Joe Biden und seine zwei Leidenschaften Eisenbahn und Automobil

Vor einigen Jahren saß ich im Zug von New York nach Washington D.C.. Und wer nimmt beim Halt in Wilmington, der nächsten größeren Station hinter Philadelphia, neben mir Platz? Kein Geringerer als Joseph R. Biden Jr., heute designierter Präsident der Vereinigten Staaten, damals Vizepräsident in der Obama-Regierung. Die US-Bahngesellschaft Amtrak war sein wichtigstes Transportmittel, erzählte er mir damals.

Hier am Bahnhof Wilmington bestieg der bekennende Eisenbahnfan Jo Biden oft den Zug nach Washington D.C:. Foto Ken Kuehne

Hier am Bahnhof Wilmington bestieg der bekennende Eisenbahnfan Jo Biden oft den Zug nach Washington D.C:. Foto Ken Kuehne

Beinahe täglich fuhr er früh zur Arbeit in die US-Hauptstadt und abends zurück. Ich war nicht der einzige Bahnreisende, mit denen sich Biden anfreundete. Als zweitmächtigster Mann der USA setzte sich „Amtrak-Jo“, so sein Kosename, schon damals für Verbesserungen des Eisenbahnwesens in seinem Land ein. Sein Chef, Barack Obama, nannte Biden „Amerikas größten Eisenbahn-Fan". Kein Wunder, dass sich Amtrak-Chef Bill Flynn auf die Zusammenarbeit mit seinem Bahnfreund freut.

Übrigens hat Joe Biden noch eine zweite Leidenschaft: das Automobil. Die wurde ihm gewissermaßen in die Wiege gelegt: Sein Vater Joseph Robinette „Joe“ Biden, Sr. führte jahrelang die Geschäfte des größten Chevrolet-Händlers im US-Bundesstaat Delaware. So kam Biden übrigens zu seiner Corvette: Sein Vater bat ihn damals, rechtzeitig zur Hochzeit im August 1967 den 1965er Pontiac Tempest seiner zukünftigen Frau und seinen eigenen 1963er Chevy vorbeizubringen, um die Autos für das Fest aufzuhübschen. Als die beiden vier Tage später ihre Autos wieder abholen wollten, war die Überraschung groß: Sie konnten stattdessen ihr Hochzeitsgeschenk in Empfang nehmen - eine 1967er Corvette Stingray als Cabriolet, ausgerüstet mit einem 300 PS starken 5,4-Liter-V8 und Vier-Gang-Schaltgetriebe. Biden besitzt den Roadster noch heute. Bei Jay Leno äußerte er sein Faible für Geschwindigkeit. Als Leno ihn fragte, ob er die 160 Meilen (257 km/h) geschafft hätte, muss Biden grinsen: „Es hieß damals, sie liefen nur 245.“ Heute steht das Auto eher noch besser im Futter als früher, nachdem seine Söhne ihm vor Jahren eine komplette Motorüberholung spendiert haben.

In einem Interview verriet Biden weitere Details seiner automobilen Karriere. Er habe einen 1951er Studebaker besessen, der wegen des Overdrive-Getriebes sehr viel schneller lief als es sich sein Vater ausmalte; außerdem ein knallrotes 1952er Plymouth-Cabriolet - „wahrscheinlich mein Lieblingsauto“ – und ein gebrauchter Mercedes-Benz 190 SL, „dessen Solex-Vergaser nie funktionierten“. Nachdem sein Bruder ihn während seiner Vizepräsidentschaft auf Privatgelände seinen handgeschalteten Cadillac CTS-V fahren ließ, war die Sache für Biden klar: Ein Cadillac musste her, sobald er wieder fahren durfte. Das war die Zeit, als Donald Trump Präsident wurde. Der damalige Cadillac-Chef Johan De Nysschen, heute COO von Volkswagen North America, erinnert sich: „Biden kaufte sich einen ATS-V, nachdem seine Amtszeit als Vizepräsident vorüber war. Ich erinnere mich, wie sehr er sich darauf freute, wieder selbst ans Steuer zu dürfen. Im Gespräch war Biden sehr angenehm und bescheiden.“ Und er bewies Kennerschaft: Der 470 PS starke Cadillac ATS-V galt während seiner Bauzeit als Geheimtipp im Segment der kompakten Hochleistungs-Sportlimousinen.

Zu seinen Terminen wird der 46. Präsident der Vereinigten Staaten mit Sicherheit nicht mit dem Auto unterwegs sein; denn selbst ans Steuer darf Biden er als Präsident nicht. Irgendwie gilt das aber auch für seine andere Leidenschaft, das Bahn fahren. Denn ab 20. Januar 2021 er muss nicht mehr mit dem Zug zwischen Delaware und Washington D.C. pendeln. Sein neues Zuhause zusammen mit seiner liebenswürdigen Gattin Dr. Jill Biden wird das Weiße Haus sein. Und das hat keinen Gleisanschluss. Dafür einen Helikopterlandeplatz. Quelle: DMM / ampnet