Lexus ES 300h - Alternative im Mittelklasse-Premium-Segment

Lexus genießt den Ruf, elegantes Design und hochmoderne Materialien nahtlos mit traditionellem Handwerk und japanischer Ästhetik zu verbinden. Das wissen die großen Autonationen dieser Welt, wenngleich sich ausgerechnet in Deutschland der ganz große Erfolg bis heute nicht so recht einstellen will. Dabei steht die Edelmarke den deutschen Premiumherstellern in nichts, aber auch gar nichts nach. Im Gegenteil: In Sachen Antrieb, wir reden von Hybriden, sind die Fahrzeuge von Toyotas Nobeltochter den deutschen Platzhirschen um Jahre voraus. Nun hatten wir die Gelegenheit, die siebte Modellgeneration des ES, eine Limousine der oberen Mittelklasse, testen zu dürfen.

Der Lexus ES 300h ist schon ein Schönling, exzellent, komfortabel und dank Hybridantrieb auch ein Kauftipp. Foto: Klaus Brieter

Der Lexus ES 300h ist schon ein Schönling, exzellent, komfortabel und dank Hybridantrieb auch ein Kauftipp. Foto: Klaus Brieter

Seit sechs Modellgenerationen schreibt der Lexus ES eine Erfolgsgeschichte in der automobilen oberen Mittelklasse; in Europa wurde das Modell aber nie angeboten. Das ändert sich jetzt mit der siebten Auflage: Startschuss in Deutschland ist am 19. Januar. Unser erster Eindruck des neuen Lexus ES 300h: markantes, gefälliges und nicht polarisierendes Design, luxuriöse Ausstattung, hochwertige Verarbeitung ausgesuchter Materialien, exzellenter Komfort auch in Sachen Akustik, hochmodernen Technologien. Was das Fahrerlebnis betrifft, ist der Wagen im urbanen Verkehr kaum schlagbar, im Überland- und Autobahnverkehr aber kann der Hybrid seine Vorteile nicht so ausspielen; den da hat der Verbrenner das Sagen. Und der, ein zwar hochmodernen  Vierzylinder-Benziner, macht auf uns den Eindruck, immer etwas zu angestrengt zu agieren, wenn Power beim Vortrieb verlangt wird. 

Mit weltweit 2,3 Mio. Einheiten ist der ES aktuell die beliebteste Limousine der japanischen Marke und wartet in puncto Qualität und Sicherheit mit allen Vorzügen auf, die charakteristisch sind für das Fabrikat. 2017 hat Lexus in Europa fast 75.000 Fahrzeuge ausgeliefert und damit das fünfte Rekordjahr in Folge erzielt. In Deutschland bildet die ES Baureihe mit dem ES 300h ab Januar 2019 eine weitere zentrale Säule im Modellprogramm. Zugleich spricht sie mit ihrem markanten Design und der Fahrdynamik eine größere Zielgruppe an und ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg des Autoherstellers, in Europa bis 2020 die Hürde von 100.000 Neuzulassungen zu überspringen. In Deutschland bäckt Lexus nach wie vor kleinere Brötchen, was eigentlich nicht nachvollziehbar ist. So sollen in 2019 insgesamt 4.000 Einheiten vermarktet werden. Vom ES versprechen sich die Japaner dabei recht viel; den er stößt in den Markt des Mittelklasse-Premiumsegments, das etwa 150.000 Einheiten umfasst. Die Kölner gehen davon aus, dass der ES zu 80 % im gewerblichen Segment zuhause sein wird. In Fuhrparks indes wird man die Limousine wohl erst dann finden, wenn sich auch bei Flottenmanagern die Erkenntnis durchsetzt, dass der Diesel wohl doch keine Zukunft haben kann. Aber das lässt sich heute noch nicht sagen.

Die Kunden können wählen zwischen der Grundversion, der Executive Ausstattung, die sich wiederum aufgliedert in Luxusline und F SPORT. Die Grundversion dürfte nur zu 2 % geordert werden, Luxury Line zu 23 %. Executive Line zu 30 %, die Businessline zu 15 %, F SPORT zu 15 % und als Taxi wird es den ES auch geben (15 %). 

