Immer mehr teure Fahrzeuge werden geklaut

Autodiebe in Deutschland sind zunehmend an hochpreisigen Fahrzeugen interessiert. Der wirtschaftliche Schaden für die Kfz-Versicherer durch diese Straftaten ist aus diesem Grund größer geworden, obwohl sich die Zahl der Autodiebstähle selbst leicht verringert hat. Das geht aus dem neuen Autodiebstahl-Report des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) für 2017 hervor.

Audi's Luxus-SUV Q7 steht bei Dieben hoch im Kurs. Foto: Audi

Audi's Luxus-SUV Q7 steht bei Dieben hoch im Kurs. Foto: Audi

2017 wechselten insgesamt 17.493 Pkw unfreiwillig ihren Besitzer. Das waren erfreuliche 4 % weniger als 2016. Dennoch wurde weiterhin hierzulande rein rechnerisch nahezu alle 30 Minuten ein kaskoversicherter PKW entwendet. Gleichzeitig wuchs der wirtschaftliche Schaden im Vorjahresvergleich um 8 % auf fast 324 Millionen Euro, wie der GDV mitteilt. Ursache dieser Entwicklung ist nach Auskunft des Versicherungsverbandes ein Anstieg der durchschnittlichen Entschädigung für einen Autodiebstahl um 13 % auf die neue Rekordhöhe von rund 18.500 Euro. Dafür machen die Kfz-Versicherer den erkennbaren Trend der Autoknacker zu kostspieligeren Fahrzeugen verantwortlich. So stehen laut GDV insbesondere luxuriöse SUV und Limousinen von Premium-Herstellern bei den Kriminellen hoch im Kurs. Angeführt wird diese „Hitliste“ von den Q7- und X5-SUV von Audi bzw. BMW sowie den Limousinen der Premium-Klasse von Mercedes-Benz und BMW. Weniger Sorgen um ihre Autos müssen sich dagegen Kleinwagenbesitzer der Marken Opel, Fiat oder Citroën machen. Von den Dieben präferierte Automarken sind vielmehr wie in den Vorjahren Land Rover und Porsche.

Besonders hoch ist die Diebstahlgefahr laut dem aktuellen GDV-Report in Berlin. Dort wurden 2017 insgesamt 3.355 Pkw geklaut. Damit ist die Hauptstadt auch hinsichtlich der Diebstahlquote mit 3,6 von 1.000 kaskoversicherten Pkw „einsame Spitze“. Erst mit deutlichem Abstand folgen in diesem Ranking die Städte Hamburg (1,9), Leipzig (1,3), Hannover (1,2) und Dresden (1,0). Weniger Sorge um ihre Fahrzeuge müssen sich nach den Erhebungen der GDV-Experten zudem die Autobesitzer im Süden Deutschlands machen: In Bayern und Baden-Württemberg fielen im gesamten vergangenen Jahr lediglich 821 bzw. 698 Autos Dieben in die langen Finger. Damit kommen diese Bundesländer auf eine Diebstahlquote von jeweils nur 0,1. Auch in den süddeutschen Großstädten seien Autobesitzer in Bezug auf Diebstähle deutlich sicherer als in anderen Städten hierzulande, berichtet der Versicherungsverband.

Nach seinen Erkenntnissen kommt – wie in den Autos selbst – auch bei den Autodieben inzwischen immer mehr Elektronik zum Einsatz. Demnach sind die Zeiten, da ein „Automarder“ mit mechanischem Werkzeug ein Fahrzeug knackte, längst vorbei. Das gebe es nur noch im Film, heißt es. Stattdessen hat sich Hightech auch bei den Kriminellen unterdessen so durchgesetzt, dass Spötter bereits fragen, wann es so weit sein wird, dass autonome Diebe autonome Autos klauen – ganz ohne menschliches Dazutun? Bis dahin bedienen sich Autodiebe erst noch des „Komplizen Computer“: Etwa indem sie sich Zugang zu dem Diagnosestecker im Auto verschaffen, um darüber mit einem Laptop die Fahrzeugdaten auszulesen. Damit können sie dann eine Kopie des elektronischen Autoschlüssels anfertigen und mit dem Fahrzeug ohne weitere Beschädigung davonfahren.

Kopien lassen sich ebenfalls ganz einfach von dem Schlüssel selbst anfertigen. Deshalb raten Experten, diesen nie in fremde Hände zu geben oder etwa im Restaurant in der Manteltasche zu lassen. Und da manche Schlüssel ganz besonders einfach ausgelesen werden können, sollten Funkschlüssel auch daheim nicht in der Nähe der Haustür aufbewahrt werden, ohne sie mit Alufolie oder in einem Blechkasten zu schützen.

Noch leichter als Fahrzeuge mit einem normalen Funkschlüssel sind laut einer Untersuchung des ADAC Autos und Motorräder mit dem Komfort-Schließsystem „Keyless“ zu stehlen. Bei dieser Technik muss der Schlüssel gar nicht händisch benutzt werden – sobald der Fahrer vom Wagen erkannt wird, öffnet dieser die Türen und der Motor lässt sich per Knopfdruck starten. Diese „Keyless“-Systeme sind nach den Erfahrungen des ADAC mit einer sogenannten Funk-Verlängerung ganz einfach zu überwinden. Die Diebe müssen sich demnach nur mit einem kleinen Gerät in die Nähe des Auto- oder Motorradschlüssels begeben sowie mit einem zweiten Gerät nahe an die Autotür bzw. das Motorrad. So können die Funksignale zwischen Schlüssel und Auto über Hunderte von Metern „verlängert“ werden – der Dieb kann das Auto ebenso öffnen wie das Lenkerschloss eines Zweirades und mit dem jeweiligen Fahrzeug problemlos verschwinden. Nach Aussage von ADAC-Experten lassen sich solche Geräte zur Funkverlängerung mir nur geringem Aufwand selbst bauen und die Bauteile dafür sind in jedem Elektronikgeschäft erhältlich.

Als ebenso einfaches wie Erfolg versprechendes Mittel gegen alle Tricks der Hightech-Diebe empfehlen Experten nach wie vor die sogenannte Lenkradkralle. Sie ist zwar unbequem für den Fahrer, aber auch für den Autoknacker – und schreckt diesen so ab. Quelle: Goslar Institut / DMM