Der ICE 90 "Donauwalzer" war um 13:13 Uhr am Wiener Hauptbahnhof Richtung Nürnberg-Würzburg-Hamburg-Altona (an normalerweise um 21.58 Uhr) mit ca. 400 Fahrgästen an Bord gestartet. Zwölf Minuten später blieb der Triebzug gegen 13:25 Uhr im Eisenbahntunnel Knoten Hadersdorf stecken. Die Evakuierung der Passagiere, die im Dunkeln saßen, zog sich bis 19.30 Uhr hin.
An Bord des defekten Zuges herrschten dramatische Zustände: Kein Strom, kein Licht – völlige Dunkelheit. Im Bord-Bistro wurde Wasser an die gestrandeten Fahrgäste ausgeteilt. Zwei deutsche Pfadfinder, die sich ebenfalls im Pannen-Zug befanden, ergriffen die Initiative und verteilten Wasserflaschen aus dem Bord-Restaurant in den Waggons. Laut OE24 blieben die Passagiere ruhig, trotz geschlossener Türen des ICE, trotz ausgefallener Klimaanlage und Aufenthalt in stockdunkler Finsternis .
Ein Sprecher der ÖBB gab eine technische Störung des Zugs als Ursache für den Ausfall an. Die Bergung des Triebzugs gestaltete sich insofern schwierig, als das Ankoppeln eines Ersatzzugs nicht funktionierte. Zum anderen konnte dieser Ersatzzug dann nicht weiterfahren, weil etliche unvernünftige Passagiere bei der Evakuierung einfach im Tunnel verschwanden und der Strom dann in der Fahrleitung auf allen Gleisen abgeschaltet werden musste.
Nach über vier Stunden Stillstand wurden die Passagiere von der Feuerwehr evakuiert. Die gestrandeten Fahrgäste wurden zu einem bereitgestellten Zug im Tunnel geleitet. Doch auch dieser Zug war dunkel, berichtet ein betroffener Fahrgast, der sich bei oe24 meldete. Im zweiten Zug mussten die Passagiere also weiter ausharren. Zunächst war unklar, wann sie aus dem Tunnel gebracht werden würden. Denn: Auch der zweite Zug – ebenfalls ein ICE 411 der Deutschen Bahn, hatte keinen Strom.
Um 18.20 Uhr saßen die betroffenen Fahrgäste nach wie vor im zweiten Zug. Ein Fahrgast kritisierte gegenüber oe24, dass es keine Informationen darüber gegeben habe, wie es weitergehen werde. Über diesen Mangel an Informationen herrschte unter den Passagieren große Verärgerung. "Es gibt keine Kommunikation. Keiner weiß, wie es weitergeht", so der Fahrgast. Wahrscheinlich werde der Zug jetzt nach St. Pölten fahren, berichtete er weiter. Die Passagiere würden im neuen Zug nach wie vor im Dunkeln sitzen.
Auch mit dem zweiten Zug gab es kein Weiterkommen aus dem Tunnel. Wie einer der betroffenen Fahrgäste gegenüber oe24 sagte, sei die Feuerwehr in den neuen Zug gekommen, um die Passagiere über den nächsten Notausstieg hinaus zu begleiten. Um 19 Uhr hieß es dann aus dem Pannen-Zug, dass die zweite Evakuierung gerade angelaufen sei. Die Feuerwehr verteilte dabei erneut Wasser. Um etwa 19.20 Uhr erreichten die gestrandete Passagiere, geleitet von den Einsatzkräften, das Freie.
In der Hamerlinggasse im 14. Wiener Bezirk warteten die Fahrgäste dann schließlich auf Busse, die sie in die Stadt bringen sollen. Vor Ort hieß es, dass es in etwa einer halben Stunde Shuttles geben soll. Die Feuerwehr unterstützte die ÖBB mit insgesamt 20 Fahrzeugen und 80 Einsatzkräften. Die Wiener Berufsrettung war wiederum mit einer mobilen Leitstelle, einem mobilen Evakuierungsbus, acht Rettungsfahrzeugen und 20 Rettungskräften am Einsatz beteiligt.
De Grund, warum der zweite bereitgestellte ICE keinen Strom hatte und demzufolge nicht fahren konnte, lag an der Undiszipliertheit einiger Fahrgäste. Bei der Evakuierung des ersten Zugs liefen sie einfach von der Ersatzgarnitur entgegen ausdrücklicher Anweisungen im Tunnel weg und waren im Tunnel verschwunden. Das machte aus Sicherheitsgründen eine neuerliche Notabschaltung des Stroms nötig. Anschließend musste laut einem ÖBB-Sprecher der kilometerlange Tunnel nach den verschwundenen Personen abgesucht werden. Dazu musste u.a. der Zugverkehr zwischen Wien-Meidling und Tullnerfeld kurz nach 18.30 eingestellt worden. Unterdessen wurde der Fernverkehr vorübergehend über Rekawinkel umgeleitet werden, was zu Verspätungen führte.
Laut DB soll die Ausflottung der Baureihe 411 in den Jahren 2029/30 beginnen. Ersetzt werden sie nach und nach durch ICE 4 bzw. die neuen ICEL. Quelle: oe24.at / ÖBB / BR24 / DMM