Provokante Eleganz. Auf Basis der GA-K-Plattform wuchs der neue Lexus ES gegenüber dem Vorgänger um 65 mm in der Länge und 45 mm in der Breite. Gleichzeitig sank die Außenhöhe um 5 mm. Der um 50 mm verlängerte Radstand sorgt für enorm viel Platz im Innenraum und großzügige Beinfreiheit. Die Frontpartie unterscheidet sich je nach Modellvariante deutlich. Mit vertikalen Streben, die aus dem Zentrum des charakteristischen Diabolo-Grills entspringen, präsentieren sich die Grundversionen besonders elegant. Den neu ins Angebot aufgenommenen F SPORT Varianten verleihen L-förmige Designelemente, die den schwarz gehaltenen Kühlergrill und die Lufteinlässe im unteren Stoßfänger zieren, einen betont dynamischen Auftritt. Das Heck ist klar und präzise, aber nicht gerade aufregend gestaltet. Die LED-Leuchten reichen um die Fahrzeugecken herum und lassen hierdurch aus jedem Blickwinkel eine durchgehende Designlinie erkennen. Für die Standardmodelle stehen drei verschiedene Leichtmetallräder mit Durchmessern von 17 bis 18-Zoll bereit.

Interieur. Das Cockpit des „Lexus Future Interior“ ist auf den Fahrer ausgerichtet und spiegelt die Informationen des zentralen Bildschirms und des Multiinformationsdisplays in einem optionalen Head-up-Display (Spiegelung auf der Windschutzscheibe) wider. Welche Daten angezeigt werden, lässt sich individuell konfigurieren: Neben Tempo, Tankfüllung und Ganganzeige stehen zusätzlich auch Warnungen des Spurhalte-Assistenten und Geschwindigkeitsbegrenzungen sowie Navigationshinweise zur Wahl.

Alle Bedienelemente befinden sich in guter Reichweite und alle Informationen sind deutlich im Blickfeld des Fahrers zu erkennen. Allerdings wirkt die Vielzahl an Bedienknöpfen etwas verwirrend.  Für einen verbesserten Sitzkomfort hat Lexus neben der Pedalposition auch den Winkel des Lenkrads optimiert, dessen Design dem LS entliehen ist und das einen ergonomisch geformten Lenkradkranz aufweist. Der Sitz bietet serienmäßig zwölffache Einstellmöglichkeiten. Das Navigationssystem verfügt über ein 12,3-Zoll großes Multifunktionsdisplay und die zweite Generation des Remote Touch Bedienelements.
Für die Fondpassagiere bleibt dank einer tieferen Sitzposition und des besonders ausgeformten Dachhimmels volle Kopffreiheit erhalten. Im Konkurrenzumfeld besitzt der ES den größten Sitzreihenabstand mit  1.022 mm. Die Sitze sind nach unserem Befinden langstreckentauglich, recht komfortabel und bieten auch bei schärfer gefahrenen Kurven guten Halt.

In Sachen Akustik haben die Lexus-Ingenieure ganze Arbeit geleistet: Geräusche und Vibrationen dringen so gut wie nicht in den Innenraum, so dass eine flüsterleise Kabine entstanden ist. Tritt man allerdings das Gaspedal durch, macht der 2,5 l-Benziner durchaus hör- und bemerkbar auf sich aufmerksam.  
Hybrid Generation 4. Der Lexus ES 300h tritt mit einem neuen Hybridantrieb der vierten Generation an. Die elektrifizierte Premium-Mittelklasselimousine überzeugt mit niedrigem Kraftstoffverbrauch, geringen Abgasemissionen und einem Ansprechverhalten, das in diesem Segment vorbildlich ist. Bei einer Gesamtsystemleistung von 160 kW / 218 PS kommt der ES 300h mit einem korrelierten NEFZ-Verbrauch ab 4,4 Liter / 100 km aus. Das mag hinhau’n, wenn man viel Innenstadtverkehr hat, über längere Autobahnstrecken aber muss man schon mit 8 Litern Super rechnen.

Die Grundlagen des Hybridsystems bilden ein nochmals kompakterer und kraftvollerer Elektromotor sowie ein komplett neuer, ultra-effizienter 2,5-Liter-Vierzylinder. Er arbeitet im Atkinson-Zyklus und verfügt über eine Hochgeschwindigkeits-Verbrennungstechnologie. Mit einem thermischen Wirkungsgrad von bis zu 41 %, die er bei einer spezifischen Spitzenleistung erreicht, zählt der Vierzylinder zu den effizientesten Verbrennungsmotoren für Serienfahrzeuge. Speziell für die Kombination mit diesem 2,5-Liter-Vierzylinder entstand auch ein neues Getriebe. Es setzt auf eine Mehrachsanordnung der Elektromotoren anstelle des sonst üblichen koaxialen Aufbaus. Dies reduziert die Baulänge um nahezu 30 mm. Anstelle des bisherigen Planetengetriebes kommen Parallelwellen sowie ein kompaktes Multifunktions-Getriebe zum Einsatz, in dem Planetengetriebe, Parksperre und Vorgelegerad untergebracht sind.

