Katastrophen-IAA: Über 30 % Besucherrückgang

In diesem Jahr bleibt die Frankfurter Automesse IAA weit hinter dem Glanz früherer Tage zurück. Der Besucherrückgang betrug mehr als 30 % im Vergleich zur IAA 2017. Dennoch spricht der Verband der Automobilindustrie VDA von einem "eindrucksvollen Beleg dafür, dass das Interesse der Menschen am Automobil und an nachhaltiger individueller Mobilität weiterhin sehr hoch ist." Indes haben sich die Zeiten geändert: Internet und andere aktuelle Kommunikationsmöglichkeiten sowie veränderte Marktstrategien der Hersteller machen Messen wie die IAA schlichtweg überflüssig. Wer dort war, wird dies bestätigen.

Die IAA Pkw 2019 erlebte eine Zäsur: 22 Auto-Marken weniger, 30 % weniger Besucher als 2017. Und ob der Standort Frankfurt bleibt, ist die Frage. Foto VDA

Die IAA Pkw 2019 erlebte eine Zäsur: 22 Auto-Marken weniger, 30 % weniger Besucher als 2017. Und ob der Standort Frankfurt bleibt, ist die Frage. Foto VDA

Die Hälfte aller Hallen des Frankfurter Messegeländes war leer und abgesperrt. Und schon nach Messetag 1 wurde eine Zuliefererhallewieder dicht gemacht. Es war alles andere als eine führende internationale Show, allenfalls eine deutsche Messe mit Daimler, VW-Konzern und BMW, die weitgehend unter sich blieben. Journalisten, die sich dennoch nach Frankfurt ausgemacht hatten, berichteten von trauriger Stimmung. Ähnlich äußerten sich diverse Großkundenabteilungen der Hersteller.

Der IAA droht dasselbe Schicksal wie der NAIAS in Detroit oder der CeBIT. Übrigens: Auch die Automessen in Paris, New York und Los Angeles, in Tokyo und Shanghai, leiden unter Schwindsucht. Sie haben sich ebenso überholt wie das bei der IAA der Fall ist, sagen Experten. Wurden Verbrenner-Autos mehr oder weniger nur am Rande der jeweiligen Messestände gezeigt, so sahen sich die Besucher auch im Fall von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben getäuscht. Sie durften sich zwar viele mehr oder weniger seriennahe Elektroautos anschauen, bei Brennstoffzellenautos oder solchen, die mit synthetischem Kraftstoff betrieben werden, Fehlanzeige.

Viele Medienvertreter waren zudem der Ansicht, dass das diesjährige Motto "Driving Tomorrow"das Thema verfehlt hat. Sie und das Publikum jedenfalls wussten damit wenig anzufangen. Der VDA freilich, und das muss man verstehen, ob man will oder nicht, sah seine IAA ganz anders. Aber was soll ein Verband auch kommunizieren im Angesicht einer Präsentationsplattform, auf die kaum einer der Autobauer so richtig Lust hatte.

Am Wochenende (20 bis 22. September 2019) kamen rund 150.000 Besucher auf die Automesse nach Frankfurt. Bei bestem Wetter waren nicht nur die (mehr oder weniger halb leeren Ausstellungshallen) gut besucht, auch im Freigelände herrschte reger Betrieb. Besonders begehrt waren Offroad Parcours, Test Drive und E-Move-Track, so der Verband. Über 30.000 Besucher nutzten während der IAA diese Erlebnisformate. 

Bernhard Mattes, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), betonte: „Zur IAA 2019 kamen insgesamt über 560.000 Besucher. Freilich erwähnte er nicht, dass dies einen Besucherrückgang von mehr als 30 % zur IAA 2017 bedeutet. Zum Vergleich: 1991 waren es bei der ersten reinen IAA Pkw 935.000 Besucher, 2006 bei der 61. IAA 940.000, im Krisenjahr 2009 waren es immerhin auch noch 850.000 Besucher. Ein Beweis, dass der Stern der IAA stark im Sinken begriffen ist. 

Keine andere Mobilitätsmesse hat eine höhere digitale Reichweite, so der VDA weiter und in der Presseaussendung heißt es, „Diese IAA hat ihre Attraktivität unter Beweis gestellt. Dieses Ergebnis stimmt uns optimistisch. Die IAA transformiert sich von einer reinen Automobilmesse hin zu einer umfassenden Mobilitätsplattform.“ Letzteres ist natürlich Unsinn. Denn zur umfassenden Mobilität gehören vor allem auch Luftfahrt und Bahn. Auch die Internationalität der Medien bezeichnet der VDA als  eindrucksvoll: Rund 7.800 Journalisten aus 95 Ländern haben sich zur IAA akkreditiert, der Auslandsanteil unter den Medienvertretern beträgt 46 %. In ihren besseren Jahren kamen weit über 10.000 Medienvertreter. 

Der scheidende VDA-Präsident Bernhard Mattes unterstrich: „Nach der IAA ist vor der IAA. Die Transformation der gesamten Branche verändert auch die IAA. Wir gehen noch intensiver in Richtung interaktive Formate, die den Dialog fördern und echte Erlebnisse stärken. Und wir werden noch stärker digital präsent sein.“ Das neue IAA-Konzept wird derzeit – in enger Abstimmung mit den VDA-Mitgliedsunternehmen – erstellt. Mattes: „Beschränken wir uns heute primär auf das Messegelände, wollen wir morgen neue Mobilität noch stärker zum Bürger in die Stadt selbst tragen. Damit verknüpft ist die Standortfrage. Frankfurt ist als Standort weiterhin im Spiel, doch es gibt auch andere attraktive Optionen. Wir äußern uns dazu, wenn die Beschlüsse gefasst sind. Ich bin davon überzeugt: Die IAA 2021 wird noch spannender, erlebnisreicher und dialogorientierter als die bereits sehr erfolgreiche IAA 2019.“ Quelle: VDA / DMM