Lufthansa und Schilda lässt grüßen

Sie gelten als teure Spritfresser, die Boeing 747-400, die die Lufthansa um jeden Preis los werden will. Jetzt hat sie fünf der Jumbos an GE Aviation Materials, Inc. verkauft. Die Krux: Lufthansa kann die Maschinen nicht abliefern wegen eines Schildbürgerstreichs, um es vorsichtig zu formulieren.

Die Lufthansa hat 5 ihrer Jumbos 747-400 nach USA zum Verwerten (am Flughafen in der Mojavewüste) verkauft und kann sie vom "Parkplatz" Flughafen Enschede vorerst nicht wegbringen. Foto: wikimedia

Die Lufthansa hat 5 ihrer Jumbos 747-400 nach USA zum Verwerten (am Flughafen in der Mojavewüste) verkauft und kann sie vom "Parkplatz" Flughafen Enschede vorerst nicht wegbringen. Foto: wikimedia

Lufthansa wollte ab Dienstag, 27. Oktober 2020, nach und nach die fünf Widebodies nach USA mit Ziel am Mojave Air & Space Port, ein Flughafen in Mojave-Wüste im US-Bundesstaat Kalifornien, fliegen lassen. Die anderen vier sollte jeweils eine pro Monat angeliefert werden.

2019 hatte Europas führendes Luftfahrtunternehmen bekannt gegeben, sich von seinen 13 verbliebenen Boeing 747-400 zu verabschieden. Im Juni bzw. Juli 2020 hatte sie schon mal fünf dieser Jumbos nach Enschede geschickt, um sie dort so lange zu parken, bis man bei der Lufthansa weiß, was weiter damit passieren soll. Das Problem des Flughafens Enschede Airport Twente, 60 km westlich des Flughafens Münster-Osnabrück: Große Flugzeuge dürfen dort landen aber nicht mehr starten. So steht es im Betriebszertifikat. Das Startverbot kommt direkt von der niederländischen Transportbehörde ILT. Ob es einen Zusammenhang mit der am Flughafen sitzenden Flugzeugverwertungsfirma Aircraft-End-of-Life-Solutions (AELS) gibt, darüber kann nur spekuliert werden.

Im Frankfurter LH-Headquarter machte man sich denn auch keine große Gedanken um Enschede, wohl auch, weil niemand der LH-Strategen ahnte, dass man die großen Vierstrahler besser nicht nach Enschede gebracht hätte. Vielmehr galt in den letzten Monaten alles Bestreben der Suche nach einem Käufer für die ungeliebten Flugzeuge. Den fand die Lufthansa in der US-amerikanischen GE Aviation Materials, Inc.. Auch die GE-Tochter ist ein Verwertungsunternehmen und vertreibt Ersatz- und Gebrauchtteiler für militärische wie zivile Abnehmer aus der Luftfahrt-Branche. GE Materials Inc. sitzt jenseits des Großen Teichs in Grand Prairie, 21 km westlich von Downtown Dallas (Texas). Der US-Ersatzteilspezialist wollte die Ex-Lufthansa-Jumbos am Mojave Air & Space Port in Empfang nehmen, wo hunderte stillgelegte Flugzeugen zwischengelagert sind. Die LH-Jets sollten dort ausgeschlachtet werden.

Doch muss sich der neue Besitzer gedulden. Denn bis dato ist es der Lufthansa nicht gelungen, die fünf Jumbos in Enschede wieder frei zu bekommen. Die LH ist derzeit noch in Gesprächen mit den niederländischen Behörden.

Das Kuriose: Offensichtlich wusste nicht einmal die Flughafenchefin von Enschede, Meiltje de Groot, über das Startverbot an ihrem Airport Bescheid. Sie mutmaßt, dass der Verwerter ILT die Betriebserlaubnis geändert hat, wie immer auch das vonstatten gegangen sein mag. Denn immerhin musste ja das Verkehrsministerium mitspielen. De Groot will nun gegen die absurde Betriebserlaubnis klagen.

Das Verkehrsministerium indessen lässt die Flughafenchefin abblitzen, meldet die „Twentsche Courant Tubantia“, eine niederländische Regionalzeitung mit Redaktionssitz in Enschede. Denn das Flughafenmanagement sei es selbst gewesen, das der Lufthansa die Genehmigung erteilt hat, sechs B 747-400 im Sommer 2020 abzustellen. Quelle: Lufthansa / Tubantia / DMM