Jährigen liegt die Zustimmung bei 60 Prozent. Der stärkste Zuwachs zeigt sich jedoch bei den über 40‑Jährigen, wo der Anteil auf 47 Prozent gestiegen ist.

„Unsere langjährige Mobilitäts‑Studie zeigt, wie gespalten die Deutschen sind. Sie sehen den schlechten Zustand der Mobilität, beschränken sich aber nicht aufs Klagen, sondern unterstützen vehement Verbesserungsvorschläge. Gerade auch auf das E‑Auto setzt man Hoffnungen und befürwortet immer stärker eine staatliche Förderung“, sagte Dr. Jörg Rheinländer, Vorstand der HUK‑Coburg.

Im Rückblick auf die vergangenen fünf Jahre bewerteten die Befragten neun von zehn Kriterien wie Zuverlässigkeit, Schnelligkeit oder Kosten überwiegend schlechter als zuvor. Lediglich der CO2‑Ausstoß werde etwas positiver eingeschätzt. Nur neun Prozent erklärten, Mobilität lasse sich heute verlässlicher planen, während 49 Prozent eine Verschlechterung sehen.

Besonders stark betroffen fühlen sich ältere Menschen. Rund doppelt so viele der über 55‑Jährigen wie der unter 25‑Jährigen erklärten, dass sie heute langsamer ans Ziel kämen als vor fünf Jahren. Auch die Organisation von Mobilität und die Planbarkeit von Fahrzeiten werden von Älteren deutlich kritischer beurteilt.

Neue Vorschläge zum Führerscheinerwerb stoßen vor allem bei jungen Menschen auf Ablehnung. 54 Prozent der 16‑ bis 24‑Jährigen bewerten reduzierte Pflichtfahrstunden negativ. Die Anrechnung von Fahrtrainings mit Familienangehörigen lehnt in dieser Altersgruppe eine Mehrheit von 51 Prozent ab. Positiv beurteilt werden insgesamt lediglich zwei der sieben diskutierten Maßnahmen: überwiegend digitale Theoriestunden sowie die transparente Darstellung von Kosten und Durchfallquoten von Fahrschulen.

Mehrheitlich sprechen sich die Befragten für strengere Maßnahmen zur Verkehrssicherheit aus. 40 Prozent fordern härtere Strafen bei Verkehrsvergehen, bei den 25‑ bis 34‑Jährigen sind es 45 Prozent. 37 Prozent plädieren für verstärkte Polizeikontrollen. Eine verpflichtende Führerscheinüberprüfung ab 75 Jahren wird besonders häufig von unter 40‑Jährigen gefordert.

Die regionale Auswertung zeigt ebenfalls Unterschiede. Wie aus der Studie hervorgeht, ist der Frust über mangelnde Zeitverlässlichkeit in Nordrhein‑Westfalen am größten. Dort beklagen 57 Prozent der Befragten Probleme bei der Planbarkeit von Fahrzeiten. (red)