Lufthansa: ITA-Einstieg wird zum teuren Vergnügen

Die Lufthansa ist aktuell wohl der letzte Rettungsanker für ITA Airways, den Nachfolger der Alitalia. Denn der italienische Nationalcarrier, noch bei der Luftfahrtallianz SkyTeam, produzierte im vorigen Jahr trotz 1,6 Mrd. Euro Umsatz 486 Mio. Euro Miese. Nicht von ungefähr will das LH-Management nochmal mit dem Finanzministerium in Rom über den endgültigen Preis reden. Denn den Schuldenberg soll Lufthansa nach den Vorstellungen der Italiener übernehmen.

LH-CEO Carsten Spohr hat in diesem Zusammenhang und weil er obendrein der letzte verbliebene Kaufinteressent ist, keine schlechte Verhandlungsposition. Er würde für einen 40 %-Anteil an ITA 200 Mio. Euro auf den Tisch des Hauses legen, weit weniger, als es sich der Finanzminister in Rom vorstellt. Aber Rom bleibt wohl nichts anderes übrig, als zähneknirschend klein beizugeben, noch dazu, da die EU-Kommission Druck macht.

Den immens hohen Verlust begründet ITA mit hohen Anlaufkosten, man befinde sich schließlich noch in einer "Startup-Phase". Der Finanzbericht legt allerdings offen, worüber in der italienischen Presse seit Monaten spekuliert wird: Preiskapriolen beim Kerosin nach dem russischen Überfall auf die Ukraine und Währungseffekte haben ITA schwer zugesetzt. Andere große Airlines sichern solche Risiken zumindest teilweise mit Sicherungskontrakten ab. So oder so wird ITA kein einfacher Sanierungsfall. Hinzu kommt, dass die Italiener von SkyTeam zur Star Alliance wechseln müssten. Lufthansa gibt sich trotz der Ausgangssituation dennoch optimistisch; denn Rom würde zum sechsten Konzernhub nach Frankfurt, München, Wien, Zürich und Brüssel aufsteigen.

ITA soll dort vor allem auf der Langstrecke punkten - und ihre Flotte deutlich ausbauen. Lufthansa spielt laut Insidern sogar mit der Idee, wieder auf die vertraute Marke Alitalia zurückzugreifen.

ITA erwartet für das laufende Jahr einen Anstieg der Erlöse, weil mehr Ziele angeflogen werden und sich die Flotte vergrößere. Insgesamt sollen von den Italienern im vorigen Jahr auf rund 97.000 Flügen etwas mehr als 10 zehn Mio. Passagiere befördert worden sein. Quelle: aero.de / Lufthansa / DMM