Infolge des Iran-Kriegs könnte Flugbenzin spätestens im Sommer knapp werden. Die Bundesregierung sieht derzeit zwar kein akutes Versorgungsproblem, berät die Lage aber in Branchengipfeln und im Nationalen Sicherheitsrat. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hält einen Kerosinmangel für vermeidbar, sofern kurzfristig gegengesteuert werde.
Ticketpreise steigen, Angebote schrumpfen
Aus Sicht der Flugreisenden wirkt sich die angespannte Lage bereits aus. Auf Strecken nach Asien fehle seit Wochen ein Teil des Angebots, weil Golf-Airlines ihre Verbindungen eingeschränkt hätten. Für die verbleibenden Flüge seien die Preise deutlich gestiegen. Mehrere Fluggesellschaften, darunter Lufthansa und Air France, reagierten zudem mit erhöhten Kerosinzuschlägen. Auf Langstrecken könne dies Mehrkosten von mehreren hundert Euro verursachen.
Die Zuschläge seien für Kunden kaum transparent, da sie gemeinsam mit anderen Kosten unter einer sogenannten International Surcharge zusammengefasst würden. Gleichzeitig begännen Airlines, ihr Angebot gezielt zu steuern und schwach gebuchte Flüge aus den Flugplänen zu streichen.
Flugausfälle und eingeschränkte Passagierrechte möglich
Fluggesellschaften können bereits gebuchte Flüge aus wirtschaftlichen Gründen streichen. Erfolgt eine Absage bis spätestens 14 Tage vor Abflug, besteht kein Anspruch auf Entschädigung nach EU-Recht. Betroffene haben Anspruch auf eine Erstattung des Ticketpreises oder auf eine Umbuchung auf einen späteren Flug.
Airline-Verbände drängen zudem darauf, Flugausfälle oder Verspätungen infolge von Kerosinmangel als außergewöhnliche Umstände einzustufen. In diesem Fall entfielen Ausgleichszahlungen nach der EU-Passagierrechtsverordnung. Die Vorständin des Verbraucherzentrale-Bundesverbands, Ramona Pop, warnte davor, diese Regelung auszuweiten. Wichtig sei, dass sie nur im absoluten Krisenfall und bei nachweisbarem Mangel greife. „Sie darf nicht zum Schlupfloch für Airlines werden, wenn zum Beispiel Kerosin sehr teuer ist oder Airlines zuvor auf günstigere Preise spekuliert haben“, sagte Pop. (dpa)