Die Nickel-Metallhydrid-Batterie zum Antrieb des Elektromotors befindet sich unter den Rücksitzen. Möglich machte dies eine um 120 mm reduzierte Bauhöhe der Batterie und ein kompakteres Kühlsystem. Somit konnte das Kofferraumvolumen erweitert und die Achslastverteilung des Fahrzeugs optimiert werden, was wiederum dem Handling zugutekommt.

Zahlreiche neue Funktionen verbessern das Fahrvergnügen des ES. So passt das neue Hybrid-Steuersystem die Motordrehzahl linearer an die Beschleunigung an. Im Sport-Modus stärkt eine Drehmomentanhebung die Beschleunigungskraft des Lexus ES bei niedrigen Geschwindigkeiten. Über Schaltwippen am Lenkrad lässt sich die Schaltcharakteristik eines Sechsgang-Getriebes simulieren.

Auch beim Fahrwerk – Layout mit MacPherson-Federbeinen vorn und einer Mehrlenker-Hinterachse sowie Stabilisatoren an beiden Achsen – gibt es kaum etwas auszusetzen. Es bietet guten Komfort und präzises Handling.  Durch die neue, direkt an der Zahnstange installierte elektromechanische Servolenkung EPS genießt der Fahrer des Lexus ES ein noch präziseres Lenkgefühl und liefert einem ein direkteres Feedback.

Viele Sicherheitsfeatures. Die unabhängige Euro-NCAP-Testorganisation hat die erstklassigen Sicherheitseigenschaften des brandneuen Lexus ES offiziell bestätigt. Das Modell sicherte sich die maximale 5-Sterne-Bewertung mit einer der höchsten Durchschnittspunktzahlen gemäß den strengeren Bewertungskriterien, die 2018 eingeführt worden sind. Die neueste Version des Lexus Safety System+ kann im ES auf eine größere Palette möglicher Fahrszenarien mit zusätzlichen Funktionen reagieren – darunter zum Beispiel die Fahrradfahrer-Erkennung bei Tageslicht und die Fußgänger-Erkennung bei Nacht als Bestandteile des Pre-Crash Safety Systems (PCS) – und hilft mit zusätzlichen Warnmeldungen und Sicherheitsvorkehrungen, einen Unfall zu verhindern. Bereits zuvor konnte PCS andere Fahrzeuge und Fußgänger erkennen, die sich vor dem Wagen befinden. Nun identifiziert das PCS sogar Radfahrer und beugt damit einem der häufigsten Unfallszenarien vor. Zugleich optimiert die höhere Sensitivität und Reichweite des Radarsystems die Erkennung von Fußgängern bei Nacht. Gemäß der Definition der Society of Automotive Engineers erfüllt die Kombination aus der adaptiven radargesteuerten Geschwindigkeitsregelung und dem Spurhalte-Assistenten bereits die Anforderungen an die automatisierte Fahrerunterstützung der Stufe 2. Sie erhöht die Sicherheit, während der Fahrer die Kontrolle über das Fahrzeug behält.

Zusätzliche Sicherheit bietet der zweistufige Fernlichtassistent. Dank 24 individuell gesteuerter LED leuchtet er einen präzise definierten Bereich vor dem Lexus ES aus und reduziert so die Blendgefahr für vorausfahrende oder entgegenkommende Fahrzeuge.
Ein Auto muss zwar kein fahrbarer Konzertsaal sein; den raumfüllende und oft zu laut einestellte Musik lenkt massiv ab. Insofern ist es zwar ganz nett, dass an Bord des ES das neue Mark Levinson PurePlay-Konzept seine Weltpremiere feiert. Je nach Ausstattungslinie ermöglichen 17 Lautsprecher auf allen Sitzplätzen einen besonders eindringlichen und kraftvollen, puren Sound-Genuss. Die Frage ist, ob man’s braucht. Lexus bietet den neuen ES auch mit einem Audiosystem von Pioneer an, das auf zehn Lautsprechern basiert.

ES Sport. Die siebte Generation des ES ist die erste in der Geschichte dieser Limousinen-Baureihe, die auch eine F SPORT Variante umfasst. Sie zeichnet sich durch exklusive, sportlich gestaltete Design- und Ausstattungselemente sowie Räderfarben aus. Neben der sportlichen Optik profitiert der Lexus ES F SPORT auch von einer speziellen Fahrwerksabstimmung und dem adaptiv variablen Fahrwerk AVS. Quelle: Lexus / DMM