Lufthansa: 22.000 Jobverluste und 100 Jets weniger

Die Lufthansa präsentierte am Donnerstag Vormittag die schlechteste Halbjahresbilanz aller Zeiten. Um wieder zu gesunden stellte Vorstandschef Carsten Spohr ein umfassendes Restrukturierungsprogramm mit dem Titel „ReNew“ vor. Darin enthalten ist der Abbau von 22.000 Vollzeitstellen, die Verkleinerung der Management-Ebenen und sonstiger Führungskräfte sowie die Minimierung der Flotte von derzeit 760 Maschinen um dauerhaft mindestens 100 Flugzeuge.

Der Konzern geht aktuell davon aus, dass die Nachfrage nach Flugreisen frühestens im Jahr 2024 wieder das Niveau von vor der Krise erreicht. Die Lufthansa Group hat daher ein umfassendes Restrukturierungsprogramm mit dem Titel „ReNew“ beschlossen, das auch die bereits laufenden Restrukturierungsprogramme der Airlines und Servicegesellschaften umfasst.

Massenentlassungen. Das Programm sieht den Abbau von 22.000 Vollzeitstellen in der Lufthansa Group vor. Die Konzernflotte soll dauerhaft um mindestens 100 Flugzeuge verkleinert werden. Dennoch soll die im Jahr 2024 angebotene Kapazität der des Jahres 2019 entsprechen. Dazu soll die Produktivität bis 2023 um 15 Prozent erhöht werden, unter anderem durch die Reduktion der Flugbetriebe auf zukünftig maximal zehn. Die Vorstands- und Geschäftsführungsgremien der Konzerngesellschaften werden verkleinert und die die Zahl der Führungskräfte im Konzern soll um 20 Prozent reduziert werden. In der Administration der Deutschen Lufthansa AG werden 1.000 Stellen abgebaut. Die Zahl der Mitarbeiter der Lufthansa Group ist zum 30. Juni 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitpunkt um knapp 8.300 auf aktuell 129.400 Mitarbeiter gesunken.

Erlöse im freien Fall. Im gesamten ersten Halbjahr 2020 gingen die Umsatzerlöse der Lufthansa Group um 52 % auf 8,3 Mrd. Euro zurück (Vorjahr: 17,4 Mrd. ). Das Adjusted EBIT betrug minus 2,9 Mrd. Euro (Vorjahr:+ 418 Mio.), das EBIT minus 3,5 Mrd. Euro (Vorjahr:+ 417 Mio. Euro). Die Differenz zwischen beiden Kennzahlen ergibt sich im Wesentlichen aus außerplanmäßigen Abschreibungen auf Flugzeuge und Nutzungsrechte an Flugzeugen in Höhe von 300 Mio. Euro, Abschreibungen auf Firmenwerte von 157 Mio. Euro und Wertberichtigungen von Joint Venture Beteiligungswerten im Geschäftsbereich Technik in Höhe von insgesamt 62 Mio. Euro.

Darüber hinaus belastete die negative Marktwertentwicklung von Verträgen zur Treibstoffkostenabsicherung das Finanzergebnis in den ersten sechs Monaten des Jahres mit 782 Mio. Euro. Das Konzernergebnis belief sich damit im ersten Halbjahr auf minus 3,6 Mrd.  Euro (Vorjahr: minus 116 Mio. Euro), d.h., es ist 35mal schlechter geworden.

Verkehrsentwicklung Q2 2020. Im zweiten Quartal 2020 beförderten die Airlines der Lufthansa Group 1,7 Mio. Fluggäste, 96 % weniger als im Jahr zuvor. Das Angebot verringerte sich um 95 %. Der Sitzladefaktor lag bei 56 % und damit 27 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert. In den ersten sechs Monaten haben die Airlines der Lufthansa Group insgesamt 23,5 Mio. Fluggäste befördert, zwei Drittel weniger als im Vorjahreszeitraum (minus 66 %). Das Angebot verringerte sich um 61 %. Der Sitzladefaktor ist in diesem Zeitraum um 9 Prozentpunkte auf 72 % gesunken.

Liquiditätsentwicklung. Die Investitionen sanken vor allem aufgrund von Verschiebungen geplanter Flugzeugauslieferungen im ersten Halbjahr auf 897 Mio. Euro (Vorjahr: 1,904 Mrd. Euro), wobei im zweiten Quartal nur noch 127 Mio. Euro Investitionen zu verbuchen waren. Die Nettoverschuldung erhöhte sich gegenüber dem Jahresende 2019 um 10 % auf 7,3 Mrd. Euro. Die zentral verfügbare Liquidität betrug am 30. Juni 2,8 Mrd. Euro, ein Rückgang von 1,4 Mrd. Euro gegenüber dem Stand am Ende des ersten Quartals (31. März 2020: 4,2 Mrd.  Euro).

Mittelabflüsse seit dem Bilanzstichtag bezogen sich vor allem auf die Auszahlung von Rückerstattungsansprüchen für ausgefallene Flüge. Im Juli zahlte der Konzern knapp 1 Mrd. Euro aus. Insgesamt hat der Konzern im laufenden Jahr 2020 bislang rund 2 Mrd. Euro an Kunden erstattet.

Ausblick. Seit Anfang Juli hat der Konzern sein Flugprogramm weiter ausgebaut. Dies betrifft vor allem die touristische Kurzstrecke. Der Konzern hatte den Ausbau seiner Marktposition in diesem Segment bereits vor der Coronakrise zu einem Schwerpunkt seiner Strategie gemacht. Dabei kommt den Airlines Eurowings und  Edelweiss eine wichtige Bedeutung zu. Im Juli hat der Konzern das Angebot schrittweise auf rund 20 Prozent des Vorjahresniveaus gesteigert, mit Ladefaktoren im europäischen Kurzstreckenverkehr von über 70 %. Im dritten Quartal soll die angebotene Kapazität auf der Kurz- und Mittelstrecke durchschnittlich auf rund 40 %, auf der Langstrecke auf rund 20 % des Vorjahreswerts gesteigert werden. Im vierten Quartal soll die Kapazität auf durchschnittlich rund 55 % (Kurz- und Mittelstrecke) bzw. rund 50 % (Langstrecke) weiter erhöht werden. Damit sollen bis Jahresende rund 95 % der Kurz- und Mittelstreckenziele und rund 70 % der Langstreckenziele wieder angeflogen werden. Es wird aber erwartet, dass wichtige Langstreckenverbindungen aufgrund anhaltender Reiserestriktionen weiterhin nur sehr eingeschränkt angeflogen werden können. Quelle: Lufthansa / DMM