Wie viele internationale Reisende bereits festgestellt haben, ist Bargeld in Deutschland nach wie vor sehr beliebt, anders als in den USA, in Kanada, in Japan, Südkorea oder auch China. Wer als als Nicht-Deutscher versucht, mit Kreditkarte zu bezahlen, stößt schnell auf Hindernisse. Aufgrund dieses ambivalenten Verhältnisses zum Thema Kredit haben sich viele Bundesbürger nie die Mühe gemacht, eine Kreditkarte zu beantragen. Entweder man hat das nötige Geld oder eben nicht.
Nun erweist sich die Lufthansa als idealer Kandidat für die Einführung eines „Jetzt kaufen, später zahlen“-Services für Flugbuchungen – im Prinzip ein Kreditvertrag, mit dem man größere Anschaffungen wie Flüge in Raten abbezahlen kann, ähnlich wie bei einer Kreditkarte. „Jetzt kaufen, später zahlen“-Services (oder BNPL, wie die Branche sich selbst nennt) erfreuen sich seit Jahren wachsender Beliebtheit.
In den letzten Jahren haben mehrere Fluggesellschaften die Option „Buchen, Bezahlen, später zahlen“ (BNPL) eingeführt – Qantas war 2022 eine der ersten, was angesichts der großen Beliebtheit von BNPL in Australien kaum verwunderlich ist. Lufthansa kooperiert mit Klarna, einem der Pioniere von BNPL, um den Service ihren Kunden in Deutschland, Österreich, Belgien und der Schweiz anbieten zu können. Die Technologie wurde dieser Tage zunächst in begrenztem Umfang eingeführt, Lufthansa plant jedoch, die Option auf alle Fluggesellschaften ihrer Gruppe, darunter Austrian Airlines, Brussels Airlines und SWISS, auszuweiten.
Lufthansa bietet zwei Optionen an: Zum einen kann man ein Ticket jetzt buchen und später in einer Summe bezahlen. Zum anderen gibt es eine Finanzierungsvereinbarung, bei der Passagiere den Ticketpreis in kleineren Raten über einen längeren Zeitraum abzahlen.
Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass es sich hierbei lediglich um eine Zahlungsoption handelt. Lufthansa bietet Passagieren im Gegensatz zu Qantas mit ihrem BNPL-Programm keine Möglichkeit, Vielfliegerpunkte bei der Nutzung von Klarna zu sammeln. Clevere Reisende nutzen bei der Buchung von Flugtickets fluggesellschaftsspezifische oder punktebasierte Kreditkarten. Doch sieht die Erfahrung der Airlines anders aus: Sie wissen anhand ihren Buchungsdaten, dass die überwiegende Mehrheit der Passagiere sich trotz aller Bemühungen nicht für ihre Co-Branding-Kreditkarte anmelden wird.
Gleichzeitig fordern Passagiere aber bei der Reiseplanung flexiblere Optionen. BNPL könnte hier ein Weg sein, Passagiere dazu zu bewegen, sich für Lufthansa und gegen eine Konkurrenzfluggesellschaft zu entscheiden, die die vollständige Ticketzahlung sofort verlangt. Quelle: DMM



