Lufthansa ist seit der Nacht zum Donnerstag wohl gerettet

350.000 Passagiere flog die Lufthansa Group in Vor-Corona-Zeiten tagtäglich. Im April konnte man die Fluggäste beinahe an einer Hand abzählen. Im Juni will das vormals umsatzstärkste europäische Luftfahrtunternehmen einen Neustart wagen, freilich mit viel weniger Verbindungen. Bis 2023, so hofft das LH-Management, soll wieder Normalität herschen. Aber: Die LH-Group wird dann kleiner sein als heute. Bis in die Nacht zum Donnerstag, 21. Mai 2020, drehte sich noch alles um das Rettungspaket durch den Steuerzahler. Nun steht der Deal. Und bei dem kommt die Lufthansa sehr gut weg, anders als z.B. Air France, die auf ihre Inlandsflüge zugunsten der Bahn weitgehend verzichten muss.

Die Lufthansa ist seit der Nacht zum Donnerstag, 21. Mai 2020, gerettet. Ab Juni beginnt der Neustart mit Europa- und Langstreckenzielen. Foto: Lufthansa

Die Lufthansa ist seit der Nacht zum Donnerstag, 21. Mai 2020, gerettet. Ab Juni beginnt der Neustart mit Europa- und Langstreckenzielen. Foto: Lufthansa

Wie aus Berlin durchsickerte, wird Europas führender Netzwerkcarrier mit bis zu 9 Mrd.  Euro Steuergeld gerettet. Dabei kehrt der Staat 20 Jahre, nachdem er seine letzten Aktien an der Airline verkauft hatte, als Anteilseigner zurück und soll größter Einzelaktionär werden. In der Nacht zum Donnerstag bestätigte die Airline fortgeschrittene Gespräche mit dem Bund und gab Eckpunkte zum Rettungspaket bekannt.

Und so sieht das Rettungspaket aus: Die Bundesrepublik steigt mit 20 % über eine Kapitalerhöhung bei Lufthansa ein und sagt Kredite der KfW zu. Damit keine unliebsamen Investorengruppen wie Hedgefonds, die für Anleger höchst riskant sind (im Finanzwesen aktiv verwaltete Investmentfonds, deren Geschäftszweck in alternativen Investments besteht und die deshalb höhere Finanzrisiken eingehen als klassische Investmentfonds. Hedgefonds sind meist an Offshore-Finanzplätzen registriert und zeichnen sich durch eine minimale Finanzmarktaufsicht und -regulierung aus) und solche „Investorenspekulanten“, die auf weiter fallende Kurse setzen, keine Chance auf eine Übernahme haben, soll der Staatsanteil für den Fall des Falles durch eine Wandelanleihe auf 25 % aufgestockt werden. Im Gegenzug für das Steuergeld darf die Lufthansa keine Dividende zahlen. Auch bei der Bezahlung des Managements soll es Beschränkungen geben, und die Bundesregierung bekommt wie erwartet zwei Sitze im Aufsichtsrat. Letzteres wollte Carsten Spohr eigentlich verhindern, weil er eine Mitsprache der Politik bei Entscheidung des LH-Managements für wenig hilfreich sieht. 

Lufthansa noch gut bedient. Dass der Flaggcarrier Lufthansa noch gut bedient ist mit dem Rettungspaket, zeigt ein Blick zum Nachbarn Air France. Auch die französische Airline wird von Paris am Leben mit einer Milliardenspritze gehalten. Doch hat sich die Regierung Macron striktere Bedingungen vorbehalten. Air France muss weitgehend auf ihre Inlandsflüge verzichten. Inlandsverkehre sollen aus Klimaschutzgründen weitgehend von der Staatsbahn SNCF und deren schnelle TGV übernommen werden. Das bleibt der Lufthansa nach dem Willen der Bundesregierung erspart, obwohl es sinnvoll allein aus Umweltschutzgründen gewesen wäre. Aber diesbezüglich sind die Franzosen intelligenter. 

Die Hilfe für das systemrelevante Transportunternehmen kommt spät, aber nicht zu spät. Denn die LUH steht wegen immenser – nach eigenen Angaben verbrennt sie pro Stunde (!) etwa 1 Mio. Euro – kurz vor dem finanziellen Kollaps. Spohr schloss eine Insolvenz nicht mehr aus. De Corona-Pandemie mit all ihren Folgen des weitgehenden Stillstands des Passagierluftverkehrs hat den Vorzeigecarrier Deutschlands fast in die Pleite getrieben. Nach der Rettung ist laut Lufthansachef Carsten Spohr eines sicher: Statt der bisher 760 Maschinen werden 2021 höchsten 660 wieder in die Luft abheben, in den Folgejahren nochmal 100 weniger. Damit wird die LH Group mit ihren Töchtern AUA, SWISS; Eurowings und Brussels Airlines (Germanwings wird bekanntermaßen dicht gemacht) schrumpfen. 

Der Neustart ab Juni. Nach der Klarheit um die Zukunft der Lufthansa nehmen die Gruppenmitglieder Lufthansa, SWISS und Eurowings im Juni wieder zahlreiche Ziele in ihr Flugprogramm auf. Mit über 106 Deutschland- und Europadestinationen sowie über 20 interkontinentalen Zielen wird sich das Flugangebot bis Ende Juni für alle Geschäfts- und Privatreisenden stark erweitern. Die ersten Wiederaufnahmen sind in den Buchungssystemen umgesetzt und sind damit buchbar.

Bis zum Ende des Monats Juni planen die Airlines der Lufthansa Group rund 1.800 wöchentliche Verbindungen zu mehr als 130 Zielen weltweit anbieten zu können. In der ersten Juni-Hälfte in Deutschland und Europa sind ab Frankfurt folgende Destinationen im Angebot: Hannover, Mallorca, Sofia, Prag, Billund, Nizza, Manchester, Budapest, Dublin, Riga, Krakau, Bukarest und Kiew. Ab München sind es Münster/Osnabrück, Sylt, Rostock, Wien, Zürich, Mallorca und Brüssel.

In der ersten Juni-Hälfte stehen darüber hinaus auch 19 Langstreckenziele im Flugprogramm.  Insgesamt bieten die Airlines Lufthansa, SWISS und Eurowings damit bis Mitte Juni über 70 wöchentliche Frequenzen nach Übersee an. Für die zweite Juni-Hälfte sind weitere Wiederaufnahmen von Langstreckenflügen in Planung.
Die Langstrecken-Wiederanflüge von Lufthansa ab Frankfurt (vorbehaltlich eventueller Reisebeschränkung): Toronto, Mexiko-Stadt, Abuja, Port Harcourt, Tel Aviv, Riad, Bahrain, Johannesburg, Dubai und Mumbai. Die Destinationen New York (Newark), Chicago, Sao Paulo, Tokio und Bangkok werden weiterhin angeboten.
Die Langstrecken-Wiederanflüge von Lufthansa ab München im Detail (vorbehaltlich eventueller Reisebeschränkung): Chicago, Los Angeles, Tel Aviv. Quelle Bundesregierung / Lufthansa / DMM