LOT übernimmt die Condor

Seit der Pleite von Thomas Cook stand der Ferienflieger Condor zum Verkauf. Neben dem amerikanischen Finanzinvestor Apollo zählten die britische Investmentfirma Greybull sowie LOT Polish Airlines bzw. deren Dachgesellschaft PGL zu den ernsthaften Interessenten. Condor wurde bis dato im Schutzschirmverfahren weiterbetrieben. Nun bekamen die Polen den Zuschlag.

Die polnische Fluggesellschaft LOT übernimmt den Ferienflieger Condor. Foto: LOT

Die polnische Fluggesellschaft LOT übernimmt den Ferienflieger Condor. Foto: LOT

Apollo wollte Condor gemeinsam mit deutschen Reiseveranstaltern übernehmen. Greybull galt Insidern zufolge als am wenigsten aussichtsreich. LOT erreicht durch die Übernahme der Condor eine kritische Größe, um sich allein am Markt zu behaupten. Mit Hilfe der Condor kann das Star Alliance-Mitglied sein Langstreckennetz um Feriendestinationen erweitern. Freilich müssen die LOT-Manager es hinbekommen, die auf den deutschen Markt ausgerichtete Condor mit ihrer Hauptverkehrsdrehscheibe in Warschau in Einklang zu bringen.

Condor war im Sommer 2019 mit dem Untergang der britischen Muttergesellschaft Thomas Cook in Schieflage geraten, obwohl die Fluggesellschaft selbst profitabel arbeitete. Seit Dezember arbeitet sie in Eigenverwaltung im Rahmen eines Schutzschirmverfahrens, ein Sonderfall im deutschen Insolvenzrecht. Bei Condor atmet man auf. Im April kann aller Wahrscheinlichkeit nach der vom Bund und dem Land Hessen gewährte Überbrückungskredit über 380 Mio. Euro fristgerecht zurückgezahlt werden.  

PGL ist die Dachgesellschaft der Luftfahrt des polnischen Staates, zu der neben der Nationalairline Lot auch ein Wartungs- und ein Bodenabfertigungsunternehmen gehört. LOT will in den kommenden Monaten zehn weitere Langstreckenflugzeug für die Expansion bestellen. Für Condor werde man ebenfalls 20 Jets ordern, weil man mit der neuen Tochter ja wachsen wolle, so PGL-Chef Rafal Milczarski. Vieles deutet darauf hin, dass auch Condor Dreamliner bekommen soll. Lot betreibt sowohl Boeing 787-8 als auch 787-9. Einen Termin nannte er nicht. Er hob aber hervor, welche Synergien man nun habe – auch bei der Ausbildung der Piloten. Er freue sich zudem, mit Condor auch Airbus-Betreiber geworden zu sein, weil der deutsche Ferienflieger auf der Kurz- und Mittelstrecke Jets der A320-Familie betreibe. Einen Stellenabbau bei Condor schloss Milczarski aus.

Als erste begrüßte die Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO den Kauf der Condor durch die polnische Airline LOT. “Nach der extremen Unsicherheit für die Condorianer in den letzten Monaten, ist es eine sehr gute Nachricht, dass nun ein Käufer gefunden ist. Mit der LOT übernimmt eine selbst auf Wachstum ausgerichtete Airline mit dementsprechender Power die Verantwortung für fast 5.000 Condorianer”, so Sylvia De la Cruz, UFO-Vorsitzende und Aufsichtsratsmitglied der Condor.  “Nachdem nun die Entscheidung für einen Käufer gefallen ist, müssen wir umso mehr darauf achten, dass die Arbeitsbedingungen fair und wie vereinbart umgesetzt werden und unser oberstes Ziel, alle Kabinenmitarbeiter an Bord halten zu können, erreicht wird. Mit sozialverträglichen Lösungen haben wir unter widrigsten Umständen, Voraussetzungen geschaffen, dass keine Kündigung ausgesprochen werden muss. Da auch für das Condor-Management Gewissheit besteht, dass der Fortbestand gesichert ist, müssen wir daran weiter arbeiten”, so UFO-Verhandlungsführer Nicoley Baublies.  

“Wir hoffen sehr, dass die weiteren Entwicklungen endlich dazu führen, dass auch für die Condorianer wieder etwas Ruhe einkehrt und mit dem neuen Eigentümer die enorme Leistung der letzten Monate durch das Condor-Management und die Condor-Mitarbeiter honoriert wird. Dass eine Airline in diesem Umfeld in Eigenregie eine solche Pleite des ehemaligen Mutterkonzerns überlebt, ist einmalig und allen Beteiligten gebührt hier großer Dank”, so Baublies abschließend. Quelle: LOT / UFO / DMM