Lufthansa trauert um Jürgen Raps

Er ist wohl der bekannteste Lufthansa-Pilot der letzten Jahrzehnte: Jürgen Raps. Nun ist der gebürtige Oberfranke im Alter von 74 Jahren gestorben.

Jürgen Raps, langjähriger Chefpilot und Ausbilder etlicher LH-Pilotengenerationen, ist am Nikolaustag im Alter von 74 Jahren gestorben. Foto: LH/Pilots Eye

Mit Jürgen Raps verliert Lufthansa einen ihrer prägendsten Piloten Am Samstag, 06. Dezember, ist Jürgen Raps, langjähriger Chefpilot und prägende Persönlichkeit von Lufthansa, gestorben. Er wurde 74 Jahre alt. Seine Karriere begann 1970 in Bremen, wo er an der Verkehrsfliegerschule seine Schulung absolvierte. Nach Stationen als Copilot und Flugkapitän auf Boeing 737 und DC 10 übernahm Raps 1990 die Leitung der Verkehrsfliegerschule und formte so zahllose Pilotenkarrieren. 1996 stieg er zum Chefpiloten und Flugbetriebsleiter auf, bevor er von 2007 an als Mitglied des Passagevorstands die operative Sicherheit der Lufthansa Flotte verantwortete.  

Als einer der ersten Piloten weltweit erhielt er 2007 die Lizenz für den Airbus A380 und steuerte schon zuvor historische Erstflüge, darunter den ersten Lufthansa Linienflug nach Leipzig. Zahlreiche Medienauftritte, egal ob bei Jauch, Kerner oder Elstner machten ihn zu einem bekannten Botschafter der deutschen Luftfahrt.

Auch in seinem Ruhestand ist der Gesprächsfaden zu ihm nie abgerissen. Mit seinem umfassenden Wissen, seiner Erfahrung auf Tausenden Flugstunden und seinem Engagement in Ausbildung und Management prägte Jürgen Raps Lufthansa über Jahrzehnte. Sein Tod hinterlässt eine spürbare und sehr schmerzliche Lücke in der deutschen Luftfahrt. 

„Lebe deinen Traum und träume nicht dein Leben“ „Ich habe keinen einzigen Tag in meinen 41 Berufsjahren je bereut. Jeder Tag und jede Mission war so spannend und interessant, wie ich mir das immer gewünscht habe“, erzählte Jürgen Raps mit einer Träne im Auge an seinem allerletzten Flug mit einem A380 von San Francisco nach Frankfurt/M., wo Raps sogar noch einen tiefen Überflug über den Rhein-Main-Airport erlaubt bekam (Quelle: Pilots Eye TV). 

Wer ihn kannte, hat seine sonore, fränkisch gefärbte Stimme im Ohr. Mit nur fünf Jahren nahm Jürgen Raps an einem Flugtag am Bindlacher Berg teil, einem bekannten Segelfluggelände in der Nähe der oberfränkischen Stadt Bayreuth. Dort absolvierte er gemeinsam mit seinem Vater einen Rundflug in einer einmotorigen Dornier Do 27, einem damals nagelneuen Modell, über Oberfranken. Dieses Erlebnis prägte ihn nachhaltig: Raps wusste unmittelbar danach, dass er Pilot werden wollte. Diese frühe Begegnung mit der Luftfahrt weckte in ihm einen unstillbaren Enthusiasmus, der seine gesamte berufliche Laufbahn beeinflusste. 

Schon mit 13 Jahren trat er der Luftsportgemeinschaft Bayreuth bei und begann, das Segelfliegen zu erlernen. Den Einstieg bei Lufthansa konnte er kaum erwarten: Bereits ein halbes Jahr vor seinem Abitur sandte Raps seine Bewerbungsunterlagen an die Lufthansa Verkehrsfliegerschule in Bremen. Dies war ein mutiger, wenn auch risikoreicher Schritt, da das Abitur eine zentrale Voraussetzung darstellte und er somit noch nicht alle formalen Qualifikationen besaß. Trotz der hohen Hürden und seiner anfänglichen Skepsis bestand er das Auswahlverfahren erfolgreich.  

Am Donnerstag, 10. August 1989, schrieb  Jürgen Raps deutsche Luftfahrtgeschichte – als Kommandant des ersten Lufthansa Linienfluges LH 6010 zwischen der Bundesrepublik und der damals im Endstadium befindlichen DDR, inklusive des damals noch nötigen Umwegs über die Tschechoslowakei. Quelle: LH-Sprecher - Michael Lamberty, Linkedin / DMM