KLM verlagert Kurzstreckenflüge auf die Schiene

Den Worten vom September 2019 folgen Taten: Die niederländische Fluggesellschaft KLM plant einen umfangreichen Ersatz von Flugzeugen auf Kurzstrecken durch schnelle Züge. Den Anfang machen soll die Verbindung Amsterdam (Schiphol) – Brüssel. Zunächst soll ab 29. März 2020 einer der fünf täglichen Flüge zwischen beiden Metropolen durch den Hochgeschwindigkeitszug Thalys ersetzt werden. Bei Erfolg sollen Verlagerungen von Flügen auf die Schiene folgen.

KLM startet mit Thalys die Umstellung von Kurzstreckenflügen auf den Zug. Foto: Sh

KLM startet mit Thalys die Umstellung von Kurzstreckenflügen auf den Zug. Foto: Sh

Wie das KLM Management mitteilt, soll das Reiseerlebnis im Zug dem an Bord von KLM-Jets möglichst nahe kommen. DMM berichtete bereits über einen KLM-Werbespot aus dem September 2019, in dem KLM-CEO Pieter Elbers die Kunden gefragt hatte, ob sie wirklich ins Flugzeug steigen müssten, oder ob es nicht auch möglich sei, mit dem Zug zu fahren. Er wies damit auf den Einfluss der Luftfahrt auf den Klimawandel hin und ermutigte Reisende, für kurze Strecken auf die Schiene zu wechseln. Übrigens hatte auch Lufthansa-Chef Karsten Spohr gesagt, es sei sinnvoller, auf Kurzstrecken den Zug zu nehmen, zumal Kurzstrecken mit dem Flugzeug kaum profitabel zu betreiben sind. Nun macht Elbers Nägel mit Köpfen.

Amsterdam und Brüssel sind Luftlinie 156 km lang. Mit den Thalys-Zügen werden beide Städte, Zentrum zu Zentrum gerechnet, in knapp 1 Stunde verbunden. Das ist doppelt so schnell wie mit dem Flugzeug. Und um Längen komfortabler. Für den schon überlasteten Airport Amsterdam-Schiphol wäre es von Vorteil, wenn Zubringerverkehre auf die Schiene verlagert werden. Damit können dann frei werdende wertvolle Zeitfenster für Starts und Landungen für lukrativere interkontinentale Flüge verwendet werden. Die Airline plant darum, die Flüge zwischen Brüssel und Amsterdam nach und nach weiter zu reduzieren.

Dennoch müssen KLM und die beteiligten Bahngesellschaften (zunächst nur Thalys, später wohl auch Eurostar) im Rahmen der Kooperation noch etliche Probleme aus dem Weg schaffen. So ist z.B. zu klären, was getan werden muss, wenn es beim Zug zu Verspätungen kommt. Auch die Einrichtung spezieller Gepäckabfertigungsschalter sei nicht einfach. Daran werde zurzeit gearbeitet. Denn anders als an den Flughäfen gibt es an den Bahnhöfen i.d.R. keine Sicherheitsbereiche für Passagiere und Gepäck.

Ein weiteres Thema ist das Erscheinungsbild der Züge. Sofern es sich um Thalys-Triebzüge handelt, die im rot-silbernen Design unterwegs sind, wäre KLM am liebsten das eigene Blau. Sollte das Projekt ein großer Erfolg werden, könnte es ein solches Design geben. KLM überlegt auch, ob die Strecken nach Düsseldorf und Köln und eventuell sogar nach Hamburg auf die Schiene umgestellt werden sollen. Zudem habe man Pläne für London. Zwischen Amsterdam und London pendeln die supermodernen Eurostar-Velars. KLM will ein Produkt entwickeln, um nach London zu fliegen und zurück den Zug zu nehmen. Quelle: KLM / DMM